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DIN EN 61340-5-1

ESD-Kontrollprogramm einführen: In welchen Schritten und was kostet fehlender Schutz?

Ein ESD-Kontrollprogramm nach DIN EN 61340-5-1 führen Sie in sieben Schritten ein: Verantwortliche benennen, Ist-Zustand aufnehmen, EPA-Grenzen festlegen, Grundausstattung installieren, Personal schulen, Prüfplan aufsetzen und Kennzahlen auswerten. Fehlender Schutz kostet vor allem durch latente Schäden, die erst beim Kunden als sporadischer Feldausfall auftreten und kaum reproduzierbar sind.

6 Min.Stand: 2026-10Geprüft: ESD-Spezialisten
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7 Schritte
vom Beauftragten bis zur Kennzahl
100 V HBM
Bemessungsgrundlage der Norm
< 3,5 x 107 Ω
Person über Handgelenkband zur Erde
< 109 Ω
Arbeitsfläche zur Erde (Rgp)
Inhalt
  1. Kosten ohne Schutz
  2. Anforderungen der Norm
  3. Fahrplan in 7 Schritten
  4. Grundausstattung
  5. Schulung, Prüfung, Kennzahlen
  6. Häufige Fragen

Was kostet fehlender ESD-Schutz im Betrieb?

Die teuersten ESD-Schäden sind nicht die sofort erkennbaren Totalausfälle, sondern latente Vorschädigungen. Ein Bauteil übersteht die Entladung, besteht die Endprüfung und fällt Wochen später beim Kunden aus. Dann zahlen Sie Rücklauf, Fehleranalyse, Austausch und Vertrauensverlust, oft ohne die Ursache je zu finden, weil sich der Fehler im Labor nicht nachstellen lässt.

Physikalisch ist eine Entladung ein Stromimpuls von weniger als einer Nanosekunde mit Spitzenströmen im Amperebereich. Die lokale Erwärmung reicht, um Oxidschichten und feine Leiterstrukturen moderner Halbleiter anzuschmelzen. Der Mensch spürt eine Entladung erst ab etwa 3000 V, viele Bauteile werden dagegen schon unterhalb von 100 V geschädigt. Die meisten schädigenden Ereignisse bleiben also unbemerkt.

Warum ist der Schaden so schwer nachzuweisen?

  • Totalausfall: wird in der Prüfung gefunden und verursacht Ausschuss und Nacharbeit.
  • Parameterdrift: erhöhte Leckströme oder verschobene Schwellen, das Bauteil liegt aber noch in der Toleranz.
  • Latenter Defekt: die vorgeschädigte Struktur altert schneller und versagt im Feld unter Temperatur oder Last.
  • Sporadischer Fehler: der Rückläufer zeigt in der Werkstatt keinen Befund und wird ohne Ursache geschlossen.

Was verlangt DIN EN 61340-5-1 von einem Kontrollprogramm?

DIN EN 61340-5-1 verlangt ein dokumentiertes Programm mit administrativen und technischen Anforderungen: einen Programmplan, einen Schulungsplan, einen Plan zur Compliance-Verifizierung sowie festgelegte Grenzwerte für Erdung, Personenerdung, EPA-Ausstattung und Verpackung. Ausgelegt ist die Norm für Bauteile, die eine Entladung von 100 V im Human Body Model (HBM) noch vertragen.

Die Norm schreibt nicht vor, welches Produkt Sie einsetzen, sondern welche Eigenschaft nachweisbar sein muss. Für Bauteile unterhalb von 100 V HBM oder mit hoher Empfindlichkeit nach dem Charged Device Model (CDM) sind strengere Maßnahmen nötig. Umgekehrt dürfen Sie Anforderungen anpassen, die für Ihren Prozess nicht zutreffen. Jede Anpassung wird mit Begründung im Plan festgehalten (Tailoring). Den Aufbau des Verifizierungsplans beschreibt der Ratgeber Compliance Verification Plan aufbauen.

In welchen Schritten führt man ein ESD-Programm ein?

