Schmierstoff und Dichtung - wie prüft man die Verträglichkeit?
Ein falsch gewähltes Öl oder Fett lässt Dichtungen quellen, schrumpfen oder verhärten und führt zu Leckage und Ausfall. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Schmierstoffe gegen NBR, FKM und EPDM prüfen, welche Volumenänderung nach ISO 1817 zulässig ist und wie ein Einlagerungstest abläuft.
Schmierstoffe ansehenWarum verträgt sich nicht jedes Öl mit jeder Dichtung?
Dichtungen bestehen aus Elastomeren, deren Molekülnetzwerk je nach Grundöl unterschiedlich reagiert. Ein unpassender Schmierstoff dringt in das Material ein, lässt es quellen oder entzieht ihm Weichmacher, sodass es schrumpft und verhärtet. Beide Effekte kosten die Dichtung ihre Vorspannung und führen zu Leckage.
Massgebend ist die Polarität. Unpolare Mineral- und PAO-Öle vertragen sich gut mit unpolarem NBR und FKM, greifen aber EPDM stark an. Polare Ester- und Glykolöle sind mit EPDM verträglich, lassen NBR jedoch aufquellen. Eine leichte Quellung von wenigen Prozent ist erwünscht, weil sie die Dichtung leicht anpresst - erst starke Volumenänderungen werden kritisch.
- Quellung: das Elastomer nimmt Öl auf, wird weich und verliert Festigkeit.
- Schrumpfung: das Öl löst Weichmacher heraus, die Dichtung verhärtet und reisst.
- Extraktion: gelöste Bestandteile verschmutzen den Schmierstoff und Kreislauf.
- Verhärtung durch Additive: EP- und Antioxidans-Zusätze können Elastomere angreifen.
Welcher Dichtwerkstoff passt zu welchem Schmierstoff?
NBR (Nitril), FKM (Fluorkautschuk) und EPDM decken die meisten Anwendungen ab. Die richtige Paarung hängt von Grundöl, Temperatur und Medium ab. Die folgende Übersicht zeigt die typische Eignung.
Wie läuft ein Verträglichkeitstest nach ISO 1817 ab?
Der Standardtest ist die Einlagerung von Elastomerproben im Schmierstoff nach ISO 1817. Genormte Probekörper werden für eine definierte Zeit bei erhöhter Temperatur gelagert, danach werden Volumen-, Masse- und Härteänderung gemessen. Typisch sind 168 Stunden bei 100 °C oder anwendungsnahe Bedingungen.
- Volumenänderung: meist -3 % bis +15 %, herstellerabhängig oft +/- 10 %.
- Härteänderung (Shore A): Richtwert innerhalb +/- 10 Punkten.
- Massänderung als Kontrollwert zur Volumenmessung.
- Zug- und Reissfestigkeit dürfen nicht deutlich abfallen.
- Sichtprüfung auf Risse, Blasen, klebrige Oberfläche und Verfärbung.
Häufige Fragen
Ist eine leichte Quellung der Dichtung schlecht?
Nein, eine kleine positive Volumenänderung von wenigen Prozent ist sogar erwünscht, weil sie die Dichtung leicht anpresst und Leckage verhindert. Kritisch wird es erst bei starker Quellung über etwa 15 Prozent oder bei Schrumpfung.
Kann ich NBR einfach durch FKM ersetzen?
FKM ist chemisch und thermisch beständiger, aber teurer und bei tiefen Temperaturen weniger flexibel. Prüfen Sie vor dem Wechsel die Einbaumasse und die Kältebeständigkeit, denn FKM wird unterhalb etwa -20 °C spröde.
Warum darf EPDM nicht mit Mineralöl in Kontakt kommen?
EPDM ist unpolar und nimmt unpolare Mineral- und PAO-Öle stark auf. Die Dichtung quillt massiv, verliert Form und Festigkeit und fällt aus. Für Mineralöl gehören NBR oder FKM, EPDM nur für Glykol, Wasser und Bremsflüssigkeit.
Reicht das Datenblatt oder brauche ich einen eigenen Test?
Für Standardpaarungen wie Mineralöl mit NBR genügt meist die Herstellerfreigabe. Bei Umstellung auf Bioöle, Sonderelastomere oder gealterte Bestandsdichtungen empfiehlt sich ein Einlagerungstest nach ISO 1817 mit Musterproben.
Unsicher bei der Schmierstoff-Auswahl?
Wir liefern Öle, Fette und Reinigungsmittel mit dokumentierter Elastomer-Verträglichkeit und beraten zur richtigen Paarung mit NBR, FKM und EPDM.
Geprüfte Verträglichkeit
Freigaben und Prüfwerte nach ISO 1817 dokumentiert.
Passende Paarung
Grundöl und Elastomer abgestimmt auf Ihre Anwendung.
Ausfall vermieden
Quellung und Schrumpfung sicher im Grenzbereich.
Fachberatung
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