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IPC-A-610

IPC-Klasse 2 oder 3 - welche brauchen Sie wirklich?

Die IPC-A-610 unterscheidet drei Abnahmeklassen für elektronische Baugruppen. Dieser Ratgeber zeigt, wann Klasse 2 genügt und wann Klasse 3 Pflicht ist - anhand von Einsatzzweck, geforderter Lebensdauer und konkreten Abnahmekriterien.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
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3 Klassen
nach IPC-A-610
Klasse 2
Standard-Elektronik
Klasse 3
hohe Zuverlässigkeit
75 %
Lötstellenfüllung Klasse 3
Inhalt
  1. Die drei Klassen
  2. Die Entscheidung
  3. Abnahmekriterien
  4. Häufige Fragen

Was bedeuten die drei IPC-Klassen?

Die IPC-A-610 Acceptability of Electronic Assemblies definiert drei Produktklassen, die sich an der geforderten Zuverlässigkeit orientieren. Sie legen fest, welche Fertigungsergebnisse als akzeptabel gelten, und sind eng mit der Fertigungsnorm IPC-J-STD-001 verzahnt.

Klasse 1 umfasst einfache Konsumgüter mit kurzer Lebensdauer. Klasse 2 deckt den Grossteil der professionellen Elektronik ab, bei der eine lange Lebensdauer erwünscht, ein gelegentlicher Ausfall aber unkritisch ist. Klasse 3 gilt für Baugruppen, die dauerhaft und unter erschwerten Bedingungen funktionieren müssen, wenn ein Ausfall Leib und Leben gefährdet.

Die Klasse wird vom Auftraggeber im Vertrag oder in der Fertigungszeichnung festgelegt. Ist nichts vereinbart, gilt nach IPC-A-610 standardmässig Klasse 2.

Wann Klasse 2 und wann Klasse 3?

Die Wahl richtet sich nach Einsatzumgebung, Ausfallfolgen und Lebensdauer. Je gravierender die Folgen eines Ausfalls und je härter die Umgebung, desto eher ist Klasse 3 gefordert.

  • Klasse 2 wählen: Industriesteuerungen, Netzteile, IT-Hardware, Haushaltsgeräte - lange Lebensdauer erwünscht, Ausfall unkritisch.
  • Klasse 3 wählen: Medizingeräte, Luft- und Raumfahrt, Automotive-Sicherheit, Wehrtechnik - Ausfall gefährdet Menschen oder verursacht hohe Folgekosten.
  • Umgebung prüfen: Vibration, Temperaturzyklen, Feuchte und Schock sprechen für Klasse 3.
  • Wartbarkeit prüfen: Ist die Baugruppe nach Einbau kaum zugänglich, steigt der Zuverlässigkeitsanspruch.
  • Norm-Vorgabe prüfen: Branchennormen wie ISO 13485 oder Automotive-Standards verweisen oft direkt auf Klasse 3.
Klasse 3 kostet mehr in Material, Prüfung und Nacharbeit. Eine höhere Klasse zu fordern, als der Einsatzzweck verlangt, treibt die Kosten unnötig - die Klasse sollte begründet und dokumentiert sein.
Lötprofil und Temperatur

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Wie unterscheiden sich die Abnahmekriterien?

Klasse 2 und Klasse 3 verlangen dieselbe grundsätzliche Lötqualität, aber Klasse 3 lässt deutlich engere Toleranzen zu. Bei Durchsteckmontage, Lötstellenfüllung, Anschlussüberstand und zulässigen Anomalien gelten strengere Grenzwerte.

In der Praxis bedeutet Klasse 3 mehr Sorgfalt am Arbeitsplatz: kontrollierte Lötprofile, geprüfte Werkzeuge, oft eine 100-Prozent-Sichtprüfung und eine lückenlose Dokumentation. Nacharbeit und Reparaturen sind nur unter strengen Bedingungen erlaubt.

Für die Abnahme gilt der Grundsatz: die Fertigungsnorm IPC-J-STD-001 beschreibt, wie gelötet wird, die IPC-A-610 bewertet das Ergebnis. Beide referenzieren dieselben Klassen.

Häufige Fragen

Welche IPC-Klasse gilt, wenn nichts vereinbart wurde?

Ohne ausdrückliche Vorgabe gilt nach IPC-A-610 standardmässig Klasse 2. Wer Klasse 3 benötigt, muss dies vertraglich oder in der Fertigungszeichnung festhalten.

Ist Klasse 3 immer besser als Klasse 2?

Nein. Klasse 3 ist strenger und teurer, aber nur dort sinnvoll, wo Ausfälle Menschen gefährden oder hohe Folgekosten verursachen. Für normale Industrieelektronik ist Klasse 2 die passende und wirtschaftliche Wahl.

Was unterscheidet IPC-A-610 von IPC-J-STD-001?

IPC-J-STD-001 ist die Fertigungsnorm und beschreibt das Löten selbst, IPC-A-610 ist die Abnahmenorm und bewertet das fertige Ergebnis. Beide nutzen dasselbe Drei-Klassen-System.

Muss bei Klasse 3 zu 100 Prozent geprüft werden?

Die Norm schreibt kein festes Prüfregime vor, aber in der Praxis wird für Klasse 3 meist eine 100-Prozent-Sichtprüfung mit voller Dokumentation gefahren, während Klasse 2 oft mit Stichproben auskommt.

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