Raumluftqualität messen: VOC und Feinstaub richtig bewerten
Schlechte Raumluft senkt Konzentration und Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie VOC- und Feinstaub-Kennwerte messen, sie an den Richtwerten von VDI 4300 und DIN EN 16798 einordnen und mit gezielten Gegenmaßnahmen die Luftqualität verbessern.
Messgeräte ansehenWelche Kennwerte beschreiben die Raumluftqualität?
Die Raumluftqualität wird über mehrere Kennwerte beschrieben: VOC (flüchtige organische Verbindungen, als Summenwert TVOC), Feinstaub (PM2.5 und PM10), CO₂ als Lüftungsindikator sowie Temperatur und relative Feuchte. Erst die Kombination ergibt ein belastbares Bild.
TVOC fasst Lösemittel, Ausdünstungen aus Möbeln, Reinigern und Baustoffen zusammen. Feinstaub entsteht durch Laserdrucker, Lötrauch, Verkehr von außen und Abrieb. CO₂ zeigt an, wie gut ein Raum belüftet ist, denn es steigt mit der Zahl der Personen.
Wie misst man VOC und Feinstaub korrekt?
Die Richtlinienreihe VDI 4300 beschreibt die Messstrategie für Innenraumluft: Messhöhe, Dauer, Raumnutzung und der Abstand zu Fenstern und Quellen müssen definiert sein. Für die Praxis am Arbeitsplatz haben sich dauerhaft installierte Sensoren bewährt, die kontinuierlich aufzeichnen.
- TVOC-Sensoren (MOX-Technik) liefern einen schnellen Trend, keine stoffgenaue Analyse.
- Feinstaub-Sensoren nach dem Streulichtprinzip erfassen PM2.5 und PM10 in µg/m³.
- CO₂-Sensoren mit NDIR-Technik sind driftarm und für die Lüftungssteuerung ideal.
- Messhöhe rund 1,1 bis 1,5 m im Atembereich, nicht direkt am Fenster.
- Referenzmessung nach VDI 4300 für rechtssichere Bewertungen.
Wie ordnet man Messwerte nach DIN EN 16798 ein?
Die DIN EN 16798‑1 definiert vier Raumluftqualitätsklassen (IDA 1 bis IDA 4) über den CO₂-Anstieg gegenüber der Außenluft. IDA 1 (hohe Qualität) liegt bei rund 550 ppm über Außenluft, IDA 2 bei etwa 800 ppm. Daraus leiten sich die nötigen Außenluftvolumenströme pro Person ab.
Für die Bewertung gilt: Ein einzelner Spitzenwert ist weniger aussagekräftig als der Tagesverlauf. Dokumentieren Sie deshalb Mittelwerte, Maxima und die Dauer von Überschreitungen. So erkennen Sie, ob eine Quelle dauerhaft aktiv ist oder nur kurz stört.
Welche Gegenmaßnahmen verbessern die Luft?
Die wirksamste Maßnahme ist die Quellenreduktion, gefolgt von gezielter Lüftung und Filterung. Erst wenn diese ausgeschöpft sind, ergänzen mobile Luftreiniger das Konzept.
- Quelle entfernen: emissionsarme Möbel und Reiniger, Laserdrucker aus dem Atembereich.
- Stoßlüften nach CO₂-Ampel oder mechanische Lüftung nach IDA-Klasse.
- Feinstaubfilter der Klasse ISO ePM1 (früher F7 bis F9) in der Zuluft.
- Aktivkohlefilter binden VOC und Gerüche in der Umluft.
- HEPA-Luftreiniger (H13/H14) für Feinstaub in belasteten Räumen.
- Lötrauch direkt an der Quelle absaugen statt raumweit verteilen.
So schützen Sie Mitarbeitende vor Lötrauch und Feinstaub am Arbeitsplatz.
Zum RatgeberHäufige Fragen
Was bedeutet TVOC und ab wann wird es kritisch?
TVOC ist der Summenwert flüchtiger organischer Verbindungen. Nach den UBA-Stufen gilt unter 300 µg/m³ als unbedenklich, ab 1000 µg/m³ sollte gelüftet werden und über 3000 µg/m³ ist der Wert hygienisch inakzeptabel.
Welcher Feinstaubwert ist am Arbeitsplatz akzeptabel?
Die WHO empfiehlt für PM2.5 ein Tagesmittel von höchstens 25 µg/m³ und für PM10 höchstens 45 µg/m³. Innenräume sollten diese Werte deutlich unterschreiten, da hier zusätzliche Quellen wie Drucker wirken.
Ist CO₂ ein Schadstoff oder nur ein Indikator?
CO₂ ist in üblichen Konzentrationen kein Schadstoff, sondern ein Indikator für die Lüftungsqualität. Steigt es über 1000 ppm, ist die Frischluftzufuhr zu gering und andere Belastungen reichern sich mit an.
Reicht ein günstiger VOC-Sensor zur Bewertung?
Für die laufende Überwachung und Trends reicht ein MOX-Sensor. Für eine rechtssichere Bewertung nach VDI 4300 ist eine stoffspezifische Laboranalyse nötig, da der Sensor nur einen Summenwert liefert.
Raumluftqualität im Blick behalten?
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