Höhensicherungsgerät oder Falldämpfer - was ist besser?
Ein Höhensicherungsgerät nach EN 360 blockiert bei einem Sturz automatisch und hält den Fangstoss gering. Dieser Ratgeber zeigt, wann es dem klassischen Falldämpfer überlegen ist und worauf Sie bei Bandlänge, Kantenprüfung und Rückholfunktion achten müssen.
Höhensicherungsgeräte ansehenWann Höhensicherungsgerät statt Falldämpfer?
Ein Höhensicherungsgerät (HSG) nach EN 360 arbeitet wie ein Sicherheitsgurt im Auto: Das Band läuft frei mit, blockiert aber bei einer plötzlichen Beschleunigung ab etwa 4,5 m/s. Ein Falldämpfer nach EN 355 hingegen ist ein fest langes Verbindungsmittel von meist 2 m, das die Energie erst durch Aufreissen eines Bandpakets abbaut.
Der entscheidende Unterschied ist die Sturzstrecke. Ein Falldämpfer braucht bis zu 6 m Sturzraum unter den Füssen, weil sich das 2 m Verbindungsmittel plus das aufreissende Dämpferpaket plus Körpergrösse und Sicherheitszuschlag addieren. Ein HSG blockiert dagegen nach wenigen Dezimetern, sodass der freie Fall kurz bleibt.
- Höhensicherungsgerät: kurze Sturzstrecke, ideal bei geringer lichter Höhe und Bewegungsfreiheit.
- Falldämpfer: einfach und robust, aber braucht viel Freiraum nach unten.
- HSG hält die Arbeitsleine stets straff und reduziert die Stolpergefahr durch loses Band.
- Für horizontale Bewegung mit Kantenrisiko sind nur kantengeprüfte Geräte zulässig.
Welche Bandlänge und welcher Anschlagpunkt?
Höhensicherungsgeräte gibt es mit Bandauszügen von etwa 1,8 m bis über 20 m. Kurze Geräte aus Kunststoffgehäuse decken den klassischen Fall über Kopf ab, lange Stahlseil- oder Bandgeräte begleiten Bewegungen über grössere Strecken. Wichtiger als die reine Länge ist die Lage des Anschlagpunkts.
- Anschlagpunkt möglichst senkrecht über dem Kopf wählen (Faktor 1).
- Pendelsturz vermeiden: seitlicher Versatz erzeugt gefährliche Schwingbewegung gegen Hindernisse.
- Nur zugelassene Anschlageinrichtungen nach EN 795 mit mindestens 12 kN Tragfähigkeit nutzen.
- Bei tiefem Anschlagpunkt Freigabe des Herstellers (Faktor 2) prüfen.
Was bedeutet die Kantenprüfung nach EN 360-A?
Führt das Band bei einem Sturz über eine Kante, kann es reissen wie an einer Klinge. Deshalb prüft die Ergänzung EN 360-A (früher als RfU CNB/P/11.060 bekannt) das Gerät über einer definierten Stahlkante mit Radius r = 0,5 mm. Nur Geräte mit dieser Freigabe dürfen dort eingesetzt werden, wo das Band über eine scharfe Kante laufen kann.
- Kantengeprüfte Geräte tragen das Kürzel EN 360-A oder ein Kantensymbol.
- Der Kantenradius r = 0,5 mm entspricht einer typischen scharfen Trapezblech- oder Stahlträgerkante.
- Ohne A-Freigabe droht bei Kantenkontakt das Durchtrennen des Bandes.
- Ein zusätzlicher Kantenschutz oder Umlenkgeschirr erhöht die Sicherheit weiter.
Wann lohnt sich die Rückholfunktion?
Manche Höhensicherungsgeräte haben eine integrierte Rückholvorrichtung mit Kurbel (Bergegerät nach EN 1496). Nach einem Sturz oder bei Bewusstlosigkeit lässt sich die verunfallte Person damit ohne Fremdrettung hochkurbeln oder ablassen. Das ist bei Arbeiten in Behältern, Schächten und Silos oft vorgeschrieben.
- Rückholgeräte kombinieren Absturzsicherung (EN 360) und Rettungshub (EN 1496).
- Pflicht bzw. dringend empfohlen bei Einstieg in enge Räume, Schächte und Silos.
- Rettungsplan vor Arbeitsbeginn festlegen - jede Minute im Gurt zählt.
- Gerät jährlich durch eine sachkundige Person prüfen lassen und Prüfbuch führen.
Gurt, Verbindungsmittel und Anschlagpunkt als System verstehen.
Zum RatgeberHäufige Fragen
Wann ist ein Höhensicherungsgerät besser als ein Falldämpfer?
Immer dann, wenn unter dem Arbeitsplatz wenig freier Raum ist. Ein Falldämpfer braucht bis zu 6 m Sturzstrecke, ein HSG blockiert nach wenigen Dezimetern und hält den Sturz kurz.
Darf ich jedes HSG horizontal an einer Dachkante nutzen?
Nein. Nur Geräte mit Freigabe nach EN 360-A sind über scharfe Kanten geprüft. Ohne den Zusatz A oder das Kantensymbol darf der Anschlagpunkt nur über dem Kopf liegen.
Wie hoch darf der Fangstoss sein?
Nach EN 360 darf die auf den Körper wirkende Kraft 6 kN nicht überschreiten. Das begrenzt das Verletzungsrisiko bei einem Sturz deutlich.
Wie oft muss ein Höhensicherungsgerät geprüft werden?
Mindestens einmal jährlich durch eine sachkundige Person, bei starker Beanspruchung häufiger. Nach jedem Auffangvorgang ist das Gerät sofort auszusondern und zu prüfen.
Passendes Höhensicherungsgerät gesucht?
Wir liefern Höhensicherungsgeräte nach EN 360 - kompakt oder kantengeprüft, auf Wunsch mit Rückholfunktion und passendem Auffanggurt.
Normgeprüft
Alle Geräte erfüllen EN 360, kantengeprüfte zusätzlich EN 360-A.
Kurze Sturzstrecke
Automatische Blockierung hält den Fangstoss unter 6 kN.
Dokumentiert geprüft
Jährliche Sachkundigenprüfung mit Prüfbuch.
Fachberatung
Spezialisten helfen bei Bandlänge, Kante und Rettung.