Auffanggurt nach EN 361 auswählen - worauf achten?
Der Auffanggurt ist das zentrale Element der persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz und verteilt die Fangkräfte sicher über den Körper. Dieser Ratgeber erklärt die Anforderungen der EN 361, die Auswahl nach Passform und Auffangösen sowie den passenden Einsatzbereich.
Auffanggurte ansehenWas fordert die EN 361 vom Auffanggurt?
Die EN 361 ist die europäische Norm für Auffanggurte als Teil eines Auffangsystems. Sie legt fest, dass der Gurt die Fangkräfte beim Absturz über Schultern, Oberschenkel und Becken verteilt und den Körper nach dem Fangstoss aufrecht hält.
Nur ein Gurt nach EN 361 darf zur Absturzsicherung verwendet werden. Ein reiner Haltegurt nach EN 358 (Positionierung) oder ein Sitzgurt nach EN 813 ersetzt ihn nicht, weil diese die Sturzenergie nicht sicher auffangen. Das komplette System begrenzt den Fangstoss auf den Körper auf unter 6 kN.
Welche Auffangösen brauchen Sie?
Auffangösen sind die einzigen Anschlagpunkte am Gurt, an die ein Auffangsystem angeschlossen werden darf. Sie sind mit dem Grossbuchstaben A gekennzeichnet und liegen am Rücken oder an der Brust.
- Rückenöse: die häufigste Auffangöse, ideal für Arbeiten mit freiem Sturzraum nach unten.
- Brustöse: sinnvoll für Steigschutzsysteme an Leitern und beim Einstieg in Behälter.
- A/2-Ösen: zwei Halbösen (z. B. an den Schultern), die nur gemeinsam angeschlagen einen Auffangpunkt bilden.
- Seitliche Halteösen und die vordere Sitzöse dienen nur der Positionierung, niemals dem Auffangen.
Wie finden Sie die richtige Passform?
Ein Auffanggurt schützt nur, wenn er richtig sitzt. Die Beinschlaufen, der Brustgurt und die Rückenplatte müssen so eingestellt sein, dass zwischen Gurtband und Körper etwa eine flache Hand passt, ohne dass der Gurt verrutscht.
Für lange Tragezeiten lohnen sich gepolsterte Schulter- und Beinbereiche sowie eine ergonomische Rückenplatte, die das Gewicht verteilt. Materialien wie Polyester sind formstabil und beständig, Polyamid ist elastischer. Wählen Sie den Einsatzbereich bewusst: Schweisser brauchen hitzebeständige Aramid-Bänder, in der Höhenrettung sind zusätzliche Sitz- und Halteösen sinnvoll.
- Grösse nach Körpergrösse und Gewicht wählen, Verstellbereich prüfen.
- Vor jedem Einsatz Sichtprüfung auf Risse, Scheuerstellen und beschädigte Nähte.
- Nach einem Sturz oder alle 12 Monate durch eine sachkundige Person prüfen lassen.
- Herstellerangaben zur Gebrauchsdauer (oft rund 8 bis 10 Jahre) einhalten.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich einen normgerechten Auffanggurt?
An der Kennzeichnung EN 361 auf dem Etikett und an den mit A markierten Auffangösen. Nur diese Ösen dürfen an ein Auffangsystem angeschlossen werden.
Was bedeuten die A/2-Ösen?
A/2 kennzeichnet zwei Halbösen, meist an den Schultern. Erst wenn beide gemeinsam mit einem passenden Verbinder angeschlagen werden, bilden sie eine vollwertige Auffangöse.
Wie oft muss ein Auffanggurt geprüft werden?
Vor jedem Einsatz per Sichtprüfung und mindestens alle 12 Monate durch eine sachkundige Person. Nach einem Sturz muss der Gurt sofort ausgesondert werden.
Reicht der Auffanggurt allein zur Absturzsicherung?
Nein. Er ist Teil eines Systems aus Verbindungsmittel mit Falldämpfer und einem tragfähigen Anschlagpunkt. Erst zusammen begrenzen sie den Fangstoss auf unter 6 kN.
Den passenden Auffanggurt gesucht?
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