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DIN VDE 0100-410

RCD 30 mA oder 300 mA - wann welcher Fehlerstrom?

Der Bemessungsfehlerstrom IΔn entscheidet, wovor ein Fehlerstromschutzschalter schützt. Dieser Ratgeber erklärt, warum 30 mA dem Personenschutz und 300 mA dem Brandschutz dienen, welche Norm-Vorgaben gelten und wie Sie beide Werte richtig kombinieren.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
Fehlerstromschutzschalter ansehen
30 mA
Personenschutz IΔn
300 mA
Brandschutz IΔn
≤ 30 mA
ungefährlich für Herz
VDE 0100-410
geprüfte Norm
Inhalt
  1. Grundlagen IΔn
  2. 30 mA Personenschutz
  3. 300 mA Brandschutz
  4. Selektive Staffelung
  5. Häufige Fragen

Was bedeutet der Bemessungsfehlerstrom IΔn?

Der Bemessungsfehlerstrom IΔn ist der Fehlerstrom, bei dem ein RCD (Residual Current Device, früher FI-Schalter) sicher auslöst. Er ist auf dem Gerät angegeben und bestimmt den Schutzzweck: kleine Werte wie 30 mA schützen Menschen, grössere Werte wie 300 mA schützen vor Leitungsbränden.

Ein RCD misst laufend die Summe aller zu- und abfliessenden Ströme. Im fehlerfreien Betrieb ist diese Summe null. Fliesst Strom über einen Fehler ab, etwa über den menschlichen Körper oder eine schadhafte Isolierung zur Erde, entsteht eine Differenz. Überschreitet sie IΔn, trennt der RCD den Stromkreis binnen Millisekunden.

Ein RCD löst nach Norm bereits zwischen dem halben und dem vollen Nennwert aus. Ein 30-mA-RCD kann also schon ab etwa 15 mA auslösen, ein 300-mA-RCD ab etwa 150 mA.
  • IΔn 10 mA: erhöhter Schutz in Sonderbereichen (z. B. medizinische Räume).
  • IΔn 30 mA: Standard-Personenschutz für Steckdosen und Endstromkreise.
  • IΔn 100 mA / 300 mA: Brand- und Anlagenschutz für ganze Stromkreisgruppen.
  • IΔn 500 mA und mehr: reiner Anlagenschutz ohne Personenschutzfunktion.

Warum schützen 30 mA den Menschen?

Der Wert 30 mA leitet sich aus der physiologischen Wirkung von Strom auf den Körper ab. Ströme oberhalb von etwa 30 mA können bei längerer Einwirkzeit Herzkammerflimmern auslösen. Ein RCD mit IΔn 30 mA trennt so schnell, dass ein gefährlicher Stromfluss durch den Körper gar nicht erst entstehen kann.

Nach DIN VDE 0100‑410 ist der zusätzliche Schutz durch einen RCD mit IΔn ≤ 30 mA für Steckdosen bis 32 A im Laienbereich sowie für Endstromkreise im Aussenbereich vorgeschrieben. Damit deckt der 30-mA-RCD den klassischen Personenschutz ab: Er verhindert den elektrischen Schlag bei direktem oder indirektem Berühren.

Ein 30-mA-RCD löst typischerweise innerhalb von 300 ms beim Nennwert und deutlich schneller bei Vielfachen aus. Diese kurze Zeit hält die durch den Körper übertragene Energie unter der Gefahrengrenze.

Wofür setzt man 300 mA ein?

Ein RCD mit IΔn 300 mA schützt keine Personen, sondern verhindert Brände durch Isolationsfehler. Fliesst über eine schadhafte Leitung dauerhaft ein kleiner Fehlerstrom zur Erde, kann die entstehende Wärme Isolationsmaterial entzünden. Bereits Fehlerströme im Bereich von einigen hundert Milliampere reichen aus, um an einer Fehlerstelle einen Schwelbrand zu entfachen.

