Rohrgewinde abdichten - anaerob, PTFE oder Hanf?
Ob Wasser, Gas oder Druckluft: Zylindrische und konische Rohrgewinde müssen zuverlässig und dauerhaft abgedichtet werden. Dieser Ratgeber vergleicht anaerobe Flüssigdichtung, PTFE-Band und Hanf nach Druck, Medium und späterer Demontierbarkeit und zeigt, welches Dichtmittel wann passt.
Dichtmittel ansehenWelche Rohrgewinde gibt es und wo wird gedichtet?
Bei Rohrverschraubungen unterscheidet man dichtende und nicht dichtende Gewinde. Ein konisches Aussengewinde nach ISO 7 (Kurzzeichen R) dichtet im Gewinde selbst, ein zylindrisches Innengewinde (Rp) braucht ein Dichtmittel in der Flanke. Zylindrische Gewinde nach ISO 228 (G) dichten dagegen über eine Flachdichtung am Bund und nicht im Gewinde.
Beim Verschrauben von R in Rp entsteht die Abdichtung durch das Klemmen der Flanken plus ein zusätzliches Dichtmittel, das den verbleibenden spiralförmigen Spalt füllt. Genau diesen Spalt schliessen Hanf, PTFE-Band oder eine anaerobe Flüssigdichtung.
- R (ISO 7): kegeliges Aussengewinde, im Gewinde dichtend.
- Rp (ISO 7): zylindrisches Innengewinde für die Paarung mit R.
- G (ISO 228): zylindrisch, dichtet über Flach- oder O-Ring-Dichtung, nicht im Gewinde.
- NPT (ANSI): kegeliges Zoll-Gewinde, in Nordamerika üblich, ebenfalls im Gewinde dichtend.
Anaerob, PTFE oder Hanf - was hält was aus?
Die drei Verfahren unterscheiden sich vor allem in Druckfestigkeit, Medienbeständigkeit und der Frage, wie leicht sich die Verschraubung später wieder lösen lässt. Anaerobe Flüssigdichtungen härten unter Luftabschluss im Gewinde aus und erreichen die höchste Druck- und Vibrationsfestigkeit.
PTFE-Band (Teflonband) wird straff in Gewinderichtung gewickelt und ist sauber, geruchlos und schnell verarbeitet. Hanf mit Dichtpaste quillt bei Kontakt mit Wasser leicht auf und ist deshalb im Heizungs- und Sanitärbereich bei grösseren Gewinden nach wie vor bewährt.
Wie wähle ich das richtige Dichtmittel aus?
Entscheidend sind Medium, Betriebsdruck, Temperatur und ob die Verbindung wieder gelöst werden soll. Anaerobe Dichtungen gibt es in verschiedenen Festigkeitsstufen: niederfest für kleine Gewinde und leichte Demontage, mittel- bis hochfest für dauerhafte, druckfeste Verbindungen.
- Druckluft und Hydraulik: anaerobe Flüssigdichtung, mittelfest, sitzt vibrationssicher.
- Trinkwasser: nur DVGW-/DIN-EN-751-geprüfte Produkte verwenden.
- Gas: geprüfte anaerobe Dichtung (EN 751‑2) oder FRp-PTFE-Band (EN 751‑3).
- Kunststoffgewinde: PTFE-Band, da viele anaerobe Produkte auf Kunststoff nicht aushärten.
- Grosse Metallgewinde ab 1 Zoll: Hanf mit Dichtpaste bleibt praxistauglich.
Flüssigdichtungen für druckfeste, vibrationssichere Rohrverschraubungen.
Zum RatgeberHäufige Fragen
In welche Richtung wird PTFE-Band gewickelt?
Immer in Anzugsrichtung des Gewindes, damit sich das Band beim Verschrauben nicht wieder abwickelt. 3 bis 5 Lagen straff und leicht überlappend genügen bei kleineren Gewinden.
Wann ist eine anaerobe Flüssigdichtung besser als PTFE-Band?
Bei hohem Druck, starker Vibration und Medien wie Öl oder Kraftstoff. Sie füllt den Spalt vollständig und härtet zu einer druckfesten, selbstsichernden Verbindung aus, die je nach Festigkeit dennoch lösbar bleibt.
Darf ich Hanf für Gas verwenden?
Nur in Kombination mit einer zugelassenen Dichtpaste und im erlaubten Rahmen der jeweiligen Installationsvorschrift. Für viele Gasanwendungen sind geprüfte anaerobe Dichtungen oder FRp-PTFE-Bänder nach DIN EN 751 die sichere Wahl.
Lässt sich eine anaerob gedichtete Verschraubung wieder öffnen?
Ja, mittelfeste Produkte lassen sich mit normalem Werkzeug lösen. Hochfeste Dichtungen können erwärmt werden müssen. Für häufige Demontage niederfeste Stufen oder PTFE-Band wählen.
Das passende Dichtmittel für Ihr Rohrgewinde?
Anaerobe Flüssigdichtungen, PTFE-Bänder und Hanf-Sets - geprüft nach DIN EN 751 für Wasser, Gas und Druckluft.
Normgeprüft
Dichtmittel mit Zulassung nach DIN EN 751 für Gas und Wasser.
Druckfest
Anaerobe Dichtungen bis rund 350 bar Betriebsdruck.
Demontierbar
Festigkeitsstufen für lösbare oder dauerhafte Verbindungen.
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