Wie prüft und bewertet man Lötstellen nach IPC-A-610?
IPC-A-610 ist der Branchenstandard für die Abnehmbarkeit elektronischer Baugruppen. Eine gute Lötstelle ist glatt, glänzend, zeigt eine konkave Kehle und vollständige Benetzung. Bewertet wird per Sichtprüfung und Mikroskop gegen die Akzeptanzklassen 1, 2 und 3.
Zur LöttechnikWoran erkennt man eine gute Lötstelle?
IPC-A-610 (Acceptability of Electronic Assemblies) ist der weltweit verbreitetste Standard für die visuelle Abnahme von Lötstellen und Baugruppen. Eine gute Verbindung hat eine glatte, gleichmäßige Oberfläche, eine konkave Kehle zwischen Anschluss und Pad und zeigt vollständige Benetzung ohne abgerissene Ränder.
Vollständige Benetzung bedeutet, dass das Lot flach und mit spitzem Randwinkel auf Pad und Anschluss ausläuft, statt kugelig darauf zu perlen. Die Kehle soll konkav sein, also leicht eingezogen. Zu viel Lot verdeckt die Kontur, zu wenig Lot lässt Pad oder Anschluss frei. Bei bleifreien Legierungen ist die Oberfläche oft matter, was allein kein Fehler ist.
Welche Lötfehler treten häufig auf?
Die meisten Lötfehler entstehen durch zu wenig oder zu viel Wärme, falsche Lotmenge oder unzureichendes Flussmittel. Die folgende Tabelle ordnet die typischen Defekte ihrer Ursache und ihrem Erscheinungsbild zu, damit sie bei der Sichtprüfung sicher erkannt werden.
| Fehler | Ursache | Erscheinungsbild |
|---|---|---|
| Kalte Stelle | zu wenig Wärme, Bewegung beim Erstarren | matt, körnig, rissig |
| Zu wenig Lot | kurze Lotzufuhr, schlechte Benetzung | Kehle unvollständig, Pad frei |
| Zu viel Lot | zu lange Lotzufuhr | kugelig, Kontur verdeckt |
| Brücke (Kurzschluss) | zu viel Lot, enger Abstand | Lotverbindung zwischen Pads |
| Grabstein (Tombstoning) | ungleiche Erwärmung, Bauteil aufgerichtet | Chip einseitig hochgezogen |
| Lunker (Voids) | eingeschlossenes Gas, Ausgasung | Hohlraum, nur im Röntgen sichtbar |
| Unzureichende Benetzung | Oxidation, wenig Flussmittel | Lot perlt, hoher Randwinkel |
| Gestörte Stelle | Bewegung vor dem Erstarren | aufgeraut, verzogen, matt |
Wie prüft man und was bedeuten die Klassen 1, 2 und 3?
Geprüft wird zuerst per Sichtprüfung mit gutem Licht, bei feinen Strukturen und Zweifelsfällen zusätzlich unter dem Stereomikroskop mit 10- bis 20-facher Vergrößerung. Lunker im Inneren zeigt nur das Röntgen. IPC-A-610 definiert drei Akzeptanzklassen mit steigender Anforderung.
- Klasse 1 - Allgemeine Elektronik: einfache Geräte, bei denen die Funktion im Vordergrund steht.
- Klasse 2 - Gebrauchselektronik: dauerhafte Nutzung, längere Lebensdauer, geringe Fehlertoleranz.
- Klasse 3 - Hochzuverlässige Elektronik: Medizin, Luftfahrt, Militär, wo Ausfall nicht toleriert wird.
Die Klasse legt fest, wie streng Kriterien wie minimale Benetzung, zulässige Lunkeranteile oder Kehlenausbildung ausgelegt werden. Ein Merkmal, das in Klasse 1 akzeptabel ist, kann in Klasse 3 bereits ein Fehler sein. Vor der Bewertung muss daher die geforderte Klasse feststehen.
Das passende Flussmittel entscheidet über Benetzung und saubere Kehlen bei der Sichtprüfung.
Flussmittel-Typen lesenHäufige Fragen
Was ist IPC-A-610?
IPC-A-610 (Acceptability of Electronic Assemblies) ist der internationale Standard für die visuelle Abnahme von Lötstellen und elektronischen Baugruppen. Er definiert Akzeptanzkriterien und die drei Klassen 1, 2 und 3 mit steigenden Zuverlässigkeitsanforderungen.
Wie sieht eine gute Lötstelle aus?
Eine gute Lötstelle ist glatt, zeigt eine konkave Kehle zwischen Anschluss und Pad und ist vollständig benetzt, das heißt das Lot läuft mit spitzem Randwinkel aus. Bei bleifreiem Lot darf die Oberfläche matter wirken, ohne dass es ein Fehler ist.
Was bedeuten die IPC-Klassen 1, 2 und 3?
Klasse 1 steht für allgemeine Elektronik mit Fokus auf Funktion, Klasse 2 für langlebige Gebrauchselektronik und Klasse 3 für hochzuverlässige Baugruppen wie in Medizin oder Luftfahrt. Je höher die Klasse, desto strenger die Abnahmekriterien.
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