Der 300-mA-RCD löst aus, bevor der Fehlerstrom diese kritische Wärmeleistung dauerhaft aufbaut. Er wird deshalb oft übergeordnet für ganze Verteilungen, für Holzkonstruktionen, landwirtschaftliche Gebäude oder brandgefährdete Betriebsstätten nach DIN VDE 0100‑482 eingesetzt. Für den Brandschutz sind RCD mit IΔn ≤ 300 mA vorgesehen.

300 mA ist zu hoch für den Personenschutz: Bei diesem Wert könnte bereits ein gefährlicher Körperstrom fliessen, bevor der RCD auslöst. Ein 300-mA-RCD ersetzt niemals den 30-mA-Personenschutz.
  • Brandschutz bei feuergefährdeten Betriebsstätten (Holz, Stroh, Staub).
  • Landwirtschaftliche und gartenbauliche Anlagen nach DIN VDE 0100‑705.
  • Übergeordneter Schutz grosser Leitungslängen mit hohem Ableitstrom.
  • Selektive (kurzzeitverzögerte) Ausführung als Typ S für Staffelung.

Wie kombiniert man 30 mA und 300 mA?

In vielen Anlagen werden beide Werte gestaffelt eingesetzt. Ein übergeordneter, selektiver 300-mA-RCD vom Typ S sichert die Hauptverteilung gegen Brand, während nachgeordnete 30-mA-RCD die einzelnen Endstromkreise für den Personenschutz absichern. Der Typ S löst zeitverzögert aus, sodass bei einem Fehler zuerst der nähere 30-mA-RCD trennt und nur der betroffene Stromkreis abschaltet.

Diese Selektivität nach DIN VDE 0100‑530 verhindert, dass ein einzelner Fehler die ganze Anlage lahmlegt. Wichtig ist zudem die Wahl des RCD-Typs (A, F, B) passend zur Fehlerstromform der angeschlossenen Verbraucher, etwa bei Frequenzumrichtern oder Ladeeinrichtungen.

Schaltschrankaufbau

Wie Sie RCD, Leitungsschutzschalter und Verteilung normgerecht aufbauen.

Zum Ratgeber

Häufige Fragen

Reicht ein 300-mA-RCD für den Personenschutz?

Nein. 300 mA schützt nur vor Bränden durch Isolationsfehler. Für den Personenschutz ist nach DIN VDE 0100‑410 ein RCD mit IΔn ≤ 30 mA erforderlich, weil höhere Ströme lebensgefährlich sein können.

Warum genau 30 mA und nicht 50 mA?

Ab etwa 30 mA kann Strom bei längerer Einwirkung Herzkammerflimmern auslösen. Ein 30-mA-RCD trennt so schnell, dass die gefährliche Grenze nicht erreicht wird, und bildet damit den anerkannten Schwellwert für den Personenschutz.

Kann ich 30-mA- und 300-mA-RCD kombinieren?

Ja, das ist gängige Praxis. Ein selektiver 300-mA-RCD vom Typ S sichert die Hauptverteilung gegen Brand, nachgeordnete 30-mA-RCD schützen die Endstromkreise. Die Zeitverzögerung sorgt für Selektivität.

Wann sind sogar 10 mA sinnvoll?

In besonders gefährdeten Bereichen wie medizinisch genutzten Räumen oder bei sehr empfindlichen Anwendungen erhöht ein 10-mA-RCD den Schutz zusätzlich. Für Standard-Steckdosen genügen 30 mA.

Passenden Fehlerstromschutzschalter gesucht?

Wir liefern RCD in 30 mA für den Personenschutz und 300 mA für den Brandschutz, auch selektiv vom Typ S und in den Typen A, F und B.

Normgeprüft

RCD nach DIN VDE 0100-410 und 0100-530.

Personenschutz

30-mA-Geräte für sichere Endstromkreise.

Brandschutz

300-mA-Geräte für Anlagen und Gebäude.

Fachberatung

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