Wie lötet man richtig von Hand? Grundtechnik Schritt für Schritt
Sauberes Handlöten folgt einer festen Reihenfolge: erst Pad und Bauteilanschluss mit der Spitze erwärmen, dann das Lot an die Lötstelle führen, nicht auf die Spitze. Mit richtiger Temperatur, sauberer Spitze und Flussmittel entsteht eine glänzende, konkave Lötstelle.
Zur LöttechnikWie lötet man Schritt für Schritt richtig?
Beim Handlöten wird die Wärme zuerst in die Verbindung gebracht, nicht in das Lot. Die Spitze erwärmt gleichzeitig das Pad und den Bauteilanschluss, dann wird der Lötdraht an die erhitzte Stelle geführt. Das Lot schmilzt an der Fügestelle selbst und fließt durch die entstehende Wärme sauber um Pad und Anschluss.
Der häufigste Anfängerfehler ist, das Lot auf die Spitze zu geben und die Kugel dann auf die Stelle zu tupfen. Dabei verdampft das Flussmittel, bevor es wirkt, und es entsteht eine kalte, schlecht benetzte Verbindung. Richtig ist: Spitze und Lot berühren die Stelle von zwei Seiten, das Lot schmilzt am erwärmten Metall.
- Spitze verzinnen: die saubere Spitze mit etwas frischem Lot benetzen, damit die Wärme gut übergeht.
- Kontaktieren: die Spitze so anlegen, dass sie Pad und Bauteilanschluss zugleich berührt.
- Erwärmen: rund eine Sekunde beide Metallflächen auf Löttemperatur bringen.
- Lot zuführen: den Lötdraht an die Fügestelle führen, nicht auf die Spitze, und schmelzen lassen.
- Fließen lassen: so viel Lot geben, bis eine kleine konkave Kehle Pad und Anschluss benetzt.
- Lot entfernen: zuerst den Lötdraht wegnehmen, dann die Spitze abziehen.
- Ruhig halten: die Verbindung ohne Bewegung erstarren lassen, sonst wird sie kalt.
Welche Temperatur, Spitze und Flussmittel braucht man?
Ein sauberes Ergebnis hängt an drei Faktoren: der richtigen Temperatur, einer sauberen verzinnten Spitze und ausreichend Flussmittel. Für bleifreie Lote liegt die Spitzentemperatur meist bei 350 bis 380 °C, weil diese Legierungen höher schmelzen als bleihaltige.
Die Spitze muss sauber und verzinnt sein, damit die Wärme schnell übergeht. Eine oxidierte, schwarze Spitze überträgt kaum Wärme und zwingt zu längerem Erhitzen. Zwischen den Lötungen wird die Spitze am feuchten Schwamm oder in Messingwolle abgestreift und sofort wieder frisch verzinnt. Flussmittel, meist im Lötdraht als Seele enthalten, löst Oxide und sorgt dafür, dass das Lot flach ausläuft statt zu perlen.
Eine gute Lötstelle erkennt man an einer glatten, glänzenden Oberfläche und einer konkaven, leicht eingezogenen Kehle, die Pad und Anschluss vollständig benetzt. Bei bleifreiem Lot darf die Oberfläche etwas matter wirken, das ist allein kein Fehler. Details zur Bewertung im Ratgeber Lötstellen prüfen.
Welche Anfängerfehler gibt es und wie lötet man ESD-sicher?
Die meisten Anfängerfehler entstehen durch falsche Reihenfolge, zu viel Lot oder zu viel Wärme. Die folgende Tabelle ordnet die typischen Fehler ihrer Ursache und Abhilfe zu.
| Fehler | Ursache | Abhilfe |
|---|---|---|
| Kalte Lötstelle | zu wenig Wärme, Bewegung beim Erstarren | Stelle erwärmen, ruhig halten |
| Zu viel Lot | Lot zu lange zugeführt | weniger Lot, kleine Kehle anstreben |
| Überhitzung | zu hohe Temperatur oder zu lange | kürzer löten, Temperatur senken |
| Schlechte Benetzung | oxidierte Spitze, wenig Flussmittel | Spitze verzinnen, Flussmittel zugeben |
| Lötbrücke | zu viel Lot, enger Abstand | Lot reduzieren, überschüssiges entfernen |
| Lot auf der Spitze | Lot auf die Spitze statt an die Stelle | Lot an die erwärmte Fügestelle führen |
Elektronische Bauteile sind empfindlich gegen elektrostatische Entladung. Beim Handlöten wird daher ESD-sicher gearbeitet: geerdete Lötstation, ESD-Matte und Handgelenkband am geerdeten Arbeitsplatz. So fließen Ladungen kontrolliert ab und schädigen die Bauteile nicht.
- Geerdete Lötstation mit potentialausgleichender Spitze verwenden.
- ESD-Matte und Handgelenkband über den gemeinsamen Erdungspunkt anbinden.
- Bauteile auf ableitfähiger Unterlage handhaben, nicht auf normalem Kunststoff.
- Vor Arbeitsbeginn Erdung von Matte und Band prüfen.
Regelbare Temperatur und geerdete Spitze sind die Basis für sauberes Handlöten.
Lötstation-Auswahl lesenSo erkennen und beurteilen Sie eine gute Lötstelle nach anerkannten Kriterien.
Lötstellen prüfen lesenHäufige Fragen
Führt man das Lot auf die Spitze oder an die Lötstelle?
An die Lötstelle. Zuerst erwärmt die Spitze Pad und Bauteilanschluss, dann wird der Lötdraht an die erhitzte Fügestelle geführt und schmilzt dort. Lot auf die Spitze zu geben lässt das Flussmittel verdampfen und führt zu kalten, schlecht benetzten Stellen.
Welche Temperatur ist zum Handlöten richtig?
Für bleifreie Lote liegt die Spitzentemperatur meist bei 350 bis 380 °C, da diese Legierungen höher schmelzen als bleihaltige. Wichtiger als ein hoher Wert ist eine saubere, verzinnte Spitze, damit die Wärme schnell übergeht und die Stelle kurz gelötet werden kann.
Woran erkennt man eine gute Lötstelle?
Eine gute Lötstelle ist glatt, glänzend und zeigt eine konkave, leicht eingezogene Kehle, die Pad und Anschluss vollständig benetzt. Bei bleifreiem Lot darf die Oberfläche etwas matter sein. Matte, körnige oder kugelige Stellen deuten auf einen Fehler hin.
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