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ISO 6020/6022

Hydraulikzylinder-Typen: welcher passt zu meiner Anwendung?

Hydraulikzylinder wandeln Öldruck in lineare Kraft um - vom einfachwirkenden Hubzylinder bis zum doppeltwirkenden Differentialzylinder. Dieser Ratgeber erklärt die Wirkprinzipien, gängige Bauformen, Dichtungssysteme und wie Sie Kolbendurchmesser und Hub nach Kraft und Betriebsdruck auslegen.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
Hydraulikzylinder ansehen
160-350 bar
typischer Betriebsdruck
2 Prinzipien
einfach- / doppeltwirkend
F = p × A
Kraft aus Druck und Fläche
ISO 6020/6022
Baumaße genormt
Inhalt
  1. Wirkprinzip
  2. Bauformen
  3. Dichtungen
  4. Auslegung
  5. Häufige Fragen

Einfach- oder doppeltwirkend - was ist der Unterschied?

Hydraulikzylinder unterscheiden sich zuerst im Wirkprinzip. Ein einfachwirkender Zylinder wird nur in eine Richtung mit Öl beaufschlagt, der Rückhub erfolgt durch Last, Feder oder Eigengewicht. Ein doppeltwirkender Zylinder erhält auf beiden Kolbenseiten Druck und arbeitet aktiv in beide Richtungen.

Der doppeltwirkende Differentialzylinder ist der Standard im Maschinenbau, weil er kontrollierte Kraft beim Ausfahren und Einfahren liefert. Da die Kolbenstange die Ringfläche verkleinert, ist die Einfahrkraft geringer als die Ausfahrkraft - das sogenannte Flächenverhältnis (oft 2:1).

Plunger- oder Teleskopzylinder sind meist einfachwirkend und ideal für Hub- und Kippanwendungen wie Hebebühnen oder Kipper, wo die Last den Rückhub übernimmt.
  • Einfachwirkend: druckbeaufschlagt in eine Richtung, Rückstellung durch Feder oder Last - günstig, kompakt.
  • Doppeltwirkend: aktiv in beide Richtungen, präzise Steuerung - Standard für Vorschub und Klemmen.
  • Teleskopzylinder: mehrere ineinander laufende Stufen für grossen Hub bei kurzer Einbaulänge.
  • Gleichgangzylinder: durchgehende Kolbenstange, gleiche Kraft und Geschwindigkeit in beide Richtungen.

Welche Bauformen und Befestigungen gibt es?

Die Bauform bestimmt Druckstufe, Montage und Wartbarkeit. Zugankerzylinder (Tie-Rod) nach ISO 6020 sind für mittlere Drücke bis rund 210 bar üblich, geschweisste Rundzylinder und Kompaktzylinder nach ISO 6022 halten 250 bis 350 bar und mehr aus.

Die Befestigung überträgt die Kraft in die Maschine. Fussbefestigung, Flansch, Schwenkauge und Schwenkzapfen (Trunnion) werden nach Belastungsrichtung gewählt - bei Zug- und Druckbetrieb mit seitlicher Auslenkung sind gelenkige Befestigungen (Auge, Gabelkopf) fast immer die richtige Wahl.

Hydraulikventile

So steuern Sie Richtung, Druck und Volumenstrom zum Zylinder.

Zum Ratgeber

Welche Dichtungen sitzen im Hydraulikzylinder?

Das Dichtungssystem entscheidet über Leckfreiheit, Reibung und Lebensdauer. Man unterscheidet Kolbendichtungen (trennen die Druckräume), Stangendichtungen (halten das Öl im Zylinder), Führungsbänder und den Abstreifer, der Schmutz von der einfahrenden Kolbenstange fernhält.

  • NBR (Nitrilkautschuk): Standard für Mineralöl bis etwa 100 °C, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
  • PU (Polyurethan): sehr abriebfest und druckstabil, ideal für Stangendichtungen.
  • PTFE-Gleitringe: extrem reibungsarm, für hohe Geschwindigkeiten und Stick-Slip-freien Lauf.
  • FKM (Viton): für höhere Temperaturen und aggressive Medien.
Prüfen Sie bei der Auswahl immer Betriebstemperatur und Medium. Falsches Dichtungsmaterial ist die häufigste Ursache für Leckage und vorzeitigen Ausfall.

Wie lege ich Kraft und Hub richtig aus?

Die Kraft ergibt sich aus Betriebsdruck mal wirksamer Fläche: F = p × A. Beim Ausfahren zählt die volle Kolbenfläche, beim Einfahren nur die Ringfläche (Kolben minus Stange). Aus der benötigten Kraft und dem verfügbaren Druck bestimmen Sie den Kolbendurchmesser.

Bei grossem Hub muss die Kolbenstange gegen Knickung nach Euler ausgelegt werden - je länger der Ausfahrweg, desto grösser der nötige Stangendurchmesser. Rechnen Sie zudem einen Sicherheitszuschlag ein und berücksichtigen Sie die maximale Kolbengeschwindigkeit, damit die Endlagendämpfung Stösse sicher abfängt.

Faustregel: Ein Zylinder mit 63 mm Kolben liefert bei 160 bar rund 50 kN Ausfahrkraft. Verdoppeln Sie den Durchmesser, vervierfacht sich die Kraft - die Fläche wächst quadratisch.

Häufige Fragen

Wann nehme ich einen einfachwirkenden Zylinder?

Wenn die Last oder eine Feder den Rückhub übernimmt, etwa bei Hebebühnen, Pressen oder Kippern. Er ist günstiger und braucht nur eine Druckleitung.

Was bedeutet das Flächenverhältnis 2:1?

Die Kolbenstange verkleinert die Ringfläche der Stangenseite auf die Hälfte der Kolbenfläche. Dadurch fährt der Zylinder schneller ein, aber mit halber Kraft.

Welchen Betriebsdruck haben Hydraulikzylinder?

Üblich sind 160 bis 350 bar. Kompakt- und Blockzylinder erreichen bis 700 bar. Der Nenndruck muss über dem tatsächlichen Betriebsdruck liegen.

Warum ist der Abstreifer so wichtig?

Er hält Staub und Schmutz von der einfahrenden Kolbenstange fern. Ohne intakten Abstreifer verschleissen Stangendichtung und Führung sehr schnell.

Den passenden Hydraulikzylinder finden?

Wir liefern einfach- und doppeltwirkende Zylinder in genormten Bauformen nach ISO 6020/6022 - inklusive Beratung zu Kraft, Hub und Dichtungssystem.

Genormte Bauformen

Zylinder nach ISO 6020 und ISO 6022.

Druckfest geprüft

Nenndruck von 160 bis 350 bar und mehr.

Wartungsfreundlich

Passende Dichtungssätze und Ersatzteile lieferbar.

Fachberatung

Unterstützung bei Auslegung von Kraft und Hub.

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