Reflow-Profil erstellen - so gelingt es Schritt für Schritt
Ein sauberes Reflow-Profil entscheidet über Lötstellenqualität, Benetzung und Ausschuss. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie Sie mit Profiler und Thermoelementen ein Profil nach dem Lotpasten-Datenblatt aufnehmen, die vier Zonen einstellen und Peak, TAL und Anstiegsraten sicher treffen.
Reflow-Zubehör ansehenWas ist ein Reflow-Profil und warum ist es wichtig?
Ein Reflow-Profil ist der zeitliche Temperaturverlauf, den eine Baugruppe im Reflow-Ofen durchläuft. Es steuert, wie das Flussmittel aktiviert wird, wie das Lot aufschmilzt und wie sich die intermetallische Phase bildet. Das Ziel ist eine gleichmässige Erwärmung ohne thermischen Schock und ohne Überhitzung empfindlicher Bauteile.
Man unterscheidet zwei Profilformen: das Ramp-Soak-Spike (RSS) mit einer Vorheiz- und Haltezone und das Ramp-to-Peak (RTP) mit durchgehend linearem Anstieg. Welche Form passt, gibt das Datenblatt der Lotpaste vor. Für bleifreie SAC305-Paste liegt der Liquiduspunkt bei rund 217 °C, die Peaktemperatur typisch bei 235 bis 249 °C.
- Vorheizen (Preheat): sanfter Anstieg auf etwa 150 °C, Anstiegsrate 1 bis 3 K/s.
- Soak (thermischer Ausgleich): 60 bis 120 s bei 150 bis 200 °C, aktiviert das Flussmittel.
- Reflow: Überschreiten des Liquidus, Peak nach Datenblatt, TAL 45 bis 90 s.
- Abkühlen: kontrolliert mit maximal 3 bis 4 K/s, um spröde Lötstellen zu vermeiden.
Wie platziert man Thermoelemente richtig?
Der Profiler misst über Thermoelemente vom Typ K die reale Temperatur direkt an der Lötstelle. Entscheidend ist die thermische Ankopplung: Ein schlecht befestigtes Thermoelement misst Luft statt Bauteil und liefert ein falsches Profil. Befestigen Sie die Messstellen mit Hochtemperatur-Lot, SMD-Kleber oder Aluminium-Klebeband.
Wie stellt man das Profil nach Datenblatt ein?
Nach dem ersten Messlauf vergleichen Sie die aufgenommene Kurve mit dem Prozessfenster des Datenblatts. Passen Sie die Zonentemperaturen und die Bandgeschwindigkeit iterativ an, bis alle Bauteile innerhalb der Grenzen liegen. Wichtig ist die Delta-T-Kontrolle: Die Differenz zwischen wärmster und kältester Messstelle sollte im Reflow möglichst unter 5 °C bleiben.
- Peaktemperatur prüfen: über Liquidus, aber unter der Bauteilgrenze nach IPC J-STD-020.
- Time Above Liquidus (TAL) messen: typisch 45 bis 90 s für SAC305.
- Anstiegsrate im Reflow begrenzen: 1 bis 3 K/s, Spitzen vermeiden.
- Soak-Fenster einhalten, damit das Flussmittel vollständig aktiviert.
- Abkühlrate kontrollieren: unter 4 K/s für feinkörniges, festes Gefüge.
Häufige Fragen
Wie viele Thermoelemente brauche ich?
Für eine belastbare Aussage mindestens drei bis fünf: am grössten und kleinsten Bauteil sowie am Leiterplattenrand. So erfassen Sie das gesamte thermische Spektrum der Baugruppe.
Woher nehme ich Peak und TAL?
Immer aus dem Datenblatt der eingesetzten Lotpaste. Der Hersteller gibt Liquidus, empfohlenen Peak, TAL-Fenster und maximale Anstiegsraten an. Diese Werte sind für Ihr Profil verbindlich.
Was bedeutet Delta-T bei der Profilierung?
Delta-T ist die Temperaturdifferenz zwischen wärmster und kältester Messstelle zum selben Zeitpunkt. Ein kleines Delta-T im Reflow, möglichst unter 5 °C, sorgt für gleichmässige Lötstellen.
Ramp-Soak oder Ramp-to-Peak?
Das hängt von Paste und Baugruppe ab. Ramp-Soak hilft bei hoher thermischer Masse und aktiviert das Flussmittel gründlich, Ramp-to-Peak ist einfacher und reduziert die Gesamtwärmebelastung. Das Datenblatt gibt die Empfehlung.
Reflow-Profil sauber aufsetzen?
Wir liefern Profiler, Typ-K-Thermoelemente und Befestigungsmaterial für die reproduzierbare Profilierung nach Lotpasten-Datenblatt.
Präzise Messung
Kalibrierte Typ-K-Thermoelemente direkt an der Lötstelle.
Norm im Blick
Peaktemperaturen innerhalb der IPC J-STD-020 Grenzen.
Reproduzierbar
Dokumentierte Profile für stabile Serienfertigung.
Fachberatung
Löttechnik-Spezialisten unterstützen bei der Profilerstellung.


