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IEC 61439

Kammschiene oder Sammelschiene - was zur Einspeisung wählen?

Kammschienen und Sammelschienensysteme verteilen die Einspeisung auf Reiheneinbaugeräte im Schaltschrank. Dieser Ratgeber erklärt, wann die kompakte Kammschiene reicht und wann ein leistungsfähiges Sammelschienensystem sinnvoll ist - inklusive Strombelastbarkeit, Polzahl und Fingersicherheit nach IEC 61439.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
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63-125 A
typischer Kammschienen-Bereich
bis 1600 A
Sammelschienensysteme
1-4 polig
Kammschienen-Ausführungen
IEC 61439
geprüfte Norm
Inhalt
  1. Grundlagen und Aufbau
  2. Auswahlkriterien
  3. Sicherheit und Montage
  4. Häufige Fragen

Was unterscheidet Kammschiene und Sammelschiene?

Eine Kammschiene ist eine vorgefertigte Verbindungsschiene, die mehrere nebeneinander liegende Reiheneinbaugeräte auf der Hutschiene parallel einspeist. Sie sieht aus wie ein Kamm: ein durchgehender Kupferleiter mit regelmässigen Abgriffen im 18 mm Teilungsraster. Ein Sammelschienensystem dagegen ist ein waagerecht im Schrank verlegtes Schienenpaket, von dem einzelne Abgänge über Adapter abgezweigt werden.

Die Kammschiene ersetzt lose Einzeldrahtbrücken zwischen Sicherungsautomaten oder Fehlerstromschutzschaltern. Das spart Verdrahtungszeit, reduziert Fehlerquellen und sorgt für ein sauberes, reproduzierbares Verteilerbild. Das Sammelschienensystem ist die übergeordnete Verteilebene für höhere Ströme und viele Abgänge.

Merksatz: Die Kammschiene verbindet Geräte innerhalb einer Reihe, das Sammelschienensystem speist mehrere Reihen oder Felder zentral ein. Beide lassen sich kombinieren - das Sammelschienensystem versorgt die Reihen, die Kammschiene verteilt innerhalb der Reihe.
  • Teilungsraster 18 mm: passend zu Standard-Reiheneinbaugeräten (1 TE = 17,5 mm).
  • Ausführungen 1-, 2-, 3- und 4-polig für ein-, zwei- und dreiphasige Verteilung.
  • Phasenschienen für Drehstrom mit versetzten Zinken (L1-L2-L3 im Wechsel).
  • Sammelschienen meist aus Elektrolytkupfer, 5, 10 oder 12 mm Materialstärke.

Wann Kammschiene, wann Sammelschienensystem?

Die Entscheidung hängt vor allem am Bemessungsstrom und an der Zahl der Abgänge. Kammschienen decken den Bereich der klassischen Wohn- und Zweckbauverteilung ab, Sammelschienensysteme beginnen dort, wo Ströme und Selektivitätsanforderungen steigen.

Als Faustregel gilt: Bis etwa 125 A und einer überschaubaren Zahl gleichartiger Abgänge ist die Kammschiene die schnellste und kostengünstigste Lösung. Sobald mehrere Verteilfelder, hohe Kurzschlussfestigkeit oder flexible, im Betrieb änderbare Abgänge gefordert sind, spielt das Sammelschienensystem seine Stärken aus.

  • Kammschiene wählen: viele gleiche Automaten in einer Reihe, Strom bis rund 125 A, feste Konfiguration.
  • Sammelschiene wählen: hohe Gesamtströme, viele Felder, geforderte Kurzschlussfestigkeit Icw.
  • Immer den Bemessungsstrom der Schiene über der Summenlast bzw. dem vorgelagerten Schutz wählen.
  • Auf zulässige Anzahl abgesicherter Abgänge und Reduktionsfaktoren bei Häufung achten.
Wichtig: Der Bemessungsstrom einer Kammschiene bezieht sich auf den Einspeisepunkt. Bei einseitiger Einspeisung addieren sich die Ströme aller Abgänge - die Schiene muss die Summe tragen können.

Worauf bei Sicherheit und Montage achten?

Berührungsschutz ist Pflicht. Kammschienen werden mit einer isolierenden Abdeckung geliefert und müssen nach dem Ablängen an der Schnittstelle mit einer Endkappe fingersicher verschlossen werden. Der Berührungsschutz nach IP2X (fingersicher) und die Angaben zur Kurzschlussfestigkeit sind einzuhalten.

Schienen nur mit isoliertem Werkzeug ablängen, Grate entfernen und Schraubklemmen mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen. Lose Klemmen sind die häufigste Ursache für Erwärmung und Ausfälle.
  • Kammschiene passend zur Klemmenbreite und zum Anschlusstyp der Geräte wählen (Stift- oder Gabelabgriff).
  • Nach dem Kürzen offene Enden mit Endkappe isolieren, ungenutzte Zinken abdecken.
  • Kurzschlussfestigkeit der Schiene mit dem vorgelagerten Schutzorgan abstimmen.
  • Herstellerfreigabe für die Kombination Schiene / Gerät beachten (gebaute Kombination nach IEC 61439).
Schaltschrankaufbau

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Reiheneinbaugeräte

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Häufige Fragen

Was bedeutet das 18 mm Teilungsraster bei Kammschienen?

Reiheneinbaugeräte haben eine Teilungseinheit von 17,5 mm. Kammschienen sind auf dieses Raster von etwa 18 mm ausgelegt, sodass die Abgriffe genau auf die Klemmen benachbarter Geräte treffen.

Wie hoch darf der Strom über eine Kammschiene sein?

Handelsübliche Kammschienen sind meist für 63 bis 125 A ausgelegt. Massgeblich ist der Bemessungsstrom am Einspeisepunkt, denn bei einseitiger Einspeisung trägt die Schiene die Summe aller Abgangsströme.

Wann lohnt sich ein Sammelschienensystem?

Sobald hohe Gesamtströme über 125 A, mehrere Verteilfelder oder eine geforderte Kurzschlussfestigkeit ins Spiel kommen. Das System erlaubt zudem flexible, im Betrieb änderbare Abgänge über Adapter.

Muss die Kammschiene nach dem Kürzen isoliert werden?

Ja. Nach dem Ablängen ist die Schnittstelle mit einer Endkappe fingersicher (IP2X) zu verschliessen und ungenutzte Zinken sind abzudecken.

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