Wie lötet man bleifrei richtig?
Bleifreies Löten mit SAC305 (SnAgCu) erfordert wegen des höheren Schmelzpunkts von rund 217 °C eine Arbeitstemperatur von 350-380 °C, eine gute thermische Nachregelung und sorgfältige Spitzenpflege. Die RoHS-Richtlinie 2011/65/EU verbietet Blei in der Elektronik.
Zur LöttechnikWarum überhaupt bleifrei löten?
Die RoHS-Richtlinie 2011/65/EU der EU verbietet Blei in Elektro- und Elektronikgeräten oberhalb eines Grenzwerts von 0,1 Gewichtsprozent. Bleifreies Löten ist damit für in Verkehr gebrachte Elektronik verpflichtend, sofern keine spezielle Ausnahme greift.
Blei ist toxisch und reichert sich in Umwelt und Organismus an. RoHS reduziert den Bleieintrag über Elektronikschrott und harmonisiert die Anforderungen im EU-Binnenmarkt. Reparatur und Nacharbeit an Bestandsgeräten müssen die verwendete Legierung berücksichtigen, um zuverlässige Lötstellen zu erhalten.
Welche Legierung und welche Temperatur brauche ich?
SAC305 (96,5 % Sn, 3,0 % Ag, 0,5 % Cu) ist die verbreitetste bleifreie Legierung. Sie schmilzt bei rund 217 °C, deutlich höher als die eutektische Zinn-Blei-Legierung Sn63Pb37 mit 183 °C. Daraus ergibt sich eine typische Arbeitstemperatur von 350‑380 °C gegenüber etwa 330 °C bei verbleit.
Die höhere Temperatur bedeutet mehr thermische Belastung für Bauteile und Lötspitze. Eine Lötstation mit guter thermischer Nachregelung hält die Spitzentemperatur beim Kontakt mit der Lötstelle stabil, statt einzubrechen. So bleibt der Wärmeeintrag kurz und kontrolliert.
| Merkmal | Verbleit (Sn63Pb37) | Bleifrei (SAC305) |
|---|---|---|
| Schmelzpunkt | 183 °C | 217 °C |
| Arbeitstemperatur | ca. 330 °C | 350-380 °C |
| Benetzung | sehr gut | langsamer, matter |
| Spitzenverschleiß | gering | höher |
Thermische Nachregelung und Leistungsreserve entscheiden über die Qualität beim bleifreien Löten.
Lötstation auswählenNo-Clean oder wasserlöslich - welches Flussmittel?
Weil bleifreie Legierungen schlechter benetzen, ist das Flussmittel entscheidend. Gängig sind No-Clean-Flussmittel, deren Rückstände auf der Baugruppe verbleiben dürfen, und wasserlösliche Flussmittel, die aktiver benetzen, aber vollständig abgewaschen werden müssen.
- No-Clean: geringe Rückstände, kein Waschschritt nötig, für die meisten Handlötarbeiten geeignet.
- Wasserlöslich: sehr aktiv und gute Benetzung, erfordert aber gründliches Reinigen, da Rückstände korrosiv sein können.
- Flussmittelseele im Draht oder zusätzlicher Flux verbessern die Benetzung bei bleifrei spürbar.
Wie schütze ich die Lötspitze vor schnellem Verschleiß?
Die höhere Temperatur und der höhere Zinnanteil bleifreier Lote lassen Lötspitzen schneller verschleißen. Die Eisenbeschichtung wird stärker angegriffen. Konsequente Spitzenpflege verlängert die Standzeit deutlich und hält die Wärmeübertragung stabil.
- Spitze stets verzinnt lagern und vor Pausen frisch benetzen.
- Temperatur nur so hoch wie nötig wählen, nicht dauerhaft am oberen Limit arbeiten.
- Trockenreinigung mit Messingwolle schont die Beschichtung mehr als der nasse Schwamm.
- Bei Oxidation Aktivator oder Tip-Refresher verwenden, statt mechanisch zu kratzen.
Verzinnen, reinigen und Temperatur steuern - so bleibt die Wärmeübertragung bei bleifrei erhalten.
Spitzenpflege lesenHäufige Fragen
Bei welcher Temperatur lötet man bleifrei?
SAC305 schmilzt bei rund 217 °C, daher liegt die Arbeitstemperatur typisch bei 350‑380 °C. Das ist höher als bei verbleitem Lot mit etwa 330 °C. Nicht dauerhaft am oberen Limit arbeiten, um Bauteile und Spitze zu schonen.
Warum sehen bleifreie Lötstellen matter aus?
Bleifreie Legierungen wie SAC305 benetzen langsamer und erstarren mit einer matteren, leicht körnigen Oberfläche. Eine matte Lötstelle ist bei bleifrei normal und kein Qualitätsmangel, solange sie gut ausgeformt und vollständig benetzt ist.
Verschleißen Lötspitzen bei bleifrei schneller?
Ja. Höhere Temperatur und höherer Zinnanteil greifen die Eisenbeschichtung stärker an. Mit konsequentem Verzinnen, moderater Temperatur und schonender Reinigung lässt sich die Standzeit deutlich verlängern.
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