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DIN EN 60898-1

Bemessungsstrom und Selektivität von LS-Schaltern abstimmen

Wenn ein Fehler nur den betroffenen Stromkreis abschaltet und nicht die halbe Verteilung, ist die Selektivität richtig geplant. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie Bemessungsstrom, Auslösecharakteristik und Abschaltvermögen mehrerer Leitungsschutzschalter nach DIN EN 60898-1 aufeinander abstimmen.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
Leitungsschutzschalter ansehen
B/C/D
Auslösecharakteristiken
1,6:1
Faustregel Stromstaffelung
6-10 kA
typisches Abschaltvermögen Icn
60898-1
geprüfte Norm
Inhalt
  1. Grundlagen
  2. Charakteristik B/C/D
  3. Staffelung und Selektivität
  4. Häufige Fragen

Was bedeuten Bemessungsstrom und Selektivität?

Der Bemessungsstrom In ist der Dauerstrom, den ein Leitungsschutzschalter führen kann, ohne auszulösen. Er wird auf den Leiterquerschnitt und die zulässige Belastbarkeit abgestimmt, nicht auf die Last allein. Selektivität bedeutet, dass bei einem Fehler nur der nächstgelegene Schutzschalter vor der Fehlerstelle auslöst und der übergeordnete Schalter eingeschaltet bleibt.

In einer gestaffelten Verteilung sitzen mehrere Schutzorgane in Reihe: der Hauptschalter oder die Vorsicherung, darunter Gruppen- oder Unterverteiler und ganz unten der Endstromkreis. Ohne abgestimmte Staffelung würde ein Kurzschluss in einer Steckdose unter Umständen den gesamten Verteiler abschalten.

Selektivität wird in zwei Ebenen betrachtet: im Überlastbereich über gestaffelte Bemessungsströme und im Kurzschlussbereich über Strom- oder Zeitselektivität. Beides muss stimmen, damit die Anlage im Fehlerfall selektiv reagiert.
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Welche Auslösecharakteristik passt zur Last?

Die Auslösecharakteristik beschreibt, bei welchem Vielfachen des Bemessungsstroms die magnetische Schnellauslösung anspricht. Nach DIN EN 60898‑1 sind B, C und D die üblichen Typen. Die richtige Wahl verhindert einerseits Fehlauslösungen beim Einschalten und stellt andererseits die schnelle Abschaltung im Kurzschluss sicher.

  • Typ B: geringste Einschaltreserve, schaltet früh ab - ideal für ohmsche Lasten und Personenschutz mit langen Leitungen.
  • Typ C: Standard für gemischte Lasten mit moderaten Einschaltströmen.
  • Typ D: für Verbraucher mit hohen kurzzeitigen Anlaufströmen, damit der Schalter nicht unnötig auslöst.
  • Immer prüfen, ob die Abschaltbedingung nach DIN VDE 0100‑410 am Leitungsende noch erfüllt ist.
Je höher die Charakteristik (D statt B), desto größer muss der Kurzschlussstrom am Leitungsende sein, damit die magnetische Auslösung im geforderten Zeitfenster anspricht. Bei langen Leitungen kann das die Wahl auf B oder C zwingen.

Wie staffelt man Bemessungsströme selektiv?

Im Überlastbereich gilt als Faustregel ein Stufensprung von etwa 1,6:1 zwischen übergeordnetem und untergeordnetem Bemessungsstrom - also zum Beispiel 63 A über 40 A oder 40 A über 25 A. So bleibt der vorgelagerte Schalter thermisch stabil, während der nachgelagerte zuerst reagiert.

Im Kurzschlussbereich reicht die Bemessungsstromstaffelung allein oft nicht aus. Hier arbeitet man mit Stromselektivität (der vorgelagerte Schalter erreicht seine magnetische Ansprechschwelle beim auftretenden Fehlerstrom nicht) oder mit Zeitselektivität über selektive Hauptleitungsschutzschalter (SHU) beziehungsweise Leistungsschalter mit einstellbarer Kurzzeitverzögerung.

Die tatsächliche Selektivitätsgrenze steht in den Selektivitätstabellen der Hersteller. Sie geben für jede Schalterpaarung den maximalen Fehlerstrom an, bis zu dem Selektivität gewährleistet ist - eine reine Faustregel ersetzt diese Tabellen nicht.
  • Abschaltvermögen Icn des vorgelagerten Schalters muss den maximalen Kurzschlussstrom am Einbauort abdecken (typisch 6 kA im Wohnbau, 10 kA und mehr im Gewerbe).
  • Untergeordnete Schalter dürfen ihre Backup-Schutzgrenze durch die Vorsicherung nicht überschreiten.
  • Selektivität immer paarweise gegen die Herstellertabelle prüfen, nicht pauschal annehmen.

Häufige Fragen

Wonach richtet sich der Bemessungsstrom eines LS-Schalters?

Nach der Strombelastbarkeit der geschützten Leitung und ihrer Verlegeart, nicht allein nach der Last. Der Bemessungsstrom muss unter der zulässigen Dauerbelastbarkeit des Leiterquerschnitts liegen.

Reicht eine Staffelung der Bemessungsströme für Selektivität aus?

Nur im Überlastbereich. Für den Kurzschlussbereich braucht es zusätzlich Strom- oder Zeitselektivität, die man über die Herstellertabellen und die Auslösecharakteristik nachweist.

Was bedeutet die Faustregel 1,6:1?

Zwischen vor- und nachgelagertem Bemessungsstrom sollte etwa ein Faktor 1,6 liegen, damit der übergeordnete Schalter im Überlastfall nicht vor dem untergeordneten auslöst.

Was ist der Unterschied zwischen Charakteristik B, C und D?

Sie legen fest, bei welchem Vielfachen des Bemessungsstroms die magnetische Schnellauslösung anspricht: B bei 3‑5x, C bei 5‑10x, D bei 10‑20x. D ist für hohe Anlaufströme gedacht.

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