IPC-A-610 Abnahmekriterien - welche Lötstelle ist gut?
Die IPC-A-610 ist der weltweite Standard für die visuelle Beurteilung elektronischer Baugruppen. Dieser Ratgeber erklärt die drei Produktklassen, die wichtigsten Abnahmekriterien für Löt- und SMT-Stellen sowie den Unterschied zwischen Ziel, akzeptabel und Fehler.
Löttechnik ansehenWas bedeuten die drei Klassen der IPC-A-610?
Die IPC-A-610 teilt elektronische Baugruppen nach ihrem Anforderungsprofil in drei Klassen ein. Die Klasse legt fest, wie streng eine Lötstelle bewertet wird - je höher das Ausfallrisiko, desto strenger die Kriterien.
Klasse 1 umfasst Elektronik für allgemeine Anwendungen, bei der die Funktion im Vordergrund steht. Klasse 2 deckt langlebige Geräte ab, bei denen eine ununterbrochene Funktion gewünscht, ein gelegentlicher Ausfall aber tolerierbar ist. Klasse 3 gilt für hochzuverlässige Baugruppen, deren Ausfall lebensbedrohlich sein kann, etwa in Medizin-, Luftfahrt- und Sicherheitstechnik.
Welche visuellen Kriterien gelten für eine Lötstelle?
Die IPC-A-610 unterscheidet drei Bewertungsstufen: Zielzustand (target), akzeptabel (acceptable) und Fehler (defect). Eine gute Lötstelle zeigt eine glatte, konkave Kehle und einen guten Benetzungswinkel von etwa 90 Grad oder weniger.
- Benetzung: das Lot fliesst gleichmässig und bildet einen niedrigen Benetzungswinkel, ideal deutlich unter 90 Grad.
- Durchstieg bei bedrahteten Bauteilen (THT): Klasse 1 fordert keinen vollen Durchstieg, Klasse 2 mindestens 75 Prozent, Klasse 3 mindestens 75 Prozent mit sichtbarer Kehle beidseitig.
- Zinnmenge: weder zu wenig (fehlende Kehle) noch zu viel (Klotzbildung, die die Kontur verdeckt).
- Oberfläche: bei bleifreien Loten ist eine leicht matte, körnige Oberfläche normal und kein Fehler.
- Keine Risse, keine kalten Stellen, keine Lötbrücken zu Nachbaranschlüssen.
Temperaturstabile Stationen sind die Basis für reproduzierbar gute Lötstellen.
Zum RatgeberWie wendet man die IPC-A-610 am Arbeitsplatz an?
Die visuelle Prüfung erfolgt unter definierten Bedingungen: ausreichende Beleuchtung von mindestens 1000 Lux und eine Vergrösserung passend zum Pitch der Bauteile. Für Feinabstände ist ein Stereomikroskop oder eine Lupenleuchte mit 3- bis 10-facher Vergrösserung üblich.
- Prüfer nach IPC-A-610 (CIS) schulen und Zertifikat aktuell halten.
- ESD-Schutz am Prüfplatz sicherstellen, damit die Baugruppe nicht geschädigt wird.
- Grenzmuster und Fotobeispiele am Platz bereithalten, um Zweifelsfälle einheitlich zu bewerten.
Häufige Fragen
Welche Klasse gilt, wenn nichts vereinbart wurde?
Ist keine Klasse spezifiziert, gilt üblicherweise Klasse 2. Für sicherheitskritische oder hochzuverlässige Produkte sollte die Klasse jedoch immer ausdrücklich schriftlich festgelegt werden.
Ist eine matte Lötstelle ein Fehler?
Nein. Bei bleifreien Loten ist eine leicht matte, körnige Oberfläche normal und nach IPC-A-610 kein Mangel. Ein Fehler liegt erst bei schlechter Benetzung, Rissen oder falscher Zinnmenge vor.
Wie viel Durchstieg braucht eine THT-Lötstelle?
In Klasse 2 und 3 sind mindestens 75 Prozent Durchstieg der Durchkontaktierung gefordert. Klasse 1 verlangt keinen vollständigen Durchstieg, solange die Verbindung funktioniert.
Ersetzt die IPC-A-610 eine elektrische Prüfung?
Nein. Die IPC-A-610 ist ein rein visueller Abnahmestandard. Elektrische Funktions- und In-Circuit-Tests bleiben zusätzlich erforderlich.
Lötarbeitsplatz nach IPC-A-610 einrichten?
Wir liefern Lötstationen, Lupenleuchten und ESD-Ausstattung für reproduzierbar gute Lötstellen - passend zu Klasse 1, 2 und 3.
Normkonform
Ausstattung passend zur visuellen Abnahme nach IPC-A-610.
Prozesssicher
Temperaturstabile Stationen für konstante Lötqualität.
Prüfbar bewertet
Lupen und Mikroskope für die Klassenbewertung.
Fachberatung
Unsere Spezialisten unterstützen bei Auswahl und Aufbau.