Zurück
ISO 3601

O-Ring-Werkstoff wählen - NBR, FKM, EPDM oder Silikon?

Der O-Ring-Werkstoff entscheidet, ob eine Dichtung dem Medium, der Temperatur und dem Druck standhält. Dieser Ratgeber vergleicht NBR, FKM, EPDM und Silikon anhand konkreter Grenzwerte und zeigt, wie Sie Schnurstärke, Verpressung und Nutgeometrie richtig festlegen.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
Dichtungen ansehen
-30 bis +100 °C
NBR Einsatzbereich
-20 bis +200 °C
FKM Einsatzbereich
15-30 %
typische Verpressung
ISO 3601
Massnorm O-Ringe
Inhalt
  1. Werkstoffe im Vergleich
  2. Temperatur und Druck
  3. Nut und Verpressung
  4. Häufige Fragen

Welcher Werkstoff passt zu welchem Medium?

Der Werkstoff muss zum Medium passen, sonst quillt, verhärtet oder zersetzt sich der O-Ring. NBR (Nitrilkautschuk) ist der Standard für Mineralöle, Fette und Hydraulikflüssigkeiten. FKM (Fluorkautschuk, oft als Viton bekannt) deckt Kraftstoffe, Säuren und hohe Temperaturen ab.

EPDM ist die erste Wahl für Wasser, Wasserdampf, Bremsflüssigkeit und viele Chemikalien, verträgt aber keine Mineralöle. Silikon (VMQ) glänzt bei extremen Temperaturen und in der Lebensmittel- und Medizintechnik, ist mechanisch aber wenig belastbar.

Faustregel: EPDM und Mineralöl vertragen sich nicht - der Ring quillt stark auf. Für Öl immer NBR oder FKM wählen.

Wie wirken Temperatur und Druck auf die Dichtung?

Temperatur bestimmt Elastizität und Druckverformungsrest. Bei zu hoher Dauertemperatur verhärtet der Werkstoff und der O-Ring verliert seine Rückstellkraft, bei Kälte wird er spröde und undicht. Halten Sie deshalb den unteren wie oberen Grenzwert des Werkstoffs ein.

Steigender Druck presst den O-Ring gegen die Nutflanke. Ab etwa 10 MPa (100 bar) und grossen Spaltmassen droht Spaltextrusion, bei der Material in den Dichtspalt gedrückt wird. Ein Stützring (Back-up-Ring) oder eine höhere Shore-Härte verhindert das.

  • Shore-A-Härte 70 ist Standard; 90 Shore A für hohe Drücke und enge Spalte.
  • Druckverformungsrest (Compression Set) je niedriger, desto dauerhafter dichtet der Ring.
  • Bei Druck über 100 bar Stützring auf der druckabgewandten Seite einplanen.
  • Temperaturspitzen kurzzeitig sind zulässig, Dauerbetrieb zählt für die Auslegung.
Rechnen Sie bei dynamischen Anwendungen und Temperaturschwankungen einen Sicherheitsabstand von etwa 10 bis 20 °C zum Werkstoff-Grenzwert ein.

Wie legt man Schnurstärke und Nutgeometrie fest?

Die Nut muss den O-Ring definiert verpressen, ohne ihn zu überlasten. Üblich ist eine Verpressung von 15 bis 30 % der Schnurstärke bei statischer Abdichtung, bei dynamischen Anwendungen eher am unteren Rand, um Reibung und Verschleiss zu begrenzen.

Der Füllgrad der Nut sollte 75 bis 90 % nicht überschreiten, damit der Werkstoff bei Wärmedehnung und Quellung Platz hat. Massketten und Toleranzen richten sich nach ISO 3601, die Schnurstärken und Innendurchmesser normt.

Zu tiefe Nut = zu wenig Verpressung = Leckage. Zu flache Nut = Überpressung = Riss und hoher Druckverformungsrest. Beides vermeidet die normgerechte Auslegung.
Dichtstoffe & Kleber

Wenn kein O-Ring passt: flächige und flüssige Dichtungen im Überblick.

Zum Ratgeber

Häufige Fragen

Was bedeutet FKM oder Viton?

FKM ist die Werkstoffkurzbezeichnung für Fluorkautschuk, Viton ist ein Markenname dafür. FKM ist beständig gegen Kraftstoffe, viele Säuren und Temperaturen bis rund 200 °C.

Welcher O-Ring-Werkstoff für Trinkwasser?

EPDM ist Standard für Wasser und Dampf und in Trinkwasserqualität mit entsprechender Zulassung (z. B. KTW oder WRAS) erhältlich. Mineralölhaltige Medien vertragen EPDM dagegen nicht.

Wie viel Verpressung braucht ein O-Ring?

Statisch 18 bis 30 % der Schnurstärke, dynamisch eher 10 bis 18 %, um Reibung zu senken. Die Nut sollte zu höchstens rund 85 % gefüllt sein.

Wann ist ein Stützring nötig?

Ab etwa 10 MPa (100 bar) Betriebsdruck oder bei grossem Dichtspalt, um Spaltextrusion zu verhindern. Der Stützring liegt auf der druckabgewandten Seite.

Den passenden O-Ring gesucht?

Wir liefern O-Ringe in NBR, FKM, EPDM und Silikon nach ISO 3601 - inklusive Beratung zu Werkstoff, Härte und Nutgeometrie.

Normgerecht

Schnurstärken und Masse nach ISO 3601.

Medienbeständig

Werkstoff passend zu Öl, Wasser, Säure oder Dampf.

Temperaturfest

Von -60 bis +200 °C je nach Werkstoff.

Fachberatung

Spezialisten helfen bei Werkstoff und Auslegung.

Weitere Ratgeber