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EN 360

Höhensicherungsgerät oder Falldämpfer - was ist besser?

Ein Höhensicherungsgerät nach EN 360 blockiert bei einem Sturz automatisch und hält den Fangstoss gering. Dieser Ratgeber zeigt, wann es dem klassischen Falldämpfer überlegen ist und worauf Sie bei Bandlänge, Kantenprüfung und Rückholfunktion achten müssen.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: ESD-Spezialisten
Höhensicherungsgeräte ansehen
EN 360
Norm Höhensicherungsgerät
< 6 kN
maximaler Fangstoss
> 4,5 m/s
Blockiergeschwindigkeit
0,3 m
geprüfte Kante EN 360-A
Inhalt
  1. HSG oder Falldämpfer
  2. Bandlänge und Anschlag
  3. Scharfe Kanten
  4. Rettung und Rückholung
  5. Häufige Fragen

Wann Höhensicherungsgerät statt Falldämpfer?

Ein Höhensicherungsgerät (HSG) nach EN 360 arbeitet wie ein Sicherheitsgurt im Auto: Das Band läuft frei mit, blockiert aber bei einer plötzlichen Beschleunigung ab etwa 4,5 m/s. Ein Falldämpfer nach EN 355 hingegen ist ein fest langes Verbindungsmittel von meist 2 m, das die Energie erst durch Aufreissen eines Bandpakets abbaut.

Der entscheidende Unterschied ist die Sturzstrecke. Ein Falldämpfer braucht bis zu 6 m Sturzraum unter den Füssen, weil sich das 2 m Verbindungsmittel plus das aufreissende Dämpferpaket plus Körpergrösse und Sicherheitszuschlag addieren. Ein HSG blockiert dagegen nach wenigen Dezimetern, sodass der freie Fall kurz bleibt.

Faustregel: Ist unter dem Arbeitsplatz weniger als 6 m freier Raum bis zum nächsten Hindernis, ist ein Höhensicherungsgerät fast immer die richtige Wahl, weil der Falldämpfer die nötige Sturzstrecke nicht mehr bietet.
  • Höhensicherungsgerät: kurze Sturzstrecke, ideal bei geringer lichter Höhe und Bewegungsfreiheit.
  • Falldämpfer: einfach und robust, aber braucht viel Freiraum nach unten.
  • HSG hält die Arbeitsleine stets straff und reduziert die Stolpergefahr durch loses Band.
  • Für horizontale Bewegung mit Kantenrisiko sind nur kantengeprüfte Geräte zulässig.
Auffanggurt richtig wählen

Das HSG ist nur so gut wie der Auffanggurt, an dem es hängt.

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Welche Bandlänge und welcher Anschlagpunkt?

Höhensicherungsgeräte gibt es mit Bandauszügen von etwa 1,8 m bis über 20 m. Kurze Geräte aus Kunststoffgehäuse decken den klassischen Fall über Kopf ab, lange Stahlseil- oder Bandgeräte begleiten Bewegungen über grössere Strecken. Wichtiger als die reine Länge ist die Lage des Anschlagpunkts.

Ein Anschlagpunkt über dem Kopf hält die freie Fallstrecke am kürzesten. Sinkt der Anschlagpunkt auf Fussniveau, verdoppelt sich der mögliche Sturzweg und der Fangstoss steigt - dann ist zwingend ein für tiefe Anschlagpunkte freigegebenes Gerät nötig.
  • Anschlagpunkt möglichst senkrecht über dem Kopf wählen (Faktor 1).
  • Pendelsturz vermeiden: seitlicher Versatz erzeugt gefährliche Schwingbewegung gegen Hindernisse.
  • Nur zugelassene Anschlageinrichtungen nach EN 795 mit mindestens 12 kN Tragfähigkeit nutzen.
  • Bei tiefem Anschlagpunkt Freigabe des Herstellers (Faktor 2) prüfen.

Was bedeutet die Kantenprüfung nach EN 360-A?

