Lötrauchabsaugung auslegen - wie viel Absaugleistung?
Lötrauch enthält Kolophonium-Aerosole und Flussmitteldämpfe, die die Atemwege reizen. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie eine Lötrauchabsaugung nach Absaugleistung in m³/h, Filterstufen und Arbeitsplatzgrösse richtig auslegen.
Lötrauchabsaugungen ansehenInhalt
Warum ist Lötrauch gefährlich?
Beim Weichlöten verdampft das Flussmittel und bildet einen feinen Rauch aus Kolophonium-Partikeln und gasförmigen Zersetzungsprodukten. Diese Aerosole liegen im lungengängigen Bereich unter 1 µm und können Atemwege sowie Bindehaut reizen. Kolophonium (Kolophonium-Harz) gilt als atemwegssensibilisierend und kann Asthma auslösen.
Der Rauch steigt mit der Thermik direkt in die Atemzone der lötenden Person auf. Ohne Absaugung sammeln sich die Schadstoffe in der Raumluft an und belasten den gesamten Arbeitsplatz. Eine wirksame Absaugung erfasst den Rauch daher unmittelbar an der Lötspitze, bevor er die Atemzone erreicht.
- Kolophonium wirkt sensibilisierend und kann Berufsasthma verursachen.
- Aldehyde und Isocyanate entstehen bei der thermischen Zersetzung.
- Feinstaub unter 1 µm ist lungengängig und wird tief eingeatmet.
- Bleifreies Löten bei höheren Temperaturen erzeugt mehr Rauch.
Wie viel Absaugleistung wird benötigt?
Massgeblich ist die Erfassungsgeschwindigkeit an der Rauchquelle, nicht die maximale Ventilatorleistung. An der Absaugöffnung sollten mindestens 0,5 m/s anliegen, damit der aufsteigende Rauch sicher eingezogen wird. Daraus ergibt sich je nach Abstand der Düse zur Lötstelle der nötige Volumenstrom.
Für einen Einzelarbeitsplatz mit Düse dicht an der Lötstelle genügen meist 80 bis 100 m³/h. Je weiter die Düse entfernt ist, desto stärker muss der Volumenstrom steigen, weil die Erfassungsgeschwindigkeit mit dem Quadrat des Abstands abnimmt. Mehrplatzsysteme addieren den Bedarf aller angeschlossenen Arme.
Welche Filterstufen sind nötig?
Eine wirksame Lötrauchabsaugung arbeitet mehrstufig. Ein Vorfilter fängt grobe Partikel und Spritzer ab, ein Schwebstofffilter der Klasse HEPA H13 scheidet mindestens 99,95 % der Feinpartikel ab, und ein Aktivkohlefilter bindet die gasförmigen Anteile und Gerüche.
- Vorfilter (G3/G4): schützt die Folgefilter vor groben Partikeln.
- HEPA H13/H14: entfernt lungengängige Aerosole zu 99,95‑99,995 %.
- Aktivkohle: adsorbiert organische Gase, Aldehyde und Geruchsstoffe.
- Kombifilter: HEPA und Aktivkohle in einer wechselbaren Patrone.
Umluftgeräte führen die gereinigte Luft in den Raum zurück und benötigen daher zwingend Partikel- und Gasfilter. Nur dann darf ohne Fortluftkanal ins Freie gearbeitet werden. Ein Filterwechsel-Indikator meldet gesättigte Filter rechtzeitig, bevor die Abscheideleistung sinkt.
Wie richte ich den Arbeitsplatz ein?
Die Baugrösse richtet sich nach Anzahl der Plätze und verfügbarem Raum. Für einen ESD-Arbeitsplatz muss die Absaugung selbst ableitfähig sein, damit sie keine Aufladung einbringt. Absaugarme mit Gelenken lassen sich flexibel positionieren und halten die Düse dicht über der Lötstelle.
Die Normreihe DIN EN ISO 21904 beschreibt Anforderungen und Prüfverfahren für Anlagen zum Erfassen und Abscheiden von Schweiss- und Lötrauch. Sie definiert Erfassungsgrad, Abscheideklassen und die Prüfung von Absaugarmen. Achten Sie zusätzlich auf einen geräuscharmen Betrieb unter etwa 55 dB(A), damit die Anlage dauerhaft eingeschaltet bleibt.
Häufige Fragen
Wie viel m³/h braucht ein Lötarbeitsplatz?
Für einen Einzelplatz mit Düse dicht an der Lötstelle genügen meist 80 bis 100 m³/h. Entscheidend ist eine Erfassungsgeschwindigkeit von mindestens 0,5 m/s an der Absaugöffnung.
Reicht ein HEPA-Filter für Lötrauch?
Nein. HEPA H13 fängt die Feinpartikel ab, bindet aber keine Gase. Für Umluftbetrieb ist zusätzlich ein Aktivkohlefilter nötig, der die gasförmigen Flussmittelanteile und Gerüche adsorbiert.
Wann muss der Filter gewechselt werden?
Der Vorfilter je nach Verschmutzung, der HEPA-Filter meist nach 6 bis 12 Monaten und die Aktivkohle nach Herstellerintervall oder bei Geruchsdurchbruch. Ein Wechselindikator hilft bei der Kontrolle.
Braucht eine ESD-Absaugung eine besondere Ausführung?
Ja. Im ESD-Bereich muss das Gehäuse ableitfähig sein, damit die Absaugung keine statische Aufladung einbringt. Standardgeräte aus isolierendem Kunststoff sind hier nicht zulässig.
Passende Lötrauchabsaugung gesucht?
Wir liefern Einzelplatz- und Mehrplatzabsaugungen mit HEPA- und Aktivkohlefilter, ESD-geeignet und geprüft nach DIN EN ISO 21904.
Normgeprüft
Anlagen nach DIN EN ISO 21904 mit definiertem Erfassungsgrad.
Wirksame Erfassung
0,5 m/s an der Düse ziehen den Rauch aus der Atemzone.
Mehrstufige Filter
HEPA H13 plus Aktivkohle für Partikel und Gase.
Fachberatung
Unsere Spezialisten legen die Anlage passend aus.