Hydraulikoel-Analyse - was verraten die Kennwerte?
Eine Oelprobe zeigt lange vor dem Schaden, wie es der Anlage geht. Dieser Ratgeber erklaert die vier zentralen Kennwerte Partikel, Wassergehalt, Viskositaet und Additive und wie Sie daraus Wechselintervalle und Verschleisstrends für die Instandhaltung ableiten.
Zur Pneumatik & HydraulikWelche Kennwerte liefert eine Oelprobe?
Eine Laboranalyse liefert vier Kernwerte: die Partikelzahl als Reinheitscode nach ISO 4406, den Wassergehalt in ppm, die Viskositaet bei 40 °C nach ISO 3448 und den Zustand der Additive. Zusammen ergeben sie ein Zustandsbild der Flüssigkeit und indirekt der Anlage.
Die Reinheitsklasse nach ISO 4406 besteht aus drei Zahlen für Partikel grösser 4 µm, 6 µm und 14 µm je Milliliter, zum Beispiel 18/16/13. Jede Stufe höher bedeutet ungefähr die doppelte Partikelmenge, daher ist eine Verschlechterung von 20/18/15 auf 22/20/17 bereits ein deutliches Warnsignal.
Wie deutet man Wasser, Viskositaet und Additive?
Wasser ist der stille Schaedling: Schon 200 bis 300 ppm freies Wasser foerdern Korrosion und beschleunigen die Oeloxidation. Mineraloele sollten deutlich unter 200 ppm liegen, empfindliche Servohydraulik oft unter 100 ppm.
- Viskositaet mehr als ± 10 % vom Sollwert (z. B. ISO VG 46 = 46 mm²/s bei 40 °C): Alterung, Überhitzung oder Vermischung mit falschem Oel.
- Sinkende Zink-, Phosphor- und Calciumwerte: Verschleissschutz- und Detergent-Additive sind verbraucht, das Oel altert.
- Steigendes Eisen (Fe) und Chrom (Cr): Verschleiss an Pumpen, Zylindern und Lagern.
- Silizium (Si) hoch bei gleichzeitig hohem Partikelwert: Staub-Eintrag von aussen, Belueftungsfilter prüfen.
- Kupfer (Cu) steigend: Verschleiss an Gleitlagern oder Kuehlerrohren.
Wechselintervall oder Verschleisstrend?
Der grosse Vorteil der Oelanalyse ist der Wechsel vom starren Zeitintervall zur zustandsorientierten Instandhaltung. Statt das Oel pauschal nach 2000 Betriebsstunden zu tauschen, entscheidet der reale Zustand - das spart Oel und verhindert gleichzeitig Ausfaelle.
Entscheidend ist der Trend über mehrere Proben. Ein einzelner Ausreisser kann eine schlechte Probenahme sein; drei aufeinanderfolgende Proben mit steigendem Eisenwert dagegen zeigen einen echten Verschleisstrend, dem man vor dem Ausfall nachgehen kann.
Häufige Fragen
Wie oft sollte man eine Oelprobe ziehen?
Für aussagekraeftige Trends genuegen bei normaler Industriehydraulik meist alle 500 bis 1000 Betriebsstunden oder halbjaehrlich. Kritische oder hoch belastete Anlagen werden häufiger beprobt.
Was bedeutet der ISO-4406-Code 18/16/13?
Die drei Zahlen stehen für die Anzahl Partikel grösser 4, 6 und 14 µm pro Milliliter, ausgedrueckt in Klassen. Jede Klasse höher bedeutet etwa doppelt so viele Partikel.
Ab wann ist Wasser im Hydraulikoel gefährlich?
Freies Wasser ist immer kritisch. Mineraloele sollten unter 200 ppm bleiben, empfindliche Servosysteme oft unter 100 ppm, da Wasser Korrosion und Oxidation foerdert.
Kann man den Oelwechsel durch Analyse hinauszoegern?
Ja, das ist der Kern der zustandsorientierten Instandhaltung. Solange Reinheit, Viskositaet und Additive im Zielbereich liegen, bleibt das Oel nutzbar - oft deutlich laenger als das Zeitintervall.
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Normbasiert
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