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IPC-7525

Lötbrücken bei Fine-Pitch vermeiden - wie gelingt das?

Lötbrücken entstehen, wenn zu viel Paste zwischen eng stehende Pins gedruckt wird oder das Reflowprofil kollabiert. Dieser Ratgeber zeigt, wie Schablonenlayout, Pastenvolumen und Lötprofil Brücken verhindern und wie Sie bestehende Brücken sicher nacharbeiten.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Löttechnik-Spezialisten
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0,3-0,4 mm
Fine-Pitch Rastermaß
0,6-0,8
Flächenverhältnis Schablone
245-250 °C
Peak SAC305
20-30 µm
Pastendepot fine-pitch
Inhalt
  1. Ursachen verstehen
  2. Schablone und Paste
  3. Reflow-Profil
  4. Brücken nacharbeiten
  5. Häufige Fragen

Warum entstehen Lötbrücken zwischen Fine-Pitch-Pins?

Eine Lötbrücke ist eine ungewollte leitende Verbindung zwischen zwei benachbarten Pads. Bei Fine-Pitch-Bauteilen mit einem Rastermaß von 0,3 bis 0,5 mm liegen die Pins so eng, dass schon ein kleines Zuviel an Paste oder ein leicht verrutschtes Depot die Zwischenräume überbrückt.

Die häufigsten Auslöser sind ein falsch dimensioniertes Schablonenöffnung, zu viel Pastenvolumen, ein verschmierter Druck durch schlechte Trennung sowie ein zu heisses oder zu schnelles Reflowprofil, bei dem die Paste kollabiert und zusammenläuft.

Rund 70 % aller Fine-Pitch-Brücken werden im Pastendruck verursacht, nicht im Reflow. Wer den Druckprozess beherrscht, verhindert die meisten Fehler bevor die Baugruppe in den Ofen geht.
  • Zu grosse Schablonenöffnungen im Verhältnis zum Pad.
  • Verschmierter Druck durch verschmutzte Schablonenunterseite.
  • Bauteilversatz durch ungenaue Bestückung (Placement).
  • Reflowprofil mit zu langer oder zu heisser Peakzone.
  • Oxidierte Pads oder zu aggressives Flussmittel.

Wie verhindern Schablone und Pastenvolumen Brücken?

Der Schlüssel liegt im Flächenverhältnis (Area Ratio) der Schablonenöffnung. Nach IPC-7525 sollte es über 0,66 liegen, damit sich die Paste sauber aus der Öffnung löst. Für Fine-Pitch reduziert man das Depotvolumen gezielt, statt einfach mehr Paste zu drucken.

Eine lasergeschnittene, elektropolierte Edelstahlschablone und regelmässiges Unterseiten-Wischen (Understencil Cleaning) alle 5 bis 10 Drucke halten das Pastendepot präzise und verhindern Verschmierungen.
  • Schablonendicke reduzieren, um das Volumen zu begrenzen.
  • Öffnungen leicht verkleinern und Ecken abrunden (weniger Überschuss).
  • Feineres Pastenkorn (Typ 4/5) für Pitch unter 0,4 mm einsetzen.
  • Understencil-Reinigung mit fusselfreiem ESD-gerechtem Material.
  • Rakeldruck und -geschwindigkeit sauber einstellen, nicht überdrücken.
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Welches Lötprofil hält die Paste in Form?

Auch ein perfekter Druck bringt Brücken, wenn das Reflowprofil kippt. Für bleifreies SAC305 liegt die Peaktemperatur bei 245 bis 250 °C, die Zeit über Liquidus (TAL) bei 45 bis 90 Sekunden. Ein sanfter Anstieg von 1 bis 3 K pro Sekunde verhindert, dass die Paste heftig ausgast und zusammenläuft.

Die Vorheizzone (Soak) aktiviert das Flussmittel und gleicht Temperaturen aus. Ist sie zu kurz oder zu heiss, verliert das Flussmittel früh seine Wirkung, die Benetzung wird schlecht und Zinn läuft unkontrolliert zwischen die Pins.

Profil immer mit einem verkabelten Profiler direkt an der Baugruppe messen, nicht nur die Ofen-Sollwerte vertrauen. ΔT über die Leiterplatte sollte unter 5 K bleiben.

Wie arbeitet man bestehende Lötbrücken sicher nach?

Eine erkannte Brücke lässt sich zuverlässig entfernen. Zuerst frisches Flussmittel auf die Stelle geben, denn ohne aktives Flussmittel benetzt das Zinn nicht und die Brücke bleibt hängen. Dann mit Entlötlitze oder einer sauberen, verzinnten Lötspitze das überschüssige Zinn abziehen.

  • Flux-Pen oder No-Clean-Flussmittel gezielt auftragen.
  • Entlötlitze (2 mm) flach auflegen und mit 320‑350 °C aufheizen.
  • Litze in Zugrichtung von den Pins wegziehen, nicht hin und her.
  • Alternativ Drag-Soldering mit Hohlkehlenspitze und wenig Zinn.
  • Rückstände mit ESD-gerechtem Reiniger entfernen und prüfen.
Spitzentemperatur so niedrig wie möglich halten (320‑350 °C) und Kontaktzeit kurz, um Pads und Lötstopplack nicht zu beschädigen. Nach der Nacharbeit die Verbindung unter dem Mikroskop auf saubere Menisken prüfen.
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Häufige Fragen

Ab welchem Pitch spricht man von Fine-Pitch?

Als Fine-Pitch gilt üblicherweise ein Rastermaß von 0,5 mm und feiner. Ab etwa 0,4 mm steigt das Brückenrisiko deutlich und erfordert dünnere Schablonen und feineres Pastenkorn.

Welches Flussmittel hilft gegen Lötbrücken?

Ein aktives No-Clean-Flussmittel verbessert die Benetzung und lässt Zinn zu den Pads zurückfliessen. Bei der Nacharbeit ist frisches Flussmittel der wichtigste Schritt, damit sich die Brücke sauber lösen lässt.

Warum entstehen Brücken erst nach dem Reflow?

Meist liegt die Ursache trotzdem im Druck: zu viel Paste oder ein verrutschtes Depot. Ein zu heisses oder zu schnelles Profil lässt die überschüssige Paste dann zwischen den Pins zusammenlaufen.

Reicht eine dünnere Schablone allein?

Eine dünnere Schablone reduziert das Volumen, muss aber mit dem Flächenverhältnis über 0,66 abgestimmt sein. Sonst löst sich die Paste schlecht und es entstehen andere Fehler wie unvollständige Depots.

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