Überspannungsschutz Typ 1, 2 und 3 richtig auswählen?
Überspannungsschutzgeräte (SPD) der Typen 1, 2 und 3 bilden ein gestaffeltes Schutzkonzept vom Gebäudeeintritt bis zum Endgerät. Dieser Ratgeber erklärt die Auswahl nach DIN VDE 0100-534, die energetische Koordination der Ableiter, Schutzpegel Up und die richtige Vorsicherung.
Überspannungsableiter ansehenInhalt
Was unterscheidet Typ 1, 2 und 3?
Die drei SPD-Typen decken unterschiedliche Beanspruchungen ab. Typ 1 leitet den direkten Blitzstoßstrom mit der Wellenform 10/350 µs ab, Typ 2 schützt gegen induzierte Überspannungen und Schaltvorgänge mit der Prüfwelle 8/20 µs, Typ 3 sitzt direkt vor dem Endgerät und begrenzt den Restschutzpegel feinstufig.
Typ 1 wird durch den Blitzstoßstrom Iimp (z. B. 12,5 kA oder 25 kA je Ableiter, 10/350 µs) charakterisiert, Typ 2 durch den Nennableitstoßstrom In und den maximalen Ableitstoßstrom Imax (8/20 µs). Typ 3 arbeitet mit einer kombinierten Prüfwelle aus 1,2/50 µs Spannung und 8/20 µs Strom.
Wie wählt man den passenden Ableiter aus?
Entscheidend sind die Netzform (TN-S, TN-C-S, TT), die Dauerspannung Uc und der Schutzpegel Up. Uc muss über der höchsten dauernd zu erwartenden Betriebsspannung liegen, im TT-Netz sind für die N-PE-Strecke oft höhere Werte nötig.
- Netzform bestimmen: TN-S/TN-C-S mit 4 Ableitwegen (3+N), TT häufig in 3+1-Schaltung mit Summenfunkenstrecke N-PE.
- Uc wählen: mindestens 253 V bei 230/400 V, im TT-Netz N-PE-Pfad bis 260 V.
- Schutzpegel Up beachten: möglichst niedrig, damit die Geräteisolation (Überspannungskategorie) sicher unter dem Wert bleibt.
- Blitzstoßstrom Iimp nach LPS-Klasse und Anzahl der Leiter aufteilen.
- Ausführung als Ableiter mit Fernmeldekontakt für die Statusmeldung im Schaltschrank.
Ableiter, Vorsicherung und Verdrahtung normgerecht im Verteiler anordnen.
Zum RatgeberWie koordiniert man die Schutzstufen?
Die Ableiter müssen energetisch koordiniert sein: Typ 1 übernimmt die Hauptenergie, Typ 2 und Typ 3 dürfen erst zünden, wenn der vorgelagerte Ableiter den Großteil des Stroms abgeleitet hat. Fehlt die Koordination, wird das feinere Gerät überlastet und zerstört.
Als Faustregel gilt eine Leitungslänge von mindestens 10 m zwischen Typ 1 und Typ 2 und rund 5 m zwischen Typ 2 und Typ 3. Ist der Abstand kleiner, sorgt eine Entkopplungsdrossel oder ein herstellergeprüfter Kombiableiter Typ 1+2 für die Koordination.
Welche Vorsicherung und Verdrahtung sind nötig?
Jeder Ableiter braucht eine Überstrom-Schutzeinrichtung (Vorsicherung), sofern die vorhandene Sicherung den maximal zulässigen Wert des Herstellers überschreitet. Ist die Netzsicherung kleiner oder gleich der angegebenen Höchstsicherung, entfällt die separate Vorsicherung.
- Datenblatt prüfen: maximale Vorsicherung z. B. 125 A gG bei Typ-1-Ableitern, 63‑125 A gG bei Typ 2.
- Verbindung zur Haupterdungsschiene mit ausreichendem Querschnitt: Typ 1 mindestens 16 mm² Cu, Typ 2 mindestens 6 mm² Cu.
- V-Verdrahtung (Durchgangsverdrahtung) bevorzugen, um kurze und induktionsarme Anschlüsse zu erreichen.
- Statusanzeige und Fernmeldekontakt für die Wartung und Dokumentation nutzen.
- Steckbare Schutzmodule erleichtern den Austausch nach einem Blitzereignis ohne Neuverdrahtung.
Häufige Fragen
Brauche ich Typ 1, wenn kein Blitzschutz vorhanden ist?
Ein Typ-1-Ableiter ist erforderlich, wenn das Gebäude einen äußeren Blitzschutz (LPS) besitzt oder über Freileitung eingespeist wird. Ohne diese Bedingungen genügt meist ein Typ-2-Ableiter am Verteilereingang.
Kann ich Typ 1 und Typ 2 in einem Gerät kombinieren?
Ja, Kombiableiter Typ 1+2 sind zulässig und intern koordiniert. Sie sparen Platz und ersetzen die 10-m-Koordinationsstrecke, sofern der Hersteller die Kombination geprüft hat.
Wie lang darf die Anschlussleitung zum Ableiter sein?
Die Summe aus Zu- und Ableitung soll 0,5 m nicht überschreiten. Jeder zusätzliche Meter erhöht durch die Leitungsinduktivität den effektiven Schutzpegel um rund 1 kV.
Ist Überspannungsschutz Pflicht?
Für neue Installationen fordert DIN VDE 0100‑534 den Überspannungsschutz überall dort, wo Überspannungen Personen, Dienste oder wertvolle Geräte gefährden können. Das trifft auf nahezu alle Neubauten und Sanierungen zu.
Überspannungsschutz für Ihre Verteilung?
Wir liefern koordinierte Ableiter Typ 1, 2 und 3, Kombigeräte und passende Vorsicherungen - ausgelegt nach DIN VDE 0100-534.
Normkonform
Ableiter nach DIN EN 61643-11 und DIN VDE 0100-534.
Geprüfte Ableitleistung
Iimp und Imax nach Datenblatt dokumentiert.
Energetisch koordiniert
Typ 1, 2 und 3 sauber aufeinander abgestimmt.
Fachberatung
Unsere Spezialisten unterstützen bei der Auslegung.