Führt das Band bei einem Sturz über eine Kante, kann es reissen wie an einer Klinge. Deshalb prüft die Ergänzung EN 360-A (früher als RfU CNB/P/11.060 bekannt) das Gerät über einer definierten Stahlkante mit Radius r = 0,5 mm. Nur Geräte mit dieser Freigabe dürfen dort eingesetzt werden, wo das Band über eine scharfe Kante laufen kann.

Steht auf dem Typenschild kein Zusatz A oder kein Kantenpiktogramm, darf das Gerät nur mit Anschlagpunkt über dem Kopf verwendet werden - niemals horizontal an einer Dach- oder Gerüstkante.
  • Kantengeprüfte Geräte tragen das Kürzel EN 360-A oder ein Kantensymbol.
  • Der Kantenradius r = 0,5 mm entspricht einer typischen scharfen Trapezblech- oder Stahlträgerkante.
  • Ohne A-Freigabe droht bei Kantenkontakt das Durchtrennen des Bandes.
  • Ein zusätzlicher Kantenschutz oder Umlenkgeschirr erhöht die Sicherheit weiter.

Wann lohnt sich die Rückholfunktion?

Manche Höhensicherungsgeräte haben eine integrierte Rückholvorrichtung mit Kurbel (Bergegerät nach EN 1496). Nach einem Sturz oder bei Bewusstlosigkeit lässt sich die verunfallte Person damit ohne Fremdrettung hochkurbeln oder ablassen. Das ist bei Arbeiten in Behältern, Schächten und Silos oft vorgeschrieben.

Nach einem Auffangvorgang droht das Hängetrauma: bewegungslos im Gurt hängend kann es innerhalb von 10 bis 20 Minuten zu lebensbedrohlichem Blutstau kommen. Eine schnelle Rettung ist also Teil des Konzepts, nicht Kür.
  • Rückholgeräte kombinieren Absturzsicherung (EN 360) und Rettungshub (EN 1496).
  • Pflicht bzw. dringend empfohlen bei Einstieg in enge Räume, Schächte und Silos.
  • Rettungsplan vor Arbeitsbeginn festlegen - jede Minute im Gurt zählt.
  • Gerät jährlich durch eine sachkundige Person prüfen lassen und Prüfbuch führen.
PSA gegen Absturz im Überblick

Gurt, Verbindungsmittel und Anschlagpunkt als System verstehen.

Zum Ratgeber

Häufige Fragen

Wann ist ein Höhensicherungsgerät besser als ein Falldämpfer?

Immer dann, wenn unter dem Arbeitsplatz wenig freier Raum ist. Ein Falldämpfer braucht bis zu 6 m Sturzstrecke, ein HSG blockiert nach wenigen Dezimetern und hält den Sturz kurz.

Darf ich jedes HSG horizontal an einer Dachkante nutzen?

Nein. Nur Geräte mit Freigabe nach EN 360-A sind über scharfe Kanten geprüft. Ohne den Zusatz A oder das Kantensymbol darf der Anschlagpunkt nur über dem Kopf liegen.

Wie hoch darf der Fangstoss sein?

Nach EN 360 darf die auf den Körper wirkende Kraft 6 kN nicht überschreiten. Das begrenzt das Verletzungsrisiko bei einem Sturz deutlich.

Wie oft muss ein Höhensicherungsgerät geprüft werden?

Mindestens einmal jährlich durch eine sachkundige Person, bei starker Beanspruchung häufiger. Nach jedem Auffangvorgang ist das Gerät sofort auszusondern und zu prüfen.

Passendes Höhensicherungsgerät gesucht?

Wir liefern Höhensicherungsgeräte nach EN 360 - kompakt oder kantengeprüft, auf Wunsch mit Rückholfunktion und passendem Auffanggurt.

Normgeprüft

Alle Geräte erfüllen EN 360, kantengeprüfte zusätzlich EN 360-A.

Kurze Sturzstrecke

Automatische Blockierung hält den Fangstoss unter 6 kN.

Dokumentiert geprüft

Jährliche Sachkundigenprüfung mit Prüfbuch.

Fachberatung

Spezialisten helfen bei Bandlänge, Kante und Rettung.

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