Leckstrom messen und Schutzleiter prüfen - wie geht das?
Der Leckstrom ist der Strom, der im Fehlerfall über Gehäuse oder Schutzleiter abfliesst und über den Menschen fliessen könnte. Dieser Ratgeber erklärt die Wiederholungsprüfung ortsveränderlicher Geräte nach DIN VDE 0701-0702: Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand, die drei Leckstrom-Messverfahren, die Grenzwerte und das Prüfprotokoll.
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Was ist Leckstrom und warum wird geprüft?
Als Leckstrom bezeichnet man den unerwünschten Strom, der aus dem aktiven Stromkreis über Isolierung, Gehäuse oder Schutzleiter abfliesst. Bei defekter Isolierung kann dieser Strom über den Körper des Anwenders zur Erde fliessen und ist damit ein direktes Sicherheitsrisiko. Die Wiederholungsprüfung nach DIN VDE 0701‑0702 stellt sicher, dass ortsveränderliche elektrische Geräte auch nach Reparatur und im laufenden Betrieb sicher bleiben.
Die Norm gilt für alle steckerfertigen Geräte, vom Werkzeug über die Lötstation bis zur Kaffeemaschine im Betrieb. Sie ordnet Geräte den Schutzklassen SK I (mit Schutzleiter), SK II (schutzisoliert) und SK III (Schutzkleinspannung) zu, denn Prüfumfang und Grenzwerte hängen von der Schutzklasse ab.
So prüfen Sie die Isolierung eines Geräts korrekt gegen den Schutzleiter.
Zum RatgeberWelche Messungen gehören zur Prüfung?
Die Prüfung beginnt immer mit der Sichtprüfung: Gehäuse, Leitung, Stecker und Zugentlastung werden auf Beschädigung kontrolliert. Erst danach folgen die elektrischen Messungen mit einem Geräteprüfgerät. Reihenfolge und Umfang richten sich nach der Schutzklasse.
- Sichtprüfung: Leitung, Stecker, Gehäuse, Lüftungswege und Beschriftung.
- Schutzleiterwiderstand RPE mit mindestens 200 mA Prüfstrom (nur SK I).
- Isolationswiderstand RISO mit 500 V Gleichspannung.
- Ersatzableitstrom oder direkte Messung des Schutz- bzw. Berührungsstroms.
- Funktionsprüfung und Kennzeichnung mit Prüfplakette.
Welche Leckstrom-Messverfahren gibt es?
DIN VDE 0701‑0702 kennt drei Verfahren zur Bestimmung des Ableitstroms. Sie liefern vergleichbare Aussagen, unterscheiden sich aber in Sicherheit und Praxistauglichkeit. Welches Verfahren zulässig ist, hängt vom Gerät und davon ab, ob es im Betrieb sicher betrieben werden kann.
- Ersatzableitstrom: netzunabhängig, ideal für Geräte, die nicht laufen müssen.
- Differenzstrom: erfasst alle Ableitpfade auch ohne Schutzleiter, praxisnah.
- Direktmessung: nur sinnvoll bei fest geerdeten Geräten der Schutzklasse I.
Was gehört ins Prüfprotokoll?
Jede Prüfung wird dokumentiert, das Prüfprotokoll ist der Nachweis gegenüber Aufsichtsbehörde und Versicherung. Es hält Messwerte, verwendetes Verfahren, Prüfmittel und das Ergebnis fest. Moderne Geräteprüfgeräte speichern die Werte und drucken das Protokoll über Software oder Etikettendrucker.
- Eindeutige Geräte-ID, Bezeichnung, Standort und Schutzklasse.
- Gemessene Werte: RPE, RISO, Ableit- bzw. Berührungsstrom.
- Verwendetes Prüfgerät mit Kalibriernachweis und Prüfverfahren.
- Datum, Ergebnis (bestanden/nicht bestanden) und nächster Prüftermin.
- Name und Unterschrift der befähigten Person nach TRBS 1203.
Häufige Fragen
Wie hoch darf der Schutzleiterstrom sein?
Bei Geräten der Schutzklasse I liegt der Grenzwert nach DIN VDE 0701‑0702 bei 3,5 mA. Bei Heizgeräten über 3,5 kW sind je kW höhere Werte zulässig, maximal jedoch 1 mA pro kW.
Was ist der Unterschied zwischen Ersatzableitstrom und Differenzstrom?
Beim Ersatzableitstrom ist das Gerät stromlos und wird mit einer Prüfspannung gespeist. Der Differenzstrom wird am betriebenen Gerät als Differenz zwischen Aussen- und Neutralleiter gemessen und bildet reale Bedingungen ab.
Welchen Schutzleiterwiderstand muss ein Gerät einhalten?
Bis 5 m Anschlussleitung maximal 0,3 Ω. Je weitere 7,5 m darf der Wert um 0,1 Ω steigen, insgesamt aber 1,0 Ω nicht überschreiten.
Wer darf die Prüfung durchführen?
Nur eine Elektrofachkraft oder eine befähigte Person nach TRBS 1203, die Gerät, Verfahren und Grenzwerte beurteilen kann und ein geeignetes, kalibriertes Prüfgerät verwendet.
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