Gewindelehre richtig einsetzen - wie prüfe ich Gewinde?
Gewindelehren prüfen Gewinde nach dem Gut-Ausschuss-Prinzip, statt sie zu messen. Dieser Ratgeber erklärt Lehrdorne und Lehrringe, die Anwendung von Gut- und Ausschussseite nach DIN ISO 1502 sowie Toleranzen, Pflege und die Auswahl der richtigen Lehre.
Gewindelehren ansehenWie funktioniert das Gut-Ausschuss-Prinzip?
Eine Gewindelehre misst kein Gewinde in Millimetern, sondern entscheidet, ob es innerhalb der zulässigen Toleranz liegt. Dazu gibt es zwei Seiten: die Gutseite (GO) muss sich vollständig aufschrauben lassen, die Ausschussseite (NOGO) darf nicht oder nur wenige Gänge fassen.
Die Gutseite verkörpert das Grenzmaß des maximalen Materials und stellt sicher, dass sich das Gegenstück später paaren lässt. Die Ausschussseite verkörpert das Grenzmaß des minimalen Materials und deckt zu weite oder zu lockere Gewinde auf. Erst wenn beide Bedingungen erfüllt sind, ist das Gewinde in Ordnung.
So bauen Sie die Prüfung von Längen, Winkeln und Gewinden systematisch auf.
Zum RatgeberLehrdorn oder Lehrring - welche Lehre wofür?
Ob Sie ein Innen- oder ein Außengewinde prüfen, entscheidet über die Bauform der Lehre. Innengewinde (Muttern, Bohrungen) werden mit einem Gewindelehrdorn geprüft, Außengewinde (Bolzen, Schrauben) mit einem Gewindelehrring oder einer Rachenlehre.
- Lehrdorn: GO-Seite ist lang und lässt sich durchdrehen, NOGO-Seite ist kurz gekennzeichnet (oft mit roter Nut).
- Lehrring: GO-Ring ohne Ringnut, NOGO-Ring mit umlaufender Nut zur Unterscheidung.
- Rachenlehre: schneller in der Serienprüfung, weil GO und NOGO in einem Zug geprüft werden.
- Für jedes Nennmaß und jede Toleranzklasse ist eine eigene Lehre nötig.
Welche Toleranzklassen und Kennzeichnungen gelten?
Metrische ISO-Gewinde nach DIN 13 werden über Toleranzfelder klassifiziert. Für Innengewinde ist 6H der Standard, für Außengewinde 6g. Die Lehre muss zur Toleranzklasse des Werkstücks passen, sonst ist die Prüfaussage wertlos.
Die Bezeichnung einer Lehre nennt Nenndurchmesser, Steigung und Toleranzfeld, zum Beispiel M10 x 1,5 - 6H. DIN ISO 1502 legt Profil, Grenzmaße und die Prüfvorschrift der Lehren selbst fest, während DIN 13 die Gewindemaße des Werkstücks beschreibt.
Wie werden Gewindelehren gepflegt und geprüft?
Gewindelehren sind gehärtete Präzisionswerkzeuge und verschleißen bei jeder Prüfung minimal. Schon leichter Verschleiß der GO-Seite verfälscht das Ergebnis, deshalb sind Reinigung, schonende Anwendung und regelmäßige Kalibrierung Pflicht.
- Nie mit Kraft oder Werkzeug aufschrauben - die Gutseite muss von Hand fassen.
- Nach Gebrauch reinigen und leicht ölen, um Korrosion und Anhaftungen zu vermeiden.
- Getrennt und geschützt lagern, damit die Flanken nicht beschädigt werden.
- In definierten Intervallen kalibrieren lassen und die Ergebnisse dokumentieren.
Häufige Fragen
Was bedeutet Gut und Ausschuss bei einer Gewindelehre?
Die Gutseite (GO) muss sich vollständig aufschrauben lassen und prüft das Maximum-Material-Maß. Die Ausschussseite (NOGO) darf nicht oder nur ein bis zwei Gänge fassen und prüft das Minimum-Material-Maß. Nur wenn beide Bedingungen erfüllt sind, ist das Gewinde in Ordnung.
Womit prüfe ich ein Innengewinde und womit ein Außengewinde?
Innengewinde in Muttern oder Bohrungen prüfen Sie mit einem Gewindelehrdorn, Außengewinde an Bolzen oder Schrauben mit einem Gewindelehrring oder einer Rachenlehre. Beide arbeiten nach dem Gut-Ausschuss-Prinzip.
Warum darf sich die Ausschussseite überhaupt einschrauben?
DIN ISO 1502 lässt ein Einschrauben von höchstens ein bis zwei Gängen zu, weil die ersten Gänge Anschnitt und Formabweichungen haben. Fasst die NOGO-Seite tiefer, ist das Gewinde zu weit und damit Ausschuss.
Wie oft muss eine Gewindelehre kalibriert werden?
Das Intervall richtet sich nach der Nutzungshäufigkeit und den Qualitätsvorgaben, üblich sind jährliche Prüfungen oder eine Kalibrierung nach einer festgelegten Anzahl Prüfungen. Wichtig ist die dokumentierte Rückführbarkeit und eine überwachte Verschleißgrenze.
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