Schütz nach AC-1 oder AC-3 richtig dimensionieren?
Ob ein Schütz einen Motor schaltet oder nur eine ohmsche Last, entscheidet über seine Baugrösse. Dieser Ratgeber erklärt die Gebrauchskategorien AC-1 und AC-3 nach IEC 60947-4-1, wie Sie Bemessungsstrom und Motorleistung zuordnen und worauf Sie bei der Auslegung achten müssen.
Schütze ansehenWas bedeuten die Gebrauchskategorien AC-1 und AC-3?
Die Gebrauchskategorie nach IEC 60947‑4‑1 beschreibt, unter welchen Bedingungen die Hauptkontakte eines Schützes einschalten und trennen. Sie legt fest, welchen Strom die Kontakte beim Schalten sicher beherrschen, und ist damit die Grundlage jeder Dimensionierung.
AC-1 gilt für rein ohmsche oder schwach induktive Lasten mit einem Leistungsfaktor cos φ ≥ 0,95, etwa Heizungen, Glühlampen oder Widerstandsöfen. Hier fliesst kaum ein Einschaltstrom, sodass der Bemessungsstrom Ie voll genutzt werden kann.
AC-3 gilt für Käfigläufer-Motoren, die im Betrieb abgeschaltet werden. Beim Einschalten zieht der Motor das 5- bis 7-fache seines Bemessungsstroms als Anlaufstrom, beim Abschalten liegt fast die volle Spannung an den öffnenden Kontakten an. Das belastet die Kontakte deutlich stärker.
Wie ordnen Sie Motorleistung und Bemessungsstrom zu?
Ein Schütz trägt zwei Angaben: den thermischen Bemessungsstrom für AC-1 und einen niedrigeren AC-3-Strom mit zugehöriger Motorleistung in kW. Bei induktiver Last sinkt die zulässige Belastung, weil der Lichtbogen beim Öffnen schwerer verlischt.
Dasselbe Schütz kann in AC-1 einen deutlich höheren Strom führen. Ein Typ mit 9 A AC-3 verträgt in AC-1 oft 20 A oder mehr, weil ohmsche Lasten die Kontakte kaum beanspruchen. Verwenden Sie für Heizungen daher den AC-1-Wert, für Motoren zwingend den AC-3-Wert.
Worauf kommt es bei Auswahl und Zubehör an?
Neben Kategorie und Strom bestimmen Steuerspannung, Hilfskontakte und Umgebung die Wahl. Achten Sie auf die Spulenspannung (z. B. 24 V DC oder 230 V AC) und auf die Gebrauchsdauer, die die elektrische Lebensdauer in Schaltspielen angibt.
- Steuerspannung der Spule passend zur Steuerung wählen, meist 24 V DC oder 230 V AC.
- Hilfskontakte (Öffner/Schliesser) für Verriegelung, Meldung und Selbsthaltung ergänzen.
- Überlastrelais oder Motorschutzschalter thermisch auf den Motornennstrom einstellen.
- Bei hoher Schalthäufigkeit eine Baugrösse grösser wählen, um die Lebensdauer zu erhöhen.
- Umgebungstemperatur über 40 °C mindert den zulässigen Strom, Derating beachten.
Häufige Fragen
Worin unterscheiden sich AC-1 und AC-3?
AC-1 gilt für ohmsche Lasten mit cos φ ≥ 0,95, bei denen kaum Einschaltstrom fliesst. AC-3 gilt für Motoren mit hohem Anlaufstrom und belastet die Kontakte stärker, deshalb ist der zulässige Strom niedriger.
Warum steht auf dem Schütz eine kW-Angabe?
Die kW-Angabe bezieht sich auf AC-3 und einen Standard-Käfigläufer bei 400 V. Sie erleichtert die Zuordnung, ersetzt aber nicht die Prüfung des tatsächlichen Motornennstroms.
Kann ich ein AC-3-Schütz für eine Heizung nutzen?
Ja, für ohmsche Lasten gilt der höhere AC-1-Strom desselben Schützes. Prüfen Sie den AC-1-Wert im Datenblatt, er liegt meist deutlich über dem AC-3-Wert.
Wie berücksichtige ich hohe Schalthäufigkeit?
Häufiges Schalten verkürzt die Kontaktlebensdauer. Wählen Sie eine Baugrösse grösser oder ein Schütz mit höherer Bemessungsschaltspielzahl, um Reserve zu schaffen.
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