EN 388 Schnittschutz richtig lesen - welches Level brauche ich?
Die vier bis sechs Zeichen der EN 388 sagen genau, wie stark ein Handschuh gegen Scheuern, Schnitt, Weiterreissen und Stich schützt. Dieser Ratgeber erklärt jede Stelle des Codes, den TDM-Coupe-Test mit den Buchstaben A bis F nach ISO 13997 und wie Sie daraus das passende Level für Ihre Tätigkeit ableiten.
Schnittschutzhandschuhe ansehenWie liest man den EN 388 Code?
Nach dem Hammer-Piktogramm der EN 388 folgen bis zu sechs Zeichen in fester Reihenfolge. Die ersten vier sind Ziffern, danach kommen optional ein Buchstabe für den TDM-Coupe-Test und ein weiterer Buchstabe für den Stossschutz. Jede Stelle steht für eine eigene Prüfung und ein eigenes Schutzniveau.
Die Reihenfolge lautet: Scheuerfestigkeit (0‑4), Schnittfestigkeit Coupe-Test (0‑5), Weiterreissfestigkeit (0‑4) und Durchstichfestigkeit (0‑4). Ein X an einer Stelle bedeutet, dass die Prüfung nicht anwendbar oder nicht durchgeführt wurde, nicht dass der Handschuh versagt.
Warum gibt es den TDM-Coupe-Test A bis F?
Der klassische Coupe-Test (2. Ziffer) misst mit einer rotierenden Rundklinge und stumpft bei schnitthemmenden Fasern wie Glas oder Stahl selbst ab. Deshalb wurde mit der EN 388:2016 der TDM-Test nach ISO 13997 ergänzt, der mit einer geraden, stets frischen Klinge arbeitet und die nötige Schnittkraft in Newton misst.
Aus dieser Kraft ergeben sich die Buchstaben A bis F. Je höher der Buchstabe, desto grösser die Kraft, die zum Durchtrennen nötig ist, und desto besser der Schnittschutz. Für Handschuhe aus hochschnittfesten Garnen ist der TDM-Wert die verlässlichere Kennzahl als die alte Ziffer.
Welches Schnittschutz-Level passt zur Tätigkeit?
Die richtige Stufe leitet sich aus der Gefährdungsbeurteilung ab: Wie scharf sind die Kanten, wie hoch ist die Anpresskraft und wie oft besteht Kontakt? Ein zu hoher Level kostet Tastgefühl und Fingerfertigkeit, ein zu niedriger schützt nicht ausreichend.
- Leichte Montage, Kunststoffteile: Coupe-Stufe 1‑2 oder TDM A-B reichen aus.
- Blechbearbeitung, Glashandling, Automotive: TDM-Stufe C bis D wählen.
- Recycling, Stanzen, scharfe Klingen: TDM-Stufe E oder F einplanen.
- Bei Kontakt mit spitzen Gegenständen zusätzlich auf die 4. Ziffer (Durchstich) achten.
- Stossgefahr am Handrücken: Modell mit sechstem Buchstaben P bevorzugen.
Häufige Fragen
Was bedeutet ein X im EN 388 Code?
Ein X zeigt, dass die betreffende Prüfung nicht durchgeführt oder nicht aussagekräftig war. Es ist keine Wertung und bedeutet nicht, dass der Handschuh in diesem Punkt versagt.
Coupe-Ziffer oder TDM-Buchstabe - was zählt?
Bei schnitthemmenden Garnen wie Glas oder Stahl stumpft die Coupe-Klinge ab, deshalb ist der TDM-Buchstabe A bis F nach ISO 13997 zuverlässiger. Sind beide angegeben, richten Sie sich bei scharfen Metallkanten nach dem TDM-Wert.
Welche Stufe brauche ich für Blechbearbeitung?
Für scharfe Blech- und Glaskanten sind meist TDM-Stufe C oder D sinnvoll, also 10 bis 22 Newton Schnittkraft. Entscheidend bleibt die konkrete Gefährdungsbeurteilung.
Schützt EN 388 auch vor Nadelstichen?
Nein. Der Durchstichtest nutzt einen genormten Dorn und bildet dünne Injektions- oder Nähnadeln nicht ab. Für Nadelschutz sind spezielle geprüfte Handschuhe nötig.
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