Bewährt hat sich eine Einführung in sieben aufeinander aufbauenden Schritten: zuerst Verantwortung und Bestandsaufnahme, dann EPA-Grenzen und Ausstattung, danach Schulung und Prüfplan, zuletzt Kennzahlen. Wer mit dem Kauf von Matten beginnt, ohne Prozesse und Grenzen zu kennen, investiert häufig an der falschen Stelle und lässt die eigentlichen Schwachstellen offen.

SchrittWas festgelegt wirdErgebnis
1. Verantwortliche benennenESD-Beauftragter mit Befugnissen, Rückhalt der Geschäftsleitung, Vertreter aus Produktion, Qualität, Einkauf und InstandhaltungSchriftliche Benennung, Budget
2. Ist-Aufnahme und BegehungWo gefährdete Bauteile ausgepackt, bearbeitet, geprüft, gelagert und versendet werden, welche Isolatoren dort liegenProzesslandkarte mit Schwachstellen
3. EPA-Grenzen festlegenBereiche, Zugänge, Kennzeichnung, empfindlichstes Bauteil als BemessungsgrundlageEPA-Plan mit Grundriss
4. GrundausstattungPersonenerdung, Arbeitsflächen, Boden, Verpackung, Ionisation wo nötigAbgenommene Arbeitsplätze
5. SchulungErstschulung vor dem ersten Zutritt, Auffrischung in festem TurnusSchulungsnachweise
6. PrüfplanMessgrößen, Grenzwerte, Methoden, Intervalle, MessmittelPrüfprotokolle
7. Kennzahlen und VerbesserungPrüfquote, Abweichungen, Auditbefunde, Rückläufer mit ESD-VerdachtMaßnahmen im Regelkreis

Schritt 1 entscheidet über den Erfolg. Ohne Rückhalt der Geschäftsleitung bleibt das Programm eine Empfehlung, die unter Termindruck als Erstes fällt. Welche Befugnisse die Rolle braucht, zeigt der Ratgeber ESD-Beauftragter: Aufgaben und Verantwortung.

Worauf achten Sie bei der Begehung?

Folgen Sie dem Weg eines Bauteils vom Wareneingang bis zum Versand. Notieren Sie jede Stelle, an der es ungeschützt angefasst, abgelegt oder transportiert wird, und jeden Isolator in Reichweite: Kunststoffschalen, Folien, Klebebandabroller, Ordner, private Gegenstände. Das empfindlichste verbaute Bauteil bestimmt das Schutzniveau, nicht der Durchschnitt.

Welche Grundausstattung braucht die erste EPA?

Jede EPA braucht vier Grundelemente: Personenerdung, ableitfähige und geerdete Arbeitsflächen, einen geeigneten Boden dort, wo sich Personen bewegen, und ESD-gerechte Verpackung für Transport und Lagerung. Ionisatoren kommen hinzu, wenn sich notwendige Isolatoren nicht entfernen lassen. Die Grenzwerte für jedes Element legt DIN EN 61340-5-1 fest.

  • Person über Handgelenkband zur Erde: < 3,5 x 107 Ω, Prüfung arbeitstäglich oder durch Dauerüberwachung.
  • Arbeitsfläche zur Erde (Rgp): < 109 Ω, jede Fläche einzeln an den Erdungspunkt, keine Reihenschaltung von Matte zu Matte.
  • Boden mit Schuhwerk als Erdungsweg: System Person, Schuh und Boden < 109 Ω, Erder an beiden Füßen.
  • Ionisator für unverzichtbare Isolatoren: Offset-Spannung < ± 35 V am Arbeitsplatz.
  • Außerhalb der EPA: Bauteile nur in geschlossener, abschirmender Verpackung.
Personenschutz geht vor. Erdungsbänder enthalten einen Schutzwiderstand, an offen zugänglichen Spannungen über 250 V AC wird keine Personenerdung eingesetzt, und die Steckdosen der EPA sollten über Fehlerstrom-Schutzschalter abgesichert sein.

Den Aufbau eines einzelnen Arbeitsplatzes mit Erdungsschema beschreibt der Ratgeber EPA-Zone einrichten.

Personenerdung und Arbeitsflächen

Handgelenkbänder, Tischmatten, Erdungspunkte, Bodenlösungen und Verpackung für die Grundausstattung.

Zu den Produkten
EPA-Zone einrichten

Grenzwerte, Komponenten und Erdung eines Arbeitsplatzes im Detail.

