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DIN EN 61340-5-1

Isolatoren und isolierte Leiter in der EPA: Wann ist Ionisation nötig?

Isolatoren und isolierte Leiter lassen sich nicht über eine Erdverbindung entladen. Ionisation ist nötig, wenn ein prozessnotwendiger Isolator weder entfernt noch ersetzt noch mindestens 30 cm vom Bauteil ferngehalten werden kann oder wenn ein Leiter ohne Erdverbindung Bauteile berührt. Ob das Feld kritisch ist, zeigt ein Feldmeter am Ort des Bauteils.

8 Min.Stand: 2026-10Geprüft: ESD-Spezialisten
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30 cm
Mindestabstand Isolator zu Bauteil
± 35 V
max. Offset-Spannung des Ionisators
< 20 s
Entladezeit 1000 auf 100 V
CDM
Hauptrisiko durch Feld-Influenz
Inhalt
  1. Warum Erdung scheitert
  2. Isolatoren und isolierte Leiter
  3. Entscheidungsweg
  4. Feldmessung am Bauteil
  5. Anforderungen an Ionisation
  6. Häufige Fragen

Warum kann man einen Isolator nicht erden?

Ein Isolator hat einen so hohen Oberflächen- und Durchgangswiderstand, dass Ladung auf ihm praktisch an Ort und Stelle bleibt. Ein Erdungskabel entlädt nur den Punkt, den es berührt, die übrige Fläche behält ihre Ladung. Deshalb verlangt DIN EN 61340-5-1, Isolatoren nicht zu erden, sondern ihr elektrostatisches Feld zu bewerten und zu beherrschen.

Bei Leitern und ableitfähigen Werkstoffen wandert Ladung durch das Material zum Erdpunkt. Kunststoffe wie Polystyrol, PET-Folie oder Acrylglas bieten diesen Weg nicht: Ladung aus Reiben, Abziehen oder Trennen bleibt je nach Luftfeuchte lange bestehen.

Das eigentliche Risiko ist das Feld, nicht die Berührung. Liegt ein empfindliches Bauteil im Feld eines geladenen Isolators, verschieben sich die Ladungen im Bauteil (Influenz). Berührt es in diesem Zustand einen geerdeten Leiter, fließt Ladung schlagartig ab: ein CDM-Ereignis (Charged Device Model). Wird das Bauteil danach aus dem Feld genommen und erneut geerdet, folgt eine zweite Entladung mit umgekehrter Polarität.

+ + + ++ + + +Geladener IsolatorElektrostatisches Feld- -+ +Bauteil (ESDS)ErdeEntladung
Schema: Das Feld des geladenen Isolators trennt die Ladungen im Bauteil, beim Kontakt mit Erde entsteht ein CDM-Ereignis, ohne dass der Isolator das Bauteil berührt.
Wie sich isolierende, ableitfähige und leitfähige Werkstoffe unterscheiden, erklärt der Ratgeber Antistatisch, ableitfähig oder leitfähig.

Was sind prozessnotwendige Isolatoren und isolierte Leiter?

Prozessnotwendige Isolatoren sind Materialien, die das Produkt oder der Prozess zwingend braucht und für die es keine ableitfähige Alternative gibt, etwa Leiterplattenbasismaterial, Kunststoffgehäuse, Folien und Bedienteile. Isolierte Leiter sind metallische Teile ohne Erdverbindung, die Bauteile berühren, zum Beispiel Prüfspitzen, Bonddrähte, Handwerkzeug und Transportrollen.

Der Unterschied bestimmt die Maßnahme. Auf einem Isolator ist die Ladung ortsfest. Ein isolierter Leiter sammelt frei bewegliche Ladung und gibt sie beim ersten Kontakt vollständig und sehr schnell ab. Dafür lässt er sich meist nachträglich erden, ein Isolator nie.

ObjektEinordnungErste Maßnahme
LeiterplattenbasismaterialProzessnotwendiger IsolatorIonisation am Handlingpunkt
Kunststoffgehäuse, BauteilträgerProzessnotwendiger IsolatorAbstand, sonst Ionisation
Schutzfolien, AbdeckungenIsolatorAbleitfähige Variante, sonst Ionisation
Bedienteile, Displays, TastenProzessnotwendiger IsolatorAbstand oder Ionisation
Prüfspitzen, BonddrähteIsolierter LeiterErden oder Potenzialausgleich
Handwerkzeug, TransportrollenIsolierter LeiterAbleitfähige Ausführung, sonst Ionisation
Nicht prozessnotwendig sind Klarsichthüllen, private Becher, Kunststoffordner oder Verpackungsreste. Sie werden aus der EPA entfernt, ein Ionisator ist dafür keine Begründung.

In welcher Reihenfolge geht man mit Isolatoren um?

Ionisation ist der letzte Schritt, nicht der erste. Zuerst wird geprüft, ob der Isolator entfernt werden kann, dann, ob es eine ableitfähige Alternative gibt, dann, ob sich mindestens 30 cm Abstand zum Bauteil einhalten lassen. Erst wenn keine dieser Maßnahmen greift, neutralisiert ein Ionisator die Ladung direkt am Ort des Prozesses.

  • Entfernen: Was für den Arbeitsschritt nicht gebraucht wird, verlässt den Arbeitsplatz.
  • Ersetzen: Folien, Behälter und Werkzeuggriffe in ableitfähiger Ausführung verwenden, isolierte Leiter erden oder in den Potenzialausgleich einbinden.
  • Abstand: Verbleibende Isolatoren mit nennenswertem Feld mindestens 30 cm vom Bauteil fernhalten, das Feld nimmt mit der Entfernung deutlich ab.
  • Ionisieren: Wenn nichts davon möglich ist, etwa weil der Isolator Teil des Produkts ist.

