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IPC-A-610

Dampfphasenlöten - welche Vorteile bietet es wirklich?

Beim Dampfphasenlöten kondensiert ein siedendes Wärmeträgermedium auf der Baugruppe und überträgt seine Wärme extrem gleichmässig. Dieser Ratgeber zeigt, warum das Verfahren bei thermisch kritischen und dicht bestückten Baugruppen dem klassischen Konvektions-Reflow überlegen ist und wo seine Grenzen liegen.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
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230 °C
feste Siedetemperatur Galden
< 3 K
Delta-T über die Baugruppe
0 % O₂
inerte Dampfatmosphäre
Kein Überhitzen
physikalisch begrenzt
Inhalt
  1. Prinzip und Medium
  2. Vorteile im Detail
  3. Vergleich und Grenzen
  4. Häufige Fragen

Wie funktioniert Dampfphasenlöten?

Beim Dampfphasenlöten (Kondensationslöten) wird eine inerte Wärmeträgerflüssigkeit, meist eine perfluorierte Verbindung (Galden), bis zum Sieden erhitzt. Der aufsteigende, schwere Dampf umhüllt die Baugruppe und kondensiert an jeder kälteren Oberfläche. Die dabei frei werdende Kondensationswärme heizt Bauteil und Leiterplatte auf.

Der entscheidende Punkt: Die Baugruppe kann physikalisch nie heisser werden als die Siedetemperatur des Mediums. Ein Galden mit Siedepunkt 230 °C begrenzt die Spitzentemperatur exakt auf diesen Wert, unabhängig von Verweildauer oder Bauteilmasse.

Die Kondensation erfolgt an jeder Stelle gleichzeitig, auch unter Bauteilen und in engen Spalten. Dadurch werden verschattete Lötstellen, die im Konvektionsofen kalt bleiben, zuverlässig durchgewärmt.
  • Wärmeträger: perfluorierte Flüssigkeit (Galden), inert und nicht brennbar.
  • Siedepunkt bestimmt die maximale Prozesstemperatur, typisch 230 °C für bleifrei.
  • Wärmeübertragung durch Kondensation statt durch Heissluft oder Strahlung.
  • Sauerstofffreie Atmosphäre verhindert Oxidation ohne Schutzgas.

Welche Vorteile hat es bei kritischen Baugruppen?

Der grösste Vorteil ist die homogene Temperaturverteilung. Weil der Dampf überall kondensiert, entsteht kaum ein Temperaturunterschied (Delta-T) zwischen grossen und kleinen Bauteilen - typisch unter 3 K. Genau das ist bei thermisch kritischen Baugruppen mit hoher Masseverteilung entscheidend.

Weil kein Überhitzen möglich ist, sinkt das Risiko von Delamination, Popcorn-Effekt und Bauteilschäden. Die sauerstofffreie Dampfatmosphäre reduziert zudem die Voidbildung und liefert glänzende, oxidfreie Lötstellen gemäss den Akzeptanzkriterien der IPC-A-610.

Für dicke Kupferlagen, grosse Kühlkörper, LED-Module und Leistungselektronik ist die gleichmässige Durchwärmung oft der einzige Weg, alle Lötstellen ohne kalte Nester sicher aufzuschmelzen.
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Wann ist Konvektions-Reflow die bessere Wahl?

Das Konvektions-Reflow bleibt der Standard für High-Volume-Fertigung mit einfachen Baugruppen. Es ist schneller im Takt, gut in Inline-Linien integrierbar und erlaubt frei einstellbare Profile mit definiertem Vorheiz- und Aktivierungsfenster für die Flussmittelchemie.

  • Konvektion: hoher Durchsatz, flexible Profile, günstiger Betrieb bei grossen Stückzahlen.
  • Dampfphase: unschlagbar bei thermisch kritischen, unsymmetrischen oder verschatteten Baugruppen.
  • Dampfphase: langsameres Aufheizen, dadurch weniger thermischer Schock, aber geringerer Takt.
  • Medium (Galden) ist teuer, verlangt Rückgewinnung und dichte Prozessführung.
  • Feste Peak-Temperatur ist ein Vorteil, aber weniger flexibel als ein frei programmiertes Profil.
Moderne Vakuum-Dampfphasenanlagen ziehen während der Flüssigphase ein Vakuum und drücken so eingeschlossene Gase heraus. Voidraten unter 2 Prozent sind damit bei Leistungsbauteilen erreichbar.

Die Faustregel: Je höher die thermische Masse und je empfindlicher die Bauteile, desto stärker spielt die Dampfphase ihre Stärken aus. Für Standard-SMT in Grossserie bleibt die Konvektion wirtschaftlicher.

Häufige Fragen

Warum kann die Baugruppe beim Dampfphasenlöten nicht überhitzen?

Die Temperatur ist physikalisch durch den Siedepunkt des Wärmeträgers begrenzt. Sobald die Baugruppe die Dampftemperatur erreicht, stoppt die Kondensation und es fliesst keine weitere Wärme zu. Ein 230 °C Galden liefert daher nie mehr als 230 °C.

Was bedeutet Delta-T und warum ist es hier so klein?

Delta-T ist der Temperaturunterschied zwischen der heissesten und der kältesten Stelle der Baugruppe. Weil der Dampf überall gleichzeitig kondensiert, liegt Delta-T meist unter 3 K, während er beim Konvektions-Reflow 10 bis 40 K betragen kann.

Ist Dampfphasenlöten für die Grossserie geeignet?

Nur eingeschränkt. Der Takt ist niedriger als bei Inline-Konvektionsöfen und das Medium ist teuer. Für kritische Baugruppen, Klein- und Mittelserien sowie Leistungselektronik ist es dennoch oft die erste Wahl.

Braucht Dampfphasenlöten Schutzgas?

Nein. Der aufsteigende Dampf verdrängt den Sauerstoff vollständig, sodass eine inerte Atmosphäre ohne separaten Stickstoff entsteht. Das ergibt oxidfreie, glänzende Lötstellen.

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