Strombelastbarkeit von Kabeln nach Verlegeart bestimmen
Die Strombelastbarkeit eines Kabels hängt nicht nur vom Querschnitt ab, sondern vor allem von der Verlegeart und der Häufung. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie die zulässige Dauerbelastbarkeit nach VDE 0298-4 mit Referenzverlegeart, Umrechnungsfaktoren und Temperatur korrekt ermitteln.
Wovon hängt die Strombelastbarkeit ab?
Die zulässige Strombelastbarkeit (Ampacity) ist der Dauerstrom, den ein Leiter führen darf, ohne dass die zulässige Betriebstemperatur der Isolierung überschritten wird. Bei PVC liegt diese bei 70 °C, bei vernetztem Polyethylen (VPE/XLPE) bei 90 °C am Leiter. Entscheidend ist, wie gut die im Leiter entstehende Wärme an die Umgebung abgegeben wird.
Genau hier kommt die Verlegeart ins Spiel: Ein frei in Luft verlegtes Kabel kühlt deutlich besser als eines im Installationsrohr unter Putz oder in einer Wärmedämmung. VDE 0298‑4 (Anwendung von IEC 60364‑5‑52) ordnet jeder Situation eine Referenzverlegeart mit Basiswerten zu.
- Leiterquerschnitt und Leitermaterial (Kupfer oder Aluminium).
- Isolierwerkstoff und dessen maximale Betriebstemperatur (PVC 70 °C, VPE 90 °C).
- Verlegeart nach Referenztabelle (in Luft, im Rohr, in Wand, erdverlegt).
- Umgebungstemperatur beziehungsweise Bodentemperatur.
- Häufung mehrerer belasteter Adern oder Kabel nebeneinander.
Welche Referenzverlegearten gibt es?
VDE 0298‑4 und IEC 60364‑5‑52 fassen die Praxis in Referenzverlegearten A bis E zusammen. Jede beschreibt eine typische Einbausituation mit definierter Wärmeabgabe. Aus ihr ergibt sich der Basiswert der Strombelastbarkeit, der anschliessend mit Faktoren korrigiert wird.
Wie wirken Häufung und Temperatur?
Der Basiswert gilt für eine einzelne Leitung bei 30 °C Umgebungstemperatur (Luft) beziehungsweise 20 °C im Erdreich. Weicht die Realität ab, wird der Wert mit zwei Korrekturfaktoren multipliziert: dem Temperaturfaktor und dem Häufungsfaktor. Der belastbare Strom ergibt sich als Basiswert mal beiden Faktoren.
Die Häufung reduziert die Belastbarkeit zusätzlich, weil sich benachbarte belastete Adern gegenseitig aufheizen. Bei zwei bis drei gebündelten Stromkreisen liegt der Faktor oft bei 0,70 bis 0,80, bei sechs und mehr sinkt er unter 0,60. Beide Faktoren werden miteinander multipliziert.
- 2 belastete Adern gebündelt: Faktor ca. 0,80.
- 5 belastete Adern gebündelt: Faktor ca. 0,60.
- Beispiel: 27 A x 0,87 (40 °C) x 0,70 (Häufung) = rund 16 A zulässig.
- Immer prüfen, ob der Leitungsschutzschalter unter diesem Wert liegt.
Häufige Fragen
Was regelt VDE 0298-4 genau?
Die Norm legt die zulässige Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen für feste Verlegung fest, abhängig von Verlegeart, Umgebungstemperatur und Häufung. Sie ist die deutsche Anwendungsnorm zu IEC 60364‑5‑52.
Warum verringert Häufung die Belastbarkeit?
Liegen mehrere belastete Adern eng beieinander, heizen sie sich gegenseitig auf und die Wärme wird schlechter abgegeben. Der Häufungsfaktor korrigiert den Basiswert nach unten, damit die Isoliertemperatur eingehalten wird.
Welche Umgebungstemperatur ist der Referenzwert?
Für Verlegung in Luft gelten 30 °C, für Erdverlegung 20 °C Bodentemperatur. Bei höheren Temperaturen wird der Basiswert mit dem Temperaturfaktor multipliziert, bei niedrigeren darf leicht aufgerundet werden.
Kupfer oder Aluminium bei gleichem Querschnitt?
Aluminium hat einen höheren spezifischen Widerstand und trägt bei gleichem Querschnitt rund 20 bis 25 Prozent weniger Strom als Kupfer. Für dieselbe Belastung ist ein grösserer Aluminiumquerschnitt nötig.
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