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IEC 61557

Isolationswiderstand messen: welche Prüfspannung und welche Grenzwerte gelten?

Der Isolationswiderstand zeigt, wie gut die Isolierung von Kabeln, Motoren und Anlagen den Strom vom Schutzleiter fernhält. Gemessen wird er mit einem Isolationsmessgerät, das eine hohe Gleichspannung anlegt und den Widerstand in Megaohm oder Gigaohm anzeigt. Prüfspannung und Grenzwert richten sich nach der Nennspannung.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Messtechnik-Spezialisten
Messgeräte ansehen
250 / 500 / 1000 V DC
Typische Prüfspannungen
MΩ bis GΩ
Anzeige
1 MΩ
Mindestwert (bis 500 V)
IEC 60364-6
Grenzwerte nach
Inhalt
  1. Grundlagen
  2. Prüfspannung & Grenzwerte
  3. Sicherheit & Einflüsse
  4. Häufige Fragen

Wie wird der Isolationswiderstand gemessen?

Der Isolationswiderstand wird mit einem Isolationsmessgerät, oft Megohmmeter genannt, gemessen. Das Gerät legt eine hohe Gleichspannung zwischen die Leiter und den Schutzleiter oder die Erde an und misst den dabei fliessenden geringen Reststrom. Daraus errechnet es den Widerstand und zeigt ihn in Megaohm (MΩ) oder Gigaohm (GΩ) an.

Anders als beim Durchgang oder beim Widerstand mit dem Multimeter arbeitet die Isolationsmessung mit deutlich höherer Spannung, weil sich Schwächen der Isolierung erst unter Spannung zeigen. Fehlerhafte Isolierung, Feuchtigkeit oder Alterung führen zu Kriechströmen, die den gemessenen Widerstand sinken lassen. Geprüft werden typischerweise Kabel und Leitungen, Motorwicklungen, Transformatoren sowie ganze elektrische Anlagen vor der Inbetriebnahme und bei wiederkehrenden Prüfungen.

Die Anforderungen an das Messgerät selbst regelt die Normenreihe IEC 61557; Teil 2 beschreibt Geräte zur Messung des Isolationswiderstands. Ein hoher Anzeigewert bedeutet gute Isolierung, ein niedriger Wert deutet auf einen beginnenden oder bestehenden Isolationsfehler hin.

Welche Prüfspannung und welche Grenzwerte gelten?

Prüfspannung und Mindestwert richten sich nach der Nennspannung des geprüften Stromkreises. Die Grundlage für Niederspannungsanlagen bildet IEC 60364‑6 (Prüfung elektrischer Anlagen). Je höher die Betriebsspannung, desto höher die Prüfspannung und der geforderte Mindestwiderstand.

Nennspannung des StromkreisesPrüfspannung (DC)Mindestwiderstand
SELV und PELV250 V0,5 MΩ
bis 500 V (inkl. FELV)500 V1 MΩ
über 500 V1000 V1 MΩ

Die Faustregel für den Mindestwert lautet 1 MΩ für die meisten Niederspannungsstromkreise bis 500 V. Diese Werte sind Untergrenzen für die Abnahme; neuwertige, trockene Anlagen erreichen in der Praxis oft Werte im hohen MΩ- oder GΩ-Bereich. Für Motoren und Maschinen gelten teils eigene Empfehlungen, etwa aus IEC 60204‑1 oder herstellerspezifische Grenzwerte, die deutlich höher liegen können.

Feuchtigkeit

Kondenswasser oder eingedrungene Nässe senkt den Isolationswiderstand oft nur vorübergehend.

Alterung

Spröde oder rissige Isolierung führt zu dauerhaft niedrigen Werten und sollte geprüft werden.

Grenzwert unterschritten

Liegt der Wert unter dem Mindestwiderstand, gilt der Stromkreis als nicht bestanden.

Trend beobachten

Sinkende Werte über mehrere Prüfungen zeigen eine sich verschlechternde Isolierung früh an.

Worauf ist bei Sicherheit und Einflussgrößen zu achten?

Vor der Messung muss der Stromkreis sicher freigeschaltet und spannungsfrei sein. Während der Messung liegt eine gefährliche Gleichspannung an; nach der Messung speichern Kabel und Wicklungen wie ein Kondensator Ladung. Deshalb muss das Prüfobjekt nach dem Test entladen werden, bevor man es berührt.

Moderne Isolationsmessgeräte entladen das Prüfobjekt nach dem Loslassen der Messtaste automatisch über einen internen Widerstand. Man wartet, bis die Anzeige auf 0 V fällt, und trennt erst dann die Prüfleitungen. Bei langen Kabeln oder grossen Maschinen kann die Entladung mehrere Sekunden dauern.

Temperatur und Feuchtigkeit beeinflussen das Ergebnis erheblich: Der Isolationswiderstand sinkt mit steigender Temperatur und hoher Luftfeuchte. Für vergleichbare Werte sollte möglichst bei ähnlichen Bedingungen und trockener Oberfläche gemessen und die Temperatur dokumentiert werden. Für Verwandtes siehe unseren Ratgeber zur Erdungswiderstandsmessung und zur Auswahl des Multimeters.

Häufige Fragen

Warum wird mit Gleichspannung statt Wechselspannung gemessen?

Gleichspannung belastet die Isolierung ohne kapazitive Blindstromanteile und liefert einen stabilen, reproduzierbaren Messwert. So lässt sich der reine Isolationswiderstand ohne Einfluss der Leitungskapazität bestimmen.

Welchen Mindestwert muss der Isolationswiderstand erreichen?

Nach IEC 60364‑6 gilt für Stromkreise bis 500 V ein Mindestwert von 1 MΩ, für SELV und PELV 0,5 MΩ und über 500 V ebenfalls 1 MΩ. Neuwertige trockene Anlagen liegen meist deutlich höher im MΩ- bis GΩ-Bereich.

Muss ich nach der Messung wirklich entladen?

Ja. Kabel und Wicklungen halten nach der Prüfung eine gefährliche Restladung. Die meisten Geräte entladen automatisch; man wartet, bis die Anzeige 0 V zeigt, und trennt erst dann die Prüfleitungen.

Passendes Isolationsmessgerät finden

Vom kompakten Isolationstester bis zum Installationstester mit 250, 500 und 1000 V - wir helfen bei Auswahl und Anwendung nach IEC 61557.

Normbezug

Grenzwerte nach IEC 60364-6, Messgeräte nach IEC 61557-2.

Neutral beraten

Empfehlung nach Anwendung und Spannungsebene, herstellerunabhängig.

Passende Geräte

Isolationstester und Installationsprüfgeräte für 250 bis 1000 V DC.

Fachwissen

Weiterführend: unser Ratgeber zur Erdungswiderstandsmessung unter /de/ratgeber/erdungswiderstand-messen.

Weitere Ratgeber