Welche Bauform passt zu welchem Fall?

Tischionisatoren decken einen Arbeitsplatz ab und passen in kompakter Form auch in Maschinen. Überkopfionisatoren versorgen die ganze Tischfläche von oben, auch wenn Gegenstände den Luftstrom eines Tischgeräts abschatten würden. Druckluftionisatoren wirken punktuell, etwa an Bestückungsstationen, und lösen zugleich angezogene Partikel.

Ionisiergeräte

Tisch-, Überkopf- und Druckluftionisatoren für Isolatoren, die im Prozess bleiben müssen.

Zu den Produkten
Feldmeter

Messen das Feld am Ort des Bauteils und zeigen, ob Abstand genügt.

Zu den Produkten

Wie stellt man fest, ob ein Isolator kritisch ist?

Entscheidend ist das elektrostatische Feld dort, wo das Bauteil liegt oder verarbeitet wird, nicht irgendwo auf dem Tisch. Gemessen wird mit einem Feldmeter, das eine geerdete Person hält. Das Ergebnis zeigt, ob Abstand ausreicht oder ionisiert werden muss. Die Bewertung folgt DIN EN 61340-5-1, Hinweise zur Durchführung gibt IEC TR 61340-5-2.

  • Im realen Prozesszustand messen, etwa direkt nach dem Abziehen der Folie oder während des Handlings.
  • Die messende Person ist geerdet, sonst fehlt dem Gerät der Bezug.
  • Kleine Objekte ergeben im Verhältnis zum Messabstand zu niedrige Werte: näher messen oder den Wert als Untergrenze werten.
  • Ort, Abstand, Datum und Wert dokumentieren, nach Einbau eines Ionisators erneut messen.

Ein Feldmeter misst kontaktlos und verändert die Ladung auf dem Isolator nicht. Worauf es bei Messbereich, Abstandsmessung und Erdung des Geräts ankommt, beschreibt der Ratgeber Elektrostatisches Feldmeter richtig auswählen.

Was muss ein Ionisator für Isolatoren leisten?

Ein Ionisator ersetzt keine Erdung, er ergänzt sie für das, was sich nicht erden lässt. Er muss ausbalanciert sein, damit er nicht selbst Ladung aufbringt (Offset-Spannung innerhalb ± 35 V nach DIN EN 61340-5-1), und die Ladung schnell genug abbauen. Beides wird nach IEC 61340-4-7 und IEC TS 61340-5-4 regelmäßig geprüft.

Die meisten Geräte arbeiten mit Koronaentladung an Emitterspitzen. AC-Geräte brauchen wegen starker Rekombination viel Luftstrom. Gleichstrom-Geräte mit getrennten Emittern erreichen eine hohe Ionendichte bei moderatem Luftstrom und eignen sich daher für Lötplätze und empfindliche Teile.

Verschmutzte Emitterspitzen verschieben die Balance, ein verstimmter Ionisator lädt Isolatoren auf, statt sie zu entladen. Jedes Gerät gehört mit Seriennummer in den Prüfplan und wird vor und nach der Reinigung gemessen. Geräte mit Sensorrückführung regeln die Balance selbst nach.

Wie Ionisation wirkt

Ionenerzeugung, Bauformen und Grenzen der Neutralisation von Isolatoren.

Zum Ratgeber
Ionisator prüfen

Offset-Spannung und Entladezeit messen, Balance einstellen, Intervalle festlegen.

Zum Ratgeber

Häufige Fragen

Kann man einen Isolator mit einem Erdungskabel entladen?

Nein. Auf einem Isolator ist die Ladung ortsfest, ein Erdungskabel entlädt nur die Kontaktstelle. Die übrige Fläche bleibt geladen. Isolatoren werden entfernt, ersetzt, auf Abstand gehalten oder mit einem Ionisator neutralisiert.

Ersetzt ein Ionisator das Handgelenkband?

Nein. Ionisation ergänzt die Erdung von Personen, Arbeitsflächen und leitfähigen Teilen, sie ersetzt sie nicht. Ionisatoren kommen dort zum Einsatz, wo sich etwas nicht erden lässt, und als zusätzliche Absicherung des ESD-Kontrollprogramms.

Ist eine Leiterplatte ein Isolator?

Das Basismaterial ist ein prozessnotwendiger Isolator und kann sich beim automatischen Handling aufladen. Die bestückten Bauteile verhalten sich dabei wie isolierte Leiter: Sie nehmen über Influenz Ladung auf und entladen sich beim nächsten Erdkontakt als CDM-Ereignis.

Wann genügt Abstand statt Ionisation?

Wenn sich der Isolator dauerhaft mindestens 30 cm vom Bauteil entfernt halten lässt und die Feldmessung am Ort des Bauteils unkritisch ist. Ist der Isolator Teil des Produkts oder muss er nah am Bauteil bleiben, wird ionisiert.

Isolatoren im Prozess, die bleiben müssen?

Ionisatoren neutralisieren Ladung auf prozessnotwendigen Isolatoren und isolierten Leitern, Feldmeter zeigen, an welchen Stellen das nötig ist.

Normbezogen

Nach DIN EN 61340-5-1 und IEC TR 61340-5-2.

Messbar

Feldmessung am Ort des Bauteils.

Geprüft

Inhalte fachlich geprüft von ESD-Spezialisten.

Auswahlhilfe

Wir helfen bei der Produktauswahl, technische Details klären Sie direkt mit dem Hersteller.