Zurück
DIN VDE 0100-534

Überspannungsschutz Typ 1, 2 und 3 richtig auswählen?

Überspannungsschutzgeräte (SPD) der Typen 1, 2 und 3 bilden ein gestaffeltes Schutzkonzept vom Gebäudeeintritt bis zum Endgerät. Dieser Ratgeber erklärt die Auswahl nach DIN VDE 0100-534, die energetische Koordination der Ableiter, Schutzpegel Up und die richtige Vorsicherung.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
Überspannungsableiter ansehen
Typ 1/2/3
gestaffelte Schutzklassen
Iimp 25 kA
Blitzstoßstrom (10/350) Typ 1
Up ≤ 1,5 kV
Schutzpegel am Endgerät
≥ 10 m
Koordinationslänge oder Entkopplung
Inhalt
  1. Die drei Typen
  2. Auswahl der Ableiter
  3. Energetische Koordination
  4. Vorsicherung und Montage
  5. Häufige Fragen

Was unterscheidet Typ 1, 2 und 3?

Die drei SPD-Typen decken unterschiedliche Beanspruchungen ab. Typ 1 leitet den direkten Blitzstoßstrom mit der Wellenform 10/350 µs ab, Typ 2 schützt gegen induzierte Überspannungen und Schaltvorgänge mit der Prüfwelle 8/20 µs, Typ 3 sitzt direkt vor dem Endgerät und begrenzt den Restschutzpegel feinstufig.

Typ 1 wird durch den Blitzstoßstrom Iimp (z. B. 12,5 kA oder 25 kA je Ableiter, 10/350 µs) charakterisiert, Typ 2 durch den Nennableitstoßstrom In und den maximalen Ableitstoßstrom Imax (8/20 µs). Typ 3 arbeitet mit einer kombinierten Prüfwelle aus 1,2/50 µs Spannung und 8/20 µs Strom.

Bei Gebäuden mit äußerem Blitzschutz (LPS) oder Freileitungseinspeisung ist ein Typ-1-Ableiter Pflicht. Ohne äußeren Blitzschutz genügt in der Regel Typ 2 am Verteilereingang.

Wie wählt man den passenden Ableiter aus?

Entscheidend sind die Netzform (TN-S, TN-C-S, TT), die Dauerspannung Uc und der Schutzpegel Up. Uc muss über der höchsten dauernd zu erwartenden Betriebsspannung liegen, im TT-Netz sind für die N-PE-Strecke oft höhere Werte nötig.

  • Netzform bestimmen: TN-S/TN-C-S mit 4 Ableitwegen (3+N), TT häufig in 3+1-Schaltung mit Summenfunkenstrecke N-PE.
  • Uc wählen: mindestens 253 V bei 230/400 V, im TT-Netz N-PE-Pfad bis 260 V.
  • Schutzpegel Up beachten: möglichst niedrig, damit die Geräteisolation (Überspannungskategorie) sicher unter dem Wert bleibt.
  • Blitzstoßstrom Iimp nach LPS-Klasse und Anzahl der Leiter aufteilen.
  • Ausführung als Ableiter mit Fernmeldekontakt für die Statusmeldung im Schaltschrank.
Für die Endgeräte gilt die Überspannungskategorie nach DIN EN 60664‑1: Steckdosenstromkreise 230/400 V benötigen einen Bemessungsstoßspannungswert von 2,5 kV (Kat. II). Der Schutzpegel Up der Kette sollte deutlich darunter liegen, idealerweise Up ≤ 1,5 kV am Endgerät.
Schaltschrankaufbau

Ableiter, Vorsicherung und Verdrahtung normgerecht im Verteiler anordnen.

Zum Ratgeber

Wie koordiniert man die Schutzstufen?

Die Ableiter müssen energetisch koordiniert sein: Typ 1 übernimmt die Hauptenergie, Typ 2 und Typ 3 dürfen erst zünden, wenn der vorgelagerte Ableiter den Großteil des Stroms abgeleitet hat. Fehlt die Koordination, wird das feinere Gerät überlastet und zerstört.

