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VDA 19 / ISO 16232

Technische Sauberkeit nach VDA 19 - wie prüfen?

Technische Sauberkeit beschreibt, wie viel Restschmutz an einem Bauteil zulässig ist. Dieser Ratgeber erklärt die Restschmutzanalyse nach VDA 19 und ISO 16232 - von der Extraktion über Gravimetrie und Partikelzählung bis zur Festlegung sinnvoller Grenzwerte.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
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50-1000 µm
typische Partikelklassen
mg/1000 cm²
gravimetrischer Wert
ISO 16232
internationale Norm
3-fach
Extraktion bis Abklingkurve
Inhalt
  1. Grundlagen und Normen
  2. Restschmutzanalyse
  3. Auswertung der Werte
  4. Grenzwerte festlegen
  5. Häufige Fragen

Was bedeutet technische Sauberkeit nach VDA 19?

Technische Sauberkeit bewertet partikuläre Verunreinigungen, die an funktionsrelevanten Bauteilen haften und im Betrieb Schäden verursachen können. Die Prüfung erfolgt nach VDA 19.1 (Prüfung) und der inhaltsgleichen internationalen Norm ISO 16232, ergänzt um VDA 19.2 für die Sauberkeit in der Montageumgebung.

Kritisch sind vor allem harte Partikel wie Metallspäne, Grate oder mineralische Rückstände. In Hydraulik, Einspritztechnik oder Elektronik können bereits Partikel ab 50 µm Ventile blockieren, Dichtungen beschädigen oder Kurzschlüsse auslösen.

VDA 19 legt keine festen Grenzwerte fest, sondern beschreibt das Prüfverfahren. Die konkreten Sauberkeitsanforderungen vereinbaren Hersteller und Zulieferer bauteilspezifisch.
  • VDA 19.1 / ISO 16232: Restschmutzanalyse am Bauteil.
  • VDA 19.2: Sauberkeit in Fertigungs- und Montageumgebung.
  • Ziel: reproduzierbare, vergleichbare Messwerte über Lieferketten hinweg.

Wie läuft die Restschmutzanalyse ab?

Die Analyse trennt sich in drei Schritte: Extraktion, Filtration und Auswertung. Zuerst werden die Partikel mit einem Prüfmedium vom Bauteil gelöst, dann auf einem Analysefilter abgeschieden und schliesslich gewogen oder mikroskopisch vermessen.

Die Extraktionswirkung muss über eine Abklingkurve validiert werden: Die Extraktion wird so oft wiederholt, bis eine Stufe weniger als 10 Prozent der zuvor gesammelten Schmutzmenge liefert. Erst dann gilt das Bauteil als weitgehend restschmutzfrei extrahiert.

Ein Blindwert (Leerprüfung ohne Bauteil) ist Pflicht. Er weist nach, dass Umgebung, Medium und Ausrüstung selbst nicht mehr Partikel einbringen als das geprüfte Teil freisetzt.

Gravimetrie oder Partikelzählung - was messen?

Zwei Auswertungen ergänzen sich. Die Gravimetrie liefert die gesamte Schmutzmasse in Milligramm pro Bauteil oder normiert je 1000 cm² Fläche. Die Partikelzählung unter Lichtmikroskop erfasst Anzahl und Grösse und ordnet sie Grössenklassen zu.

  • Gravimetrie: einfache Kennzahl für die Gesamtbelastung, gut für Serienüberwachung.
  • Optische Partikelzählung: Grössenverteilung nach Grössenklassen B bis N (5 µm bis über 1000 µm).
  • Metallografische Analyse: unterscheidet metallisch glänzende von nicht-metallischen Partikeln.
  • Grösstes Einzelpartikel: oft ausschlaggebend für Funktionsschäden.
Die Sauberkeit wird als CCC-Code (Component Cleanliness Code) angegeben, zum Beispiel als Partikelanzahl je Grössenklasse. So lassen sich Anforderung und Messergebnis direkt vergleichen.
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Wie legt man sinnvolle Grenzwerte fest?

Grenzwerte leiten sich aus der Funktion des Bauteils ab, nicht aus der Norm. Massgeblich ist die kleinste sicherheits- oder funktionskritische Spaltweite - etwa das Führungsspiel eines Ventils oder der Elektrodenabstand einer Leiterplatte.

Praktisch bewährt sich ein Vorgehen in vier Schritten: kritische Grösse bestimmen, Referenzserie messen, statistische Streuung erfassen und den Grenzwert mit Sicherheitsabstand über dem realen Prozessniveau ansetzen. So bleibt der Wert erreichbar und trotzdem schützend.

Definieren Sie stets auch die Prüfvorschrift mit: Extraktionsverfahren, Medium, Filterporenweite und Prüffläche. Ein Grenzwert ohne zugehörige Methode ist nicht vergleichbar.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich VDA 19 und ISO 16232?

Beide Normen beschreiben inhaltlich dieselbe Restschmutzanalyse. ISO 16232 ist die internationale Fassung, VDA 19.1 die deutsche Ausgabe; VDA 19.2 ergänzt die Sauberkeit der Fertigungsumgebung.

Welche Extraktionsverfahren sind zulässig?

Spritzen, Spülen, Ultraschall und Schütteln sind gängig. Das Verfahren muss zum Bauteil passen und über eine Abklingkurve validiert sein, damit die Partikelablösung reproduzierbar ist.

Legt die Norm feste Grenzwerte fest?

Nein. VDA 19 und ISO 16232 regeln nur das Prüfverfahren. Die konkreten Sauberkeitsgrenzwerte vereinbaren Auftraggeber und Zulieferer bauteilspezifisch anhand der Funktion.

Warum ist der Blindwert so wichtig?

Der Blindwert zeigt, wie viele Partikel aus Umgebung, Prüfmedium und Ausrüstung stammen. Nur wenn er deutlich unter dem Bauteilwert liegt, ist das Messergebnis belastbar.

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