Zurück
DIN EN ISO 21904

Lötrauchabsaugung auslegen - wie viel Absaugleistung?

Lötrauch enthält Kolophonium-Aerosole und Flussmitteldämpfe, die die Atemwege reizen. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie eine Lötrauchabsaugung nach Absaugleistung in m³/h, Filterstufen und Arbeitsplatzgrösse richtig auslegen.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
Lötrauchabsaugungen ansehen
0,5 m/s
Erfassungsgeschwindigkeit an der Quelle
80-100 m³/h
pro Einzelarbeitsplatz
HEPA H13
Partikelabscheidung 99,95 %
Aktivkohle
bindet Gase und Gerüche
Inhalt
  1. Gefährdung durch Lötrauch
  2. Absaugleistung und Volumen
  3. Filterstufen
  4. Arbeitsplatz und Norm
  5. Häufige Fragen

Warum ist Lötrauch gefährlich?

Beim Weichlöten verdampft das Flussmittel und bildet einen feinen Rauch aus Kolophonium-Partikeln und gasförmigen Zersetzungsprodukten. Diese Aerosole liegen im lungengängigen Bereich unter 1 µm und können Atemwege sowie Bindehaut reizen. Kolophonium (Kolophonium-Harz) gilt als atemwegssensibilisierend und kann Asthma auslösen.

Der Rauch steigt mit der Thermik direkt in die Atemzone der lötenden Person auf. Ohne Absaugung sammeln sich die Schadstoffe in der Raumluft an und belasten den gesamten Arbeitsplatz. Eine wirksame Absaugung erfasst den Rauch daher unmittelbar an der Lötspitze, bevor er die Atemzone erreicht.

Der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für Kolophonium-Lötrauch liegt in Deutschland bei 0,15 mg/m³ (E-Fraktion). Eine quellennahe Absaugung ist der sicherste Weg, diesen Wert einzuhalten.
  • Kolophonium wirkt sensibilisierend und kann Berufsasthma verursachen.
  • Aldehyde und Isocyanate entstehen bei der thermischen Zersetzung.
  • Feinstaub unter 1 µm ist lungengängig und wird tief eingeatmet.
  • Bleifreies Löten bei höheren Temperaturen erzeugt mehr Rauch.

Wie viel Absaugleistung wird benötigt?

Massgeblich ist die Erfassungsgeschwindigkeit an der Rauchquelle, nicht die maximale Ventilatorleistung. An der Absaugöffnung sollten mindestens 0,5 m/s anliegen, damit der aufsteigende Rauch sicher eingezogen wird. Daraus ergibt sich je nach Abstand der Düse zur Lötstelle der nötige Volumenstrom.

Für einen Einzelarbeitsplatz mit Düse dicht an der Lötstelle genügen meist 80 bis 100 m³/h. Je weiter die Düse entfernt ist, desto stärker muss der Volumenstrom steigen, weil die Erfassungsgeschwindigkeit mit dem Quadrat des Abstands abnimmt. Mehrplatzsysteme addieren den Bedarf aller angeschlossenen Arme.

Halten Sie den Düsenabstand unter 5 cm zur Lötstelle. So arbeitet die Absaugung mit geringem Volumenstrom effizient und zieht keine unnötige Wärme von der Lötspitze ab.

Welche Filterstufen sind nötig?

Eine wirksame Lötrauchabsaugung arbeitet mehrstufig. Ein Vorfilter fängt grobe Partikel und Spritzer ab, ein Schwebstofffilter der Klasse HEPA H13 scheidet mindestens 99,95 % der Feinpartikel ab, und ein Aktivkohlefilter bindet die gasförmigen Anteile und Gerüche.

  • Vorfilter (G3/G4): schützt die Folgefilter vor groben Partikeln.
  • HEPA H13/H14: entfernt lungengängige Aerosole zu 99,95‑99,995 %.
  • Aktivkohle: adsorbiert organische Gase, Aldehyde und Geruchsstoffe.
  • Kombifilter: HEPA und Aktivkohle in einer wechselbaren Patrone.

Umluftgeräte führen die gereinigte Luft in den Raum zurück und benötigen daher zwingend Partikel- und Gasfilter. Nur dann darf ohne Fortluftkanal ins Freie gearbeitet werden. Ein Filterwechsel-Indikator meldet gesättigte Filter rechtzeitig, bevor die Abscheideleistung sinkt.

Der Aktivkohlefilter sättigt sich unbemerkt, weil er weiter Partikel abscheiden kann, aber keine Gase mehr bindet. Tauschen Sie ihn nach Herstellerintervall oder Geruchsdurchbruch, nicht erst bei nachlassendem Luftstrom.
Lötstation wählen

Die passende Lötstation und Temperatur reduzieren die Rauchmenge.

Zum Ratgeber

Wie richte ich den Arbeitsplatz ein?

Die Baugrösse richtet sich nach Anzahl der Plätze und verfügbarem Raum. Für einen ESD-Arbeitsplatz muss die Absaugung selbst ableitfähig sein, damit sie keine Aufladung einbringt. Absaugarme mit Gelenken lassen sich flexibel positionieren und halten die Düse dicht über der Lötstelle.

Die Normreihe DIN EN ISO 21904 beschreibt Anforderungen und Prüfverfahren für Anlagen zum Erfassen und Abscheiden von Schweiss- und Lötrauch. Sie definiert Erfassungsgrad, Abscheideklassen und die Prüfung von Absaugarmen. Achten Sie zusätzlich auf einen geräuscharmen Betrieb unter etwa 55 dB(A), damit die Anlage dauerhaft eingeschaltet bleibt.

Positionieren Sie den Absaugarm seitlich hinter dem Bauteil, nie zwischen Werkstück und Gesicht. So wird der Rauch von der Atemzone weggezogen statt daran vorbei.

Häufige Fragen

Wie viel m³/h braucht ein Lötarbeitsplatz?

Für einen Einzelplatz mit Düse dicht an der Lötstelle genügen meist 80 bis 100 m³/h. Entscheidend ist eine Erfassungsgeschwindigkeit von mindestens 0,5 m/s an der Absaugöffnung.

Reicht ein HEPA-Filter für Lötrauch?

Nein. HEPA H13 fängt die Feinpartikel ab, bindet aber keine Gase. Für Umluftbetrieb ist zusätzlich ein Aktivkohlefilter nötig, der die gasförmigen Flussmittelanteile und Gerüche adsorbiert.

Wann muss der Filter gewechselt werden?

Der Vorfilter je nach Verschmutzung, der HEPA-Filter meist nach 6 bis 12 Monaten und die Aktivkohle nach Herstellerintervall oder bei Geruchsdurchbruch. Ein Wechselindikator hilft bei der Kontrolle.

Braucht eine ESD-Absaugung eine besondere Ausführung?

Ja. Im ESD-Bereich muss das Gehäuse ableitfähig sein, damit die Absaugung keine statische Aufladung einbringt. Standardgeräte aus isolierendem Kunststoff sind hier nicht zulässig.

Passende Lötrauchabsaugung gesucht?

Wir liefern Einzelplatz- und Mehrplatzabsaugungen mit HEPA- und Aktivkohlefilter, ESD-geeignet und geprüft nach DIN EN ISO 21904.

Normgeprüft

Anlagen nach DIN EN ISO 21904 mit definiertem Erfassungsgrad.

Wirksame Erfassung

0,5 m/s an der Düse ziehen den Rauch aus der Atemzone.

Mehrstufige Filter

HEPA H13 plus Aktivkohle für Partikel und Gase.

Fachberatung

Unsere Spezialisten legen die Anlage passend aus.

Weitere Ratgeber