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ISO 14644-3

Reinraum qualifizieren und abnehmen - wie geht das?

Die Qualifizierung weist nach, dass ein Reinraum die vereinbarte ISO-Klasse zuverlässig einhält. Dieser Ratgeber erklärt die vier zentralen Abnahmeprüfungen nach ISO 14644-3: Luftmengenmessung, Leckprüfung der Filter, Partikelklassifizierung nach ISO 14644-1 und den Erholzeittest.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
Reinraumtechnik ansehen
±20 %
Toleranz Luftmenge
0,01 %
max. Filterleckage
ISO 1-9
Partikelklassen
< 20 min
typische Erholzeit
Inhalt
  1. Grundlagen und Zustände
  2. Luftmenge und Leckprüfung
  3. Partikelklassifizierung
  4. Erholzeittest
  5. Häufige Fragen

Was bedeutet Reinraum-Qualifizierung?

Die Qualifizierung ist der dokumentierte Nachweis, dass ein Reinraum seine geforderte Luftreinheitsklasse tatsächlich erreicht und stabil hält. Die Klassifizierung erfolgt nach ISO 14644‑1 über die Partikelkonzentration, die Prüfmethoden regelt ISO 14644‑3.

Gemessen wird in drei Belegungszuständen: as built (fertig gebaut, ohne Anlagen), at rest (Anlagen laufen, kein Personal) und in operation (Anlagen laufen, Personal arbeitet). Der Zustand muss im Prüfbericht immer angegeben werden, da die Partikellast stark davon abhängt.

Die Erstqualifizierung umfasst Bau- und Funktionsprüfung; danach wird der Reinraum in festen Intervallen requalifiziert - je nach Klasse alle 6 bis 24 Monate.
Reinraumtechnik

Filter, Messgeraete und Ausstattung für den kompletten Reinraum.

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Wie prüft man Luftmenge und Filterdichtheit?

Zwei Prüfungen sichern die Basis: die Luftmengenmessung bestimmt Volumenstrom und Luftwechselrate, die Leckprüfung weist die Dichtheit der Endfilter (HEPA/ULPA) nach. Beide gehören zu jeder Abnahme nach ISO 14644‑3.

Die Luftmenge wird direkt am Filterauslass mit einem Flügelrad-Anemometer oder über eine Messhaube (Balometer) ermittelt. Aus dem Volumenstrom und dem Raumvolumen ergibt sich die Luftwechselrate; bei turbulenter Mischlüftung sind je nach Klasse 20 bis über 600 Wechsel pro Stunde üblich.

Bei der Leckprüfung wird stromaufwärts ein DEHS-Prüfaerosol eingespeist und die Filterfläche mit einem Photometer oder Partikelzähler mäanderförmig abgetastet. Eine lokale Durchlässigkeit über 0,01 Prozent gilt als Leck an Medium, Rahmen oder Dichtung und muss abgedichtet werden.

Die Scan-Geschwindigkeit richtet sich nach dem Messvolumenstrom des Zählers - zu schnelles Abfahren übersieht kleine Lecks. Halten Sie die Düse etwa 3 cm vor der Filterfläche.

Wie wird die Partikelklasse bestimmt?

Die Klassifizierung nach ISO 14644‑1 misst die Konzentration luftgetragener Partikel mit einem kalibrierten Partikelzähler. Die ISO-Klasse ergibt sich aus dem zulässigen Grenzwert je Partikelgröße und Kubikmeter Luft.

  • Anzahl der Messpunkte = Quadratwurzel aus der Raumfläche in m², aufgerundet.
  • Probenahme in Arbeitshöhe, Zähler mit isokinetischer Ansaugung.
  • Mindestprobevolumen so wählen, dass mindestens 20 Partikel erfassbar wären.
  • ISO 5 erlaubt 3 520 Partikel ≥ 0,5 µm je m³, ISO 7 bereits 352 000.
  • Ergebnis pro Messpunkt und als Mittelwert dokumentieren.
Die frühere GMP-Klasse A entspricht etwa ISO 5 (at rest). Für pharmazeutische Räume gelten zusätzlich die Vorgaben des EU-GMP-Anhang 1, unter anderem die Messung bei 5,0 µm.

Wozu dient der Erholzeittest?

Der Erholzeittest (recovery test) misst, wie schnell der Reinraum nach einer Störung wieder seine Reinheit erreicht. Er belegt, dass Lüftung und Filter eine Partikelspitze zuverlässig ausspülen - besonders wichtig für turbulent belüftete Räume ab ISO 6.

Dazu wird die Partikelkonzentration künstlich um das rund 100-fache erhöht und anschließend die Zeit bis zum Abfall auf ein Hundertstel gemessen (100:1-Erholzeit). Als Richtwert gelten unter 20 Minuten; die tatsächliche Vorgabe wird zwischen Betreiber und Prüfer festgelegt.

Alle Ergebnisse gehören in einen Qualifizierungsbericht mit Geraetekalibrierung, Messpunktplan und Belegungszustand - das ist die Grundlage für Requalifizierung und Audit.

Häufige Fragen

Welche Norm regelt die Prüfmethoden?

Die Klassifizierung erfolgt nach ISO 14644‑1, die Prüf- und Messmethoden für die Abnahme sind in ISO 14644‑3 beschrieben. Beide werden meist gemeinsam angewendet.

In welchen Intervallen muss requalifiziert werden?

Je nach Klasse und Anwendung alle 6 bis 24 Monate. Kritische Räume ab ISO 5 werden häufiger geprüft, die Partikelmessung oft halbjährlich.

Was ist die 100:1-Erholzeit?

Die Zeit, in der die künstlich erhöhte Partikelkonzentration wieder auf ein Hundertstel abfällt. Sie zeigt, wie schnell die Lüftung Verunreinigungen ausspült, Richtwert unter 20 Minuten.

Wie viele Messpunkte sind nötig?

Die Mindestzahl entspricht der aufgerundeten Quadratwurzel der Raumfläche in Quadratmetern. Ein 25 m² Raum benötigt somit fünf Messpunkte.

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