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ISO 14644 / GMP Annex 1

Differenzdruck im Reinraum überwachen - wie plant man das?

Der Differenzdruck hält Verunreinigungen aus dem Reinraum fern, indem saubere Zonen gegenüber weniger sauberen leicht im Überdruck stehen. Dieser Ratgeber erklärt Sollwerte, den Aufbau einer Druckkaskade, die Sensorwahl und die Alarmierung nach ISO 14644 und GMP Annex 1.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
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10-15 Pa
typische Druckstufe je Schleuse
≥ 5 Pa
Mindeststufe GMP Annex 1
±1 Pa
empfohlene Sensorgenauigkeit
Annex 1
kontinuierlich zu dokumentieren
Inhalt
  1. Grundlagen und Sollwerte
  2. Druckkaskade planen
  3. Sensorwahl und Messung
  4. Alarmierung und Doku
  5. Häufige Fragen

Warum braucht ein Reinraum Differenzdruck?

Der Differenzdruck ist die kontrollierte Druckdifferenz zwischen zwei benachbarten Zonen. Steht der reinere Raum im Überdruck, strömt Luft stets von sauber nach weniger sauber und trägt Partikel aus der kritischen Zone heraus. Ohne diese Druckstaffelung könnten beim Öffnen einer Tür Verunreinigungen einwandern.

Nach GMP Annex 1 wird zwischen aufeinanderfolgenden Reinheitsgraden eine Druckdifferenz von 10 bis 15 Pa angestrebt, mindestens jedoch etwa 5 Pa. ISO 14644‑4 nennt für angrenzende Zonen ähnliche Werte und fordert eine dokumentierte Auslegung der Strömungsrichtung.

Bei Umgang mit gefährlichen oder sterilen Produkten kann statt Überdruck ein gezielter Unterdruck (Containment) sinnvoll sein. Die Strömungsrichtung ergibt sich immer aus dem Schutzziel: Produkt schützen oder Umgebung schützen.
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Wie baut man eine Druckkaskade auf?

Eine Druckkaskade staffelt die Räume vom höchsten zum niedrigsten Reinheitsgrad. Jede Schleuse und jeder Übergang erhält eine definierte Druckstufe, sodass sich der Druck von der Produktionszone bis nach draußen kontinuierlich abbaut.

  • Referenzpunkt festlegen: meist der ungeregelte Flur oder die Umgebung als 0 Pa.
  • Druckstufen von innen nach aussen konsequent abbauen, keine Sprünge überspringen.
  • Schleusen als Puffer nutzen, damit beim Türöffnen keine Umkehr der Strömung entsteht.
  • Zuluft- und Abluftbilanz je Raum so einregeln, dass sich der Sollwert stabil hält.
Planen Sie Türverriegelungen (Interlocks) so, dass nie zwei Türen einer Schleuse gleichzeitig offen stehen. Sonst bricht die Druckkaskade kurzzeitig zusammen.

Welche Sensoren und Messstellen sind richtig?

Zur Messung dienen Differenzdruck-Transmitter, die zwei Räume über kurze Schläuche verbinden. Für Reinräume eignen sich Sensoren mit einem Messbereich von etwa 0 bis 60 Pa und einer Genauigkeit von rund ±1 Pa, damit kleine Sollwerte sicher aufgelöst werden.

  • Messstelle ruhig platzieren, nicht direkt neben Zuluftauslass oder Tür.
  • Referenzanschluss in die Nachbarzone führen, Schläuche kurz und knickfrei halten.
  • Sensoren regelmässig kalibrieren und die Prüfung protokollieren.
  • Anzeige vor Ort ergänzen, damit das Personal den Druck jederzeit sieht.
Für kritische GMP-Bereiche empfiehlt sich zusätzlich zur Regelung eine unabhängige Messkette für die Überwachung, damit ein Sensorfehler nicht Regelung und Alarm zugleich blind macht.

Wie werden Grenzwerte und Alarme festgelegt?

GMP Annex 1 fordert eine kontinuierliche Überwachung des Differenzdrucks mit Aufzeichnung und Alarmierung. Sinnvoll ist ein zweistufiges Konzept: eine Warnschwelle vor dem Verlassen des Toleranzbands und ein Alarm beim Unterschreiten des kritischen Mindestwerts.

  • Warnung: Druck nähert sich der Toleranzgrenze, z. B. unter 8 Pa bei 12 Pa Sollwert.
  • Alarm: Mindestdruck unterschritten oder Strömungsumkehr, z. B. unter 5 Pa.
  • Zeitverzögerung von einigen Sekunden gegen Fehlalarme beim Türöffnen einplanen.
  • Alarme an Leittechnik und Personal melden, Quittierung und Ursache dokumentieren.
Zeichnen Sie Messwerte lückenlos auf. Für GMP-Bereiche müssen Trends, Grenzwertverletzungen und Massnahmen nachvollziehbar und revisionssicher gespeichert werden.
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Häufige Fragen

Welcher Differenzdruck gilt zwischen zwei Reinraumzonen?

Nach GMP Annex 1 werden 10 bis 15 Pa zwischen aufeinanderfolgenden Reinheitsgraden angestrebt, als Mindestwert etwa 5 Pa. Der genaue Sollwert richtet sich nach Prozess und Schutzziel.

Überdruck oder Unterdruck?

Überdruck schützt das Produkt, indem Luft nach aussen strömt. Bei gefährlichen oder toxischen Stoffen wird gezielt Unterdruck genutzt, damit nichts in die Umgebung entweicht (Containment).

Wie genau muss ein Differenzdrucksensor sein?

Für typische Stufen von 10 bis 15 Pa sollte die Genauigkeit bei etwa ±1 Pa liegen. Der Messbereich von 0 bis 60 Pa passt für die meisten Übergänge und Schleusen.

Was fordert GMP Annex 1 zur Überwachung?

Eine kontinuierliche Messung und Aufzeichnung des Differenzdrucks mit Alarmierung bei Grenzwertverletzung. Die Daten müssen revisionssicher dokumentiert und ausgewertet werden.

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