Hydraulikfilter wählen: Beta-Wert und Wechselzeitpunkt
Der Hydraulikfilter hält die Ölreinheit auf dem Niveau, das Pumpen und Ventile brauchen. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie das Filtermaterial über den Beta-Wert und die geforderte Reinheitsklasse nach ISO 4406 auswählen und den richtigen Wechselzeitpunkt über den Differenzdruck bestimmen.
Hydraulikfilter ansehenWas sagt der Beta-Wert über den Filter aus?
Der Beta-Wert (βx) beschreibt nach ISO 16889 das Verhältnis der Partikel einer bestimmten Grösse vor und nach dem Filter. β10 = 200 bedeutet zum Beispiel, dass von 200 Partikeln ab 10 µm nur eines den Filter passiert - das entspricht einem Abscheidegrad von 99,5 %.
Je höher der Beta-Wert bei der angegebenen Partikelgrösse, desto feiner filtert das Element. Der Index x (etwa β7, β10, β12) nennt die Partikelgrösse in Mikrometern, für die das Verhältnis gilt. Ein hoher Beta-Wert bei kleiner Partikelgrösse steht also für eine feine, hochwirksame Filtration.
Welche Reinheitsklasse braucht Ihre Anlage?
Die geforderte Ölreinheit wird nach ISO 4406 mit drei Kennzahlen angegeben, zum Beispiel 18/16/13. Die Zahlen stehen für die Partikelanzahl je Milliliter grösser 4 µm, 6 µm und 14 µm. Je kleiner die Zahlen, desto sauberer das Öl.
Die Zielklasse richtet sich nach den empfindlichsten Komponenten im Kreislauf. Servoventile und Axialkolbenpumpen verlangen ein deutlich saubereres Öl als einfache Zahnradpumpen. Erst aus der Zielklasse leitet sich der passende Beta-Wert des Filters ab.
- Servoventile: ISO 15/13/10, Filter β5 bis β7 mit hohem Beta-Wert.
- Proportionalventile und Kolbenpumpen: ISO 17/15/12, Filter etwa β10 = 200.
- Wegeventile und Zahnradpumpen: ISO 19/17/14, Filter etwa β12 = 100.
- Niederdruck und Rücklauf: ISO 20/18/15, gröbere Filter genügen.
So dimensionieren Sie Pumpe, Tank und Filterung aufeinander abgestimmt.
Zum RatgeberWann ist der richtige Wechselzeitpunkt?
Der zuverlässigste Indikator ist der Differenzdruck (Δp) über dem Filterelement. Setzt sich das Medium zu, steigt der Druckverlust. Eine Verschmutzungsanzeige (optisch oder elektrisch) meldet, sobald der eingestellte Grenzwert erreicht ist - meist zwischen 2 und 5 bar je nach Filtertyp.
Warten Sie nicht, bis das Bypass-Ventil öffnet: Dann strömt ungefiltertes Öl direkt in den Kreislauf. Prüfen Sie die Anzeige bei betriebswarmem Öl, denn kaltes, zähes Öl täuscht einen zu hohen Differenzdruck vor.
- Verschmutzungsanzeige regelmässig ablesen und dokumentieren.
- Nur Originalelemente mit passendem Beta-Wert einsetzen.
- Beim Wechsel Dichtungen und O-Ringe erneuern.
- Öl bei Schlammbildung oder Verfärbung mit analysieren lassen.
Häufige Fragen
Was bedeutet β10 = 200 genau?
Von 200 Partikeln ab 10 µm passiert nur eines den Filter. Das entspricht einem Abscheidegrad von 99,5 % bei dieser Partikelgrösse und kennzeichnet ein feines Filterelement für anspruchsvolle Hydraulik.
Welche Reinheitsklasse braucht ein Servoventil?
Servoventile verlangen typisch ISO 4406 15/13/10 oder sauberer. Dafür eignen sich feine Filter mit hohem Beta-Wert bei 5 bis 7 µm, um die empfindlichen Steuerkanten vor Verschleiss zu schützen.
Woran erkenne ich, dass der Hydraulikfilter voll ist?
Am steigenden Differenzdruck über dem Element. Die Verschmutzungsanzeige schlägt beim Grenzwert (meist 2 bis 5 bar) aus. Prüfen Sie bei betriebswarmem Öl, weil kaltes Öl den Wert verfälscht.
Wie oft muss ich den Filter wechseln?
Nicht nach festem Kalender, sondern nach Differenzdruck. Ein Erstwechsel nach dem Einlauf einer neuen Anlage ist Pflicht, danach richtet sich das Intervall nach der Verschmutzungsanzeige oder der Ölanalyse.
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