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DIN 55660

Plasmavorbehandlung: wie klebt man PP, PE und PTFE dauerhaft?

Unpolare Kunststoffe wie PP, PE und PTFE lassen sich ohne Vorbehandlung kaum verkleben, weil ihre Oberflächenenergie zu niedrig ist. Dieser Ratgeber erklärt, wie Plasma und Beflammung die Oberflächenenergie über die kritische Marke von 38 mN/m heben, welche Verfahren es gibt und wie Sie den Erfolg messen.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
Klebetechnik ansehen
38 mN/m
Mindest-Oberflächenenergie
< 30 mN/m
PP, PE und PTFE unbehandelt
Sek.
Plasmabehandlung pro Stelle
< 1 s
Kontaktzeit Beflammung
Inhalt
  1. Das Grundproblem
  2. Plasma und Beflammung
  3. Prüfen und Prozess
  4. Häufige Fragen

Warum haften Klebstoffe nicht auf PP, PE und PTFE?

Polyolefine wie Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE) sowie Fluorkunststoffe wie PTFE besitzen eine sehr niedrige Oberflächenenergie. Ein Klebstoff kann die Oberfläche nur benetzen, wenn seine eigene Oberflächenspannung niedriger ist als die Oberflächenenergie des Kunststoffs. Ist das nicht der Fall, perlt der Klebstoff ab und die Verbindung versagt.

Unbehandeltes PP liegt bei etwa 29 mN/m, PE bei rund 31 mN/m und PTFE sogar nur bei etwa 18 mN/m. Übliche Klebstoffe und Lacke benötigen jedoch eine Oberflächenenergie von mindestens 38 mN/m, damit sie stabil benetzen und eine dauerhafte adhäsive Bindung eingehen.

Die Oberflächenenergie wird in Millinewton pro Meter (mN/m) angegeben, teils auch als dyn/cm - beide Einheiten sind zahlengleich. 38 mN/m gilt als praktische Untergrenze für zuverlässiges Verkleben und Bedrucken.
  • PTFE: rund 18 mN/m - besonders schwierig, oft ist chemisches Ätzen nötig.
  • PP: rund 29 mN/m - mit Plasma oder Beflammung gut aktivierbar.
  • PE: rund 31 mN/m - reagiert zuverlässig auf Vorbehandlung.
  • Ziel nach Behandlung: dauerhaft über 38 mN/m, besser 42 bis 46 mN/m.

Welche Vorbehandlungsverfahren gibt es?

Die häufigsten Verfahren sind Atmosphärendruck-Plasma, Niederdruck-Plasma und die Beflammung. Alle drei oxidieren die Oberfläche und bauen polare Gruppen wie Carbonyl- und Hydroxylgruppen ein, die die Oberflächenenergie anheben und die Benetzung verbessern.

Atmosphärenplasma arbeitet ohne Vakuum direkt an der Linie und behandelt eine Stelle in Sekunden. Niederdruck-Plasma erreicht in der Vakuumkammer auch verschattete Bereiche und feine Strukturen gleichmässig. Die Beflammung führt eine scharf eingestellte, sauerstoffreiche Flamme in unter einer Sekunde über die Fläche und eignet sich für grosse Teile wie Stossfänger.

Wichtig ist der kurze Abstand zwischen Vorbehandlung und Verklebung. Die aktivierte Oberfläche altert und verliert nach Stunden bis Tagen wieder an Oberflächenenergie - je nach Kunststoff und Lagerung.

Wie misst und sichert man den Behandlungserfolg?

Der Erfolg wird über die Oberflächenenergie geprüft. In der Praxis nutzt man Testtinten oder Prüfstifte nach DIN 55660, die bei definierter Oberflächenspannung gerade noch einen geschlossenen Film bilden. Zieht sich die Tinte innerhalb von zwei Sekunden zu Tropfen zusammen, liegt die Oberflächenenergie darunter.

  • Testtinten von 30 bis 56 mN/m in Stufen für schnelle Kontrolle.
  • Randwinkelmessung als exakte Laborreferenz für die Oberflächenenergie.
  • Behandlung und Verklebung möglichst am selben Tag durchführen.
  • Behandlungsparameter, Abstand und Geschwindigkeit dokumentieren.
Reinigen Sie die Fläche vor der Vorbehandlung von Trennmitteln, Fett und Staub. Plasma und Flamme aktivieren die Oberfläche, ersetzen aber keine Reinigung - Rückstände verhindern die Bindung trotz hoher Oberflächenenergie.
Klebstoff wählen

So finden Sie den passenden Konstruktionsklebstoff für Kunststoff.

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Häufige Fragen

Warum reichen 38 mN/m als Zielwert?

Weil übliche Klebstoffe eine Oberflächenspannung um 33 bis 36 mN/m haben. Erst wenn die Oberflächenenergie des Kunststoffs mit mindestens 38 mN/m darüber liegt, benetzt der Klebstoff stabil und bildet eine dauerhafte Bindung.

Wie lange hält der Effekt der Vorbehandlung an?

Das hängt vom Kunststoff ab. PP und PE altern innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen zurück, weil polare Gruppen ins Material wandern. Deshalb sollte die Verklebung möglichst zeitnah erfolgen.

Ist PTFE mit Plasma allein verklebbar?

PTFE ist besonders schwierig. Atmosphärenplasma hilft, oft ist für dauerhafte Festigkeit aber ein chemisches Ätzen mit Natrium-Naphthalin oder ein spezielles Niederdruck-Plasma nötig.

Was ist der Unterschied zwischen Plasma und Beflammung?

Beide oxidieren die Oberfläche und heben die Oberflächenenergie. Plasma arbeitet mit ionisiertem Gas und ist auch für kleine, filigrane Teile geeignet, die Beflammung ist schneller für grosse ebene Flächen.

Kunststoffe zuverlässig verkleben?

Wir unterstützen bei Vorbehandlung, Testtinten nach DIN 55660 und dem passenden Klebstoff für PP, PE und PTFE.

Messbar geprüft

Oberflächenenergie mit Testtinten nach DIN 55660 kontrollierbar.

Prozesssicher

Definierte Parameter für reproduzierbare Verbindungen.

Dauerhaft haltbar

Adhäsive Bindung statt abperlender Klebstoff.

Fachberatung

Spezialisten begleiten Vorbehandlung und Klebstoffwahl.

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