Als Faustregel gilt eine Leitungslänge von mindestens 10 m zwischen Typ 1 und Typ 2 und rund 5 m zwischen Typ 2 und Typ 3. Ist der Abstand kleiner, sorgt eine Entkopplungsdrossel oder ein herstellergeprüfter Kombiableiter Typ 1+2 für die Koordination.

Kurze Anschlussleitungen sind Pflicht: Die Summe der Zu- und Ableitung zum Ableiter soll 0,5 m nicht überschreiten, da jede Leitungsinduktivität den effektiven Schutzpegel erhöht (Zusatzspannung von rund 1 kV je Meter).

Welche Vorsicherung und Verdrahtung sind nötig?

Jeder Ableiter braucht eine Überstrom-Schutzeinrichtung (Vorsicherung), sofern die vorhandene Sicherung den maximal zulässigen Wert des Herstellers überschreitet. Ist die Netzsicherung kleiner oder gleich der angegebenen Höchstsicherung, entfällt die separate Vorsicherung.

  • Datenblatt prüfen: maximale Vorsicherung z. B. 125 A gG bei Typ-1-Ableitern, 63‑125 A gG bei Typ 2.
  • Verbindung zur Haupterdungsschiene mit ausreichendem Querschnitt: Typ 1 mindestens 16 mm² Cu, Typ 2 mindestens 6 mm² Cu.
  • V-Verdrahtung (Durchgangsverdrahtung) bevorzugen, um kurze und induktionsarme Anschlüsse zu erreichen.
  • Statusanzeige und Fernmeldekontakt für die Wartung und Dokumentation nutzen.
  • Steckbare Schutzmodule erleichtern den Austausch nach einem Blitzereignis ohne Neuverdrahtung.
Nach DIN VDE 0100‑534 ist der Überspannungsschutz für neue Anlagen dort vorzusehen, wo Überspannungen Menschen, Dienstleistungen oder hochwertige Ausrüstung gefährden können - in der Praxis in nahezu jeder Neuinstallation.

Häufige Fragen

Brauche ich Typ 1, wenn kein Blitzschutz vorhanden ist?

Ein Typ-1-Ableiter ist erforderlich, wenn das Gebäude einen äußeren Blitzschutz (LPS) besitzt oder über Freileitung eingespeist wird. Ohne diese Bedingungen genügt meist ein Typ-2-Ableiter am Verteilereingang.

Kann ich Typ 1 und Typ 2 in einem Gerät kombinieren?

Ja, Kombiableiter Typ 1+2 sind zulässig und intern koordiniert. Sie sparen Platz und ersetzen die 10-m-Koordinationsstrecke, sofern der Hersteller die Kombination geprüft hat.

Wie lang darf die Anschlussleitung zum Ableiter sein?

Die Summe aus Zu- und Ableitung soll 0,5 m nicht überschreiten. Jeder zusätzliche Meter erhöht durch die Leitungsinduktivität den effektiven Schutzpegel um rund 1 kV.

Ist Überspannungsschutz Pflicht?

Für neue Installationen fordert DIN VDE 0100‑534 den Überspannungsschutz überall dort, wo Überspannungen Personen, Dienste oder wertvolle Geräte gefährden können. Das trifft auf nahezu alle Neubauten und Sanierungen zu.

Überspannungsschutz für Ihre Verteilung?

Wir liefern koordinierte Ableiter Typ 1, 2 und 3, Kombigeräte und passende Vorsicherungen - ausgelegt nach DIN VDE 0100-534.

Normkonform

Ableiter nach DIN EN 61643-11 und DIN VDE 0100-534.

Geprüfte Ableitleistung

Iimp und Imax nach Datenblatt dokumentiert.

Energetisch koordiniert

Typ 1, 2 und 3 sauber aufeinander abgestimmt.

Fachberatung

Unsere Spezialisten unterstützen bei der Auslegung.

Weitere Ratgeber