Leitungsschutzschalter B, C oder D - welche Kennlinie?
Die Kennlinie eines Leitungsschutzschalters legt fest, ab welchem Kurzschlussstrom die magnetische Schnellauslösung anspricht. Dieser Ratgeber erklärt die Charakteristiken B, C und D nach DIN EN 60898-1, ordnet sie typischen Lastarten zu und zeigt, wie der Einschaltstrom die Auswahl bestimmt.
Leitungsschutzschalter ansehenWas bedeutet die Kennlinie beim Leitungsschutzschalter?
Ein Leitungsschutzschalter (LS-Schalter, engl. MCB) hat zwei Auslöser: einen thermischen Bimetall-Auslöser gegen dauerhafte Überlast und einen magnetischen Auslöser gegen Kurzschluss. Die Kennlinie beschreibt allein das Verhalten des magnetischen Schnellauslösers, also ab welchem Vielfachen des Nennstroms In der Schalter praktisch verzögerungsfrei abschaltet.
Der thermische Auslöser arbeitet bei B, C und D identisch und schützt die Leitung vor Erwärmung. Unterschiede gibt es nur im magnetischen Bereich: Typ B löst früh aus, Typ D spät. Damit lässt sich der Schalter an den zu erwartenden Einschaltstrom der Last anpassen, ohne dass er bei jedem Einschalten unnötig fällt.
Welche Kennlinie passt zu welcher Last?
Entscheidend ist der Einschaltstrom der Last. Ohmsche Verbraucher wie Heizungen oder Glühlampen ziehen kaum mehr als ihren Nennstrom, hier genügt Typ B. Induktive und kapazitive Lasten erzeugen dagegen kurze Stromspitzen, die ein B-Automat als Kurzschluss missdeuten würde.
- Typ B: Steckdosenkreise, Beleuchtung, Wohn- und Bürobereiche, allgemeine Verbraucher.
- Typ C: Motoren, Pumpen, Transformatoren, LED- und Leuchtstoffanlagen mit Vorschaltgerät.
- Typ D: Grosstransformatoren, Schweissgeräte, Röntgenanlagen, USV mit sehr hohem Anlaufstrom.
- Motoranlaufstrom liegt oft beim 5- bis 8-fachen des Nennstroms - Typ C fängt das ab.
- Kondensatoren und Schaltnetzteile erzeugen sehr kurze, hohe Ladestromspitzen.
Warum ist die Abschaltbedingung so wichtig?
Damit der LS-Schalter im Fehlerfall schnell genug abschaltet, muss der Kurzschlussstrom am Ende der Leitung mindestens den magnetischen Auslösewert erreichen. Nach DIN VDE 0100‑410 gilt für Endstromkreise eine Abschaltzeit von 0,4 s. Bei langen Leitungen oder hohem Leitungswiderstand kann ein D-Automat diese Bedingung verfehlen.
Deshalb prüft man bei der Auswahl den zu erwartenden Kurzschlussstrom (Schleifenimpedanz). Ein B16 löst magnetisch bereits ab etwa 80 A aus, ein D16 erst ab rund 160 bis 320 A. Reicht der Kurzschlussstrom nicht, muss die Leitung kürzer, der Querschnitt grösser oder die Kennlinie niedriger gewählt werden.
Häufige Fragen
Wofür stehen die Buchstaben B, C und D?
Sie bezeichnen die Auslösecharakteristik, also den Strombereich, in dem der magnetische Schnellauslöser anspricht: B bei 3‑5x In, C bei 5‑10x In, D bei 10‑20x In. Der Nennstrom ist davon unabhängig.
Welchen LS-Schalter nehme ich für einen Motor?
In der Regel Typ C, weil der Anlaufstrom eines Motors das 5- bis 8-fache des Nennstroms erreichen kann. Ein B-Automat würde beim Einschalten unnötig auslösen. Bei sehr hohem Anlaufstrom kann Typ D nötig sein.
Ist Typ D immer die sichere Wahl?
Nein. Typ D braucht einen hohen Kurzschlussstrom zum schnellen Abschalten und verschlechtert bei langen Leitungen den Personenschutz. Man wählt die niedrigste Kennlinie, die die Last verträgt.
Darf ich B durch C ersetzen, wenn der Schalter oft fällt?
Nur nach Prüfung. Ein häufiges Auslösen kann echte Überlast anzeigen. Ein Wechsel auf C ist zulässig, wenn Leitungsquerschnitt, Kurzschlussstrom und Abschaltbedingung nach DIN VDE 0100‑410 weiter eingehalten werden.
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