Reinigungslösemittel sicher wählen - Flammpunkt und Ex-Schutz
Der Flammpunkt entscheidet, ob ein Reinigungslösemittel bei Raumtemperatur ein zündfähiges Gemisch bildet. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie Flammpunkt, Dampfdruck und ATEX-Zone bewerten und daraus die richtige Auswahl und Schutzmassnahmen für den Betrieb ableiten.
Reinigungslösemittel ansehenWas sagt der Flammpunkt über ein Lösemittel aus?
Der Flammpunkt ist die niedrigste Temperatur, bei der ein Lösemittel so viel Dampf abgibt, dass sich über der Flüssigkeit ein durch Fremdzündung entzündbares Gemisch bildet. Liegt der Flammpunkt unter der Umgebungstemperatur, ist die Flüssigkeit bereits am Arbeitsplatz zündfähig. Er ist damit die wichtigste Einzelkennzahl für die Brandgefahr eines Reinigers.
Nach CLP-Verordnung gelten Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt unter 23 °C und Siedebeginn über 35 °C als leicht entzündbar (H225), Flammpunkte bis 60 °C fallen in die Kategorien H226. Isopropanol (IPA) liegt bei rund 12 °C, Aceton bei etwa -18 °C, während viele modifizierte Alkohol- oder Kohlenwasserstoff-Reiniger erst über 60 °C entzünden.
Warum sind Dampfdruck und Explosionsgrenzen entscheidend?
Der Dampfdruck bestimmt, wie schnell ein Lösemittel verdunstet und wie viel Dampf in die Raumluft gelangt. Ein hoher Dampfdruck bedeutet rasche Freisetzung und damit schnelles Erreichen einer zündfähigen Konzentration. Aceton mit rund 246 hPa bei 20 °C verdunstet deutlich schneller als IPA mit etwa 43 hPa.
Zündfähig wird ein Dampf-Luft-Gemisch erst zwischen der unteren (UEG) und der oberen Explosionsgrenze (OEG). Für IPA liegt die UEG bei rund 2 Vol.-%, für Aceton bei etwa 2,5 Vol.-%. Ziel im Betrieb ist es, die Konzentration durch Lüftung sicher unter der UEG zu halten.
- Hoher Dampfdruck plus niedriger Flammpunkt ergibt das grösste Zündrisiko bei Raumtemperatur.
- Die UEG in Vol.-% zeigt, ab welcher Dampfkonzentration eine Zündung möglich wird.
- Wirksame technische Lüftung hält die Konzentration deutlich unter der UEG.
- Kleingebindes und geschlossene Behälter reduzieren die freigesetzte Dampfmenge.
- Der AGW (Arbeitsplatzgrenzwert) schützt zusätzlich die Gesundheit, nicht nur vor Brand.
Wie ordnet man Lösemittel den ATEX-Zonen zu?
Wo entzündbare Lösemitteldämpfe auftreten können, entstehen explosionsgefährdete Bereiche. Nach ATEX-Betriebsrichtlinie 1999/92/EG werden diese in Gaszonen eingeteilt: Zone 0 (ständig oder langzeitig), Zone 1 (gelegentlich) und Zone 2 (selten und kurzzeitig). Die Zoneneinteilung bestimmt, welche Geräte und Schutzmassnahmen zulässig sind.
Geräte für diese Bereiche tragen eine Kategorie nach ATEX-Produktrichtlinie 2014/34/EU: Kategorie 1G für Zone 0, 2G für Zone 1 und 3G für Zone 2. Der Ex-Kennung folgen Explosionsgruppe (IIA bis IIC) und Temperaturklasse (T1 bis T6), die zur Zündtemperatur des Lösemittels passen müssen.
Wie wählt man das sichere Lösemittel für den Betrieb?
Die sichere Auswahl beginnt beim Sicherheitsdatenblatt (Abschnitt 9): Flammpunkt, Dampfdruck, Zündtemperatur und Explosionsgrenzen liefern die Grundlage. Wo möglich, ersetzt ein Reiniger mit höherem Flammpunkt das leicht entzündbare Produkt (Substitutionsprinzip nach TRGS 600).
- Sicherheitsdatenblatt prüfen: Flammpunkt, Zündtemperatur, UEG/OEG und AGW notieren.
- Substitution prüfen: modifizierter Alkohol oder KW-Reiniger mit Flammpunkt über 60 °C statt reinem IPA.
- Technische Lüftung oder Absaugung am Arbeitsplatz sicherstellen.
- Zündquellen vermeiden: ESD-Ableitung, Ex-geschützte Geräte, kein offenes Feuer.
- Nur kleine Handgebinde am Platz, Vorräte im Sicherheitsschrank Typ 90.
- Geeignete PSA und Erdung der Behälter beim Umfüllen sicherstellen.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Flammpunkt genau?
Es ist die niedrigste Temperatur, bei der ein Lösemittel genug Dampf abgibt, um mit einer Zündquelle ein entzündbares Gemisch zu bilden. Liegt er unter der Raumtemperatur, ist das Produkt am Arbeitsplatz sofort zündfähig.
Ist Isopropanol explosionsgefährlich?
IPA hat einen Flammpunkt von rund 12 °C und ist als H225 leicht entzündbar eingestuft. Seine Dämpfe bilden ab etwa 2 Vol.-% ein zündfähiges Gemisch, deshalb sind Lüftung und Vermeidung von Zündquellen Pflicht.
Welche ATEX-Zone gilt an einem Handreinigungsplatz?
Bei kleinen Mengen und guter Lüftung entsteht meist nur zeitweise ein Gemisch, was Zone 2 entspricht. Offene Bäder oder Tanks können Zone 1 oder Zone 0 erfordern - massgeblich ist die Gefährdungsbeurteilung.
Wie senke ich das Risiko im Betrieb?
Wählen Sie wenn möglich einen Reiniger mit höherem Flammpunkt, sorgen Sie für Absaugung, verwenden Sie kleine geerdete Gebinde und schliessen Sie Behälter sofort. Zündquellen wie statische Aufladung und offenes Feuer müssen ausgeschlossen sein.
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