Leitfähiger Klebstoff für ESD - wie richtig auswählen?
Leitfähige Klebstoffe verbinden Bauteile mechanisch und leiten zugleich Strom oder statische Ladung ab. Dieser Ratgeber erklärt den Unterschied zwischen elektrisch leitfähig und nur ableitfähig, welche Widerstandswerte gelten, wie sich Silberfüllung und Aushärtebedingungen unterscheiden und worauf es bei der Verarbeitung ankommt.
Leitfähige Klebstoffe ansehenLeitfähig oder ableitfähig - was ist der Unterschied?
Bei ESD-Klebstoffen sind zwei Klassen zu unterscheiden. Elektrisch leitfähige Klebstoffe ersetzen das Löten und stellen eine echte elektrische Verbindung her, zum Beispiel zwischen Chip und Substrat. Ableitfähige (dissipative) Klebstoffe verbinden Bauteile mechanisch und führen dabei nur statische Ladung kontrolliert ab.
Der entscheidende Kennwert ist der Widerstand. Leitfähige Kleber liegen beim spezifischen Volumenwiderstand unter 10⁻³ Ω·cm, ableitfähige Systeme bewegen sich im Oberflächenwiderstandsbereich von etwa 10⁵ bis 10⁹ Ω und erfüllen damit die Anforderungen der DIN EN 61340‑5‑1 an dissipative Materialien.
Welche Rolle spielt die Silberfüllung?
Die Leitfähigkeit entsteht durch metallische Füllstoffe im Harz. Am weitesten verbreitet ist Silber als Flake oder Partikel, weil es auch als Oxid noch gut leitet. Erst ab einer bestimmten Füllstoffkonzentration berühren sich die Partikel durchgehend und bilden einen leitenden Pfad (Perkolationsschwelle).
Silbergefüllte Ein-Komponenten-Epoxide enthalten typisch 60 bis 80 Gewichtsprozent Silber. Mehr Füllstoff senkt den Widerstand, macht die Paste aber zäher und teurer. Für reine Ableitfunktion reichen kohlenstoffgefüllte oder silber-glasgefüllte Systeme mit deutlich weniger Edelmetall.
Worauf kommt es bei der Aushärtung an?
Aushärtebedingungen entscheiden über Endwiderstand, Haftung und Bauteilschutz. Silberepoxide härten je nach System schnell bei 120 bis 150 °C in wenigen Minuten oder langsam bei 60 bis 80 °C beziehungsweise bei Raumtemperatur über mehrere Stunden.
- Warmhärtung (120‑150 °C): niedrigster Widerstand, beste Festigkeit - nur für temperaturfeste Bauteile.
- Niedrigtemperatur (60‑80 °C): schont wärmeempfindliche Komponenten, längere Zeiten.
- Raumtemperatur/2-Komponenten: für Reparaturen ohne Ofen, Mischverhältnis exakt einhalten.
- UV- oder feuchtigkeitshärtende Systeme für spezielle Fügeaufgaben.
- Topfzeit und Lagerung (oft -40 °C tiefgekühlt) beachten - angetaute Paste vor Gebrauch akklimatisieren.
Häufige Fragen
Kann leitfähiger Klebstoff das Löten ersetzen?
Für viele Reparaturen und temperaturempfindliche Bauteile ja. Silbergefüllte Epoxide stellen eine elektrische Verbindung ohne Hitzeschock her, erreichen aber nicht die mechanische Belastbarkeit einer gelöteten Fügung bei hohen Strömen.
Was bedeutet spezifischer Volumenwiderstand?
Er beschreibt, wie gut das ausgehärtete Material Strom durch sein Volumen leitet, angegeben in Ω·cm. Elektrisch leitfähige Klebstoffe liegen unter 10⁻³ Ω·cm, ableitfähige Systeme deutlich höher im dissipativen Bereich.
Warum wird Silber und nicht Kupfer verwendet?
Silberoxid leitet weiterhin gut, Kupferoxid dagegen isoliert. Deshalb bleibt Silber trotz Alterung leitfähig und ist der Standardfüllstoff für zuverlässige Kontakte.
Muss silbergefüllter Kleber gekühlt gelagert werden?
Ein-Komponenten-Epoxide werden meist bei -40 °C gelagert, um die Topfzeit zu verlängern. Vor dem Öffnen den Behälter geschlossen auf Raumtemperatur bringen, damit kein Kondenswasser eindringt.
Passenden leitfähigen Klebstoff gesucht?
Wir liefern silbergefüllte und ableitfähige Klebstoffe für ESD-Anwendungen - abgestimmt auf Widerstandswert, Füllung und Aushärtebedingungen.
Normkonform
Ableitfähige Systeme erfüllen die DIN EN 61340-5-1.
Definierter Widerstand
Kennwerte in Ω·cm und Ω im Datenblatt belegt.
Geprüfte Verbindung
Widerstand nach Aushärtung messbar und dokumentiert.
Fachberatung
ESD-Spezialisten helfen bei der Auswahl.