Zum Ratgeber

Wie bleibt das Programm nach der Einführung wirksam?

Wirksam bleibt ein Programm durch drei Routinen: wiederkehrende Schulung, regelmäßige Messungen nach festem Prüfplan und die Auswertung von Kennzahlen. Ohne Messung altert jede EPA unbemerkt: Kabel brechen, Matten verschmutzen, Ionisatoren driften, und neue Mitarbeitende bringen Gewohnheiten mit, die niemand korrigiert, bis Ausfälle es tun.

Schulung vor dem ersten Zutritt

Niemand betritt die EPA ohne Erstschulung. Inhalte sind der Schädigungsmechanismus, die Bedienung der Ausrüstung, die Selbstprüfung der Personenerdung und das Verhalten an der EPA-Grenze. Auffrischungen folgen in festem Turnus und werden nachgewiesen. Inhalte und Nachweis beschreibt der Ratgeber ESD-Schulung.

Prüfplan und Messmittel

Der Prüfplan legt für jedes Element Messgröße, Methode, Grenzwert und Intervall fest. Für die Grundausstattung benötigen Sie ein Widerstandsmessgerät mit Elektroden nach IEC 61340-2-3, einen Tester für Handgelenkband und Schuhwerk, ein Messgerät für Ionisatoren und einen Steckdosentester für den Schutzleiter. Was ein Audit abdeckt, zeigt der Ratgeber ESD-Audit und Prüfplan.

Welche Kennzahlen zeigen den Erfolg?

  • Durchführungsquote der geplanten Prüfungen.
  • Anteil der Messungen außerhalb der Grenzwerte, nach Element aufgeschlüsselt.
  • Offene Auditbefunde und Zeit bis zur Behebung.
  • Interne Ausfälle und Feldrückläufer mit ESD-Verdacht im Zeitverlauf.
ESD-Messtechnik

Widerstandsmessgeräte, Elektroden, Tester und Prüfgeräte für Ionisatoren.

Zu den Produkten

Häufige Fragen

Ist ein ESD-Kontrollprogramm gesetzlich vorgeschrieben?

Nein. DIN EN 61340-5-1 ist eine Norm, deren Anwendung meist vertraglich gefordert wird, etwa von Kunden aus Automobil-, Medizin- oder Luftfahrtelektronik. Wer elektronische Bauteile verarbeitet und Gewährleistungsrisiken senken will, profitiert aber auch ohne Kundenforderung von einem dokumentierten Programm.

Womit beginnt man, wenn das Budget knapp ist?

Mit Verantwortung, Begehung und Personenerdung. Handgelenkbänder mit Tester, geerdete Arbeitsflächen und abschirmende Verpackung decken die häufigsten Risiken ab. Boden, Ionisation und Dauerüberwachung folgen dort, wo die Begehung sie als nötig ausweist. Jede Maßnahme wird vom ersten Tag an geprüft und dokumentiert.

Wie lange dauert die Einführung?

Das hängt von Größe und Zahl der Bereiche ab. Ein einzelner Arbeitsbereich lässt sich in wenigen Wochen ausstatten und abnehmen. Ein ganzer Standort wird meist Bereich für Bereich umgestellt, beginnend mit den Prozessen, in denen die empfindlichsten Bauteile offen gehandhabt werden.

Wer prüft, ob das Programm eingehalten wird?

Interne Audits führt der ESD-Beauftragte oder ein geschultes Teammitglied durch, das nicht den eigenen Bereich bewertet. Externe Audits erfolgen durch Kunden oder Zertifizierer. Grundlage sind in beiden Fällen der dokumentierte Plan, die Prüfprotokolle und die Schulungsnachweise.

Grundausstattung für Ihr ESD-Programm zusammenstellen?

Personenerdung, Arbeitsflächen, Bodenlösungen, Verpackung und Messtechnik für die Einführung nach DIN EN 61340-5-1.

Normbezogen

Inhalte auf Basis von DIN EN 61340-5-1.

Praxisnah

Fahrplan von der Begehung bis zur Kennzahl.

Messbar

Grenzwerte und Prüfintervalle statt Annahmen.

Auswahlhilfe

Wir helfen bei der Produktauswahl, technische Details klären Sie direkt mit dem Hersteller.