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IPC-7093

Underfill unter BGA anwenden - wie geht das richtig?

Underfill ist der Kunststoff, der den Spalt zwischen BGA und Leiterplatte füllt und die Lotkugeln mechanisch entlastet. Dieser Ratgeber erklärt Materialtypen, das Kapillar- und No-Flow-Verfahren, Dispensmuster, die Aushärtung sowie die Rework-Fähigkeit.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: ESD-Spezialisten
Löttechnik ansehen
25-75 µm
typische Spalthöhe unter BGA
150 °C
typische Aushärtetemperatur
2-3x
höhere Sturzfestigkeit
IPC-7093
Designleitfaden BTC
Inhalt
  1. Grundlagen und Nutzen
  2. Materialtypen
  3. Dispensen und Aushärten
  4. Rework und Prüfung
  5. Häufige Fragen

Warum wird Underfill unter BGA-Bauteilen eingesetzt?

Underfill ist ein niedrigviskoser Epoxidharz, der den Spalt zwischen einem BGA-Gehäuse und der Leiterplatte vollständig ausfüllt. Er verteilt mechanische und thermische Spannungen von den einzelnen Lotkugeln auf die gesamte Klebefläche und erhöht so die Lebensdauer der Lötstellen deutlich.

Ohne Underfill trägt jede Lotkugel die Last allein. Bei Temperaturwechseln entsteht durch den unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffizienten (CTE) von Bauteil und Platine Scherspannung, die die Kugeln ermüden lässt. Underfill koppelt beide Teile mechanisch und reduziert diese Belastung.

Besonders bei Smartphones, Automotive-Steuergeräten und tragbaren Geräten schützt Underfill die BGA-Verbindung vor Sturz, Vibration und Temperaturzyklen und kann die Sturzfestigkeit um das Zwei- bis Dreifache steigern.
  • Verteilt Scherspannung von den Lotkugeln auf die gesamte Fläche.
  • Kompensiert die CTE-Fehlanpassung zwischen Silizium, Substrat und FR4.
  • Schützt gegen Sturz, Vibration und Feuchte.
  • Erhöht die Zahl der ertragbaren Temperaturzyklen deutlich.
BGA-Rework

So werden BGA-Bauteile fachgerecht ausgelötet und ersetzt.

Zum Ratgeber

Welche Underfill-Typen gibt es?

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Kapillar-Underfill (CUF) und No-Flow-Underfill sowie den nachbearbeitbaren, umspritzbaren Varianten. Die Wahl richtet sich nach Spalthöhe, Durchsatz und der Frage, ob das Bauteil später noch getauscht werden muss.

Reworkable Underfill erweicht bei rund 150 bis 190 °C so weit, dass sich das BGA nach lokaler Erwärmung wieder entfernen lässt. Corner-Bond verklebt nur die vier Ecken und bietet Sturzschutz bei minimalem Materialeinsatz und einfacher Reparatur.

Für Serviceplatinen, die später repariert werden könnten, immer reworkable Underfill oder Corner-Bond wählen. Vollflächiges Standard-Epoxid macht ein BGA praktisch irreversibel verbaut.

Wie wird Underfill dispensiert und ausgehärtet?

Beim Kapillarverfahren wird der Underfill nach dem Löten an einer oder zwei Kanten des BGA aufgetragen. Die vorgewärmte Platine (typisch 70 bis 110 °C) senkt die Viskosität, sodass das Material durch Kapillarkraft unter das Bauteil fliesst und den Spalt gleichmässig füllt.

  • Platine und Bauteil auf 70‑110 °C vorwärmen, um die Fliessfähigkeit zu erhöhen.
  • Material entlang einer Kante (L- oder I-Muster) mit definierter Dosiermenge auftragen.
  • Kapillarfluss abwarten, bis am gegenüberliegenden Rand ein sauberer Meniskus (Fillet) entsteht.
  • Bei Bedarf eine zweite Raupe zum Auffüllen des Fillets nachlegen.
  • Nach Herstellervorgabe aushärten, meist 30‑60 Min. bei 150 °C.
Ein zeitgesteuerter Dispenser oder Auger-Ventil sorgt für reproduzierbare Dosiermengen. Zu viel Material bildet überstehende Fillets, zu wenig führt zu Lufteinschlüssen (Voids) unter dem Bauteil.

Nach dem Aushärten prüft eine Röntgeninspektion die Vollständigkeit der Füllung und den Void-Anteil. Ein durchgehendes, blasenfreies Fillet an allen Kanten ist das Zeichen einer korrekten Applikation.

Lässt sich ein Underfill-BGA noch reparieren?

Nur bedingt. Standard-Underfill ist thermisch stabil und vernetzt dauerhaft, sodass ein Auslöten des BGA das Bauteil und oft auch die Pads zerstört. Reworkable Materialien und Corner-Bond wurden gezielt entwickelt, um genau diese Reparierbarkeit zu erhalten.

Zum Entfernen wird das Reworkable-Underfill lokal auf seine Erweichungstemperatur gebracht, das BGA vorsichtig abgehoben und der Restfilm mechanisch sowie mit Lösemittel entfernt, bevor neu bestückt wird.
  • Standard-CUF: praktisch nicht reparabel, hohe Gefahr für Pads und Platine.
  • Reworkable: erweicht bei rund 150‑190 °C, Bauteil abnehmbar.
  • Corner-Bond: Ecken lösen, Bauteil frei - schnellster Rework.
  • Reste immer vollständig entfernen, sonst sitzt das neue BGA nicht plan.
Die Wahl des Underfill-Typs ist eine Entscheidung über die gesamte Produktlebensdauer. Wer Reparatur oder Nacharbeit einplant, legt den Typ bereits im Design fest - Orientierung gibt IPC-7093 für Bottom-Termination-Bauteile.

Häufige Fragen

Wann ist Underfill unter einem BGA notwendig?

Immer wenn die Baugruppe Sturz, Vibration oder starken Temperaturwechseln ausgesetzt ist, etwa in Mobilgeräten oder Automotive. Underfill erhöht dann die Lebensdauer der Lotkugeln um ein Vielfaches.

Was ist der Unterschied zwischen Kapillar- und No-Flow-Underfill?

Kapillar-Underfill wird nach dem Reflow aufgetragen und fliesst per Kapillarkraft unter das Bauteil. No-Flow-Underfill wird vor der Bestückung dispensiert und härtet im selben Reflow-Prozess aus, was Prozessschritte spart.

Wie härtet man Underfill richtig aus?

Nach Datenblatt, typisch 30 bis 60 Minuten bei rund 150 °C in einem Umluftofen. Eine Vorwärmung auf 70 bis 110 °C beim Dispensen verbessert vorher den Kapillarfluss.

Kann ein Underfill-BGA später getauscht werden?

Nur bei reworkable Materialien oder Corner-Bond, die sich thermisch wieder lösen lassen. Standard-Underfill macht das BGA praktisch irreversibel verbaut.

Das passende Underfill-Material gesucht?

Wir liefern Kapillar-, No-Flow- und reworkable Underfills samt Dispensern und Zubehör für zuverlässige BGA-Verstärkung.

Nach IPC-Leitfaden

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