Gehörschutz wählen: Stöpsel, Bügel oder Kapsel?
Ab 80 dB(A) muss Gehörschutz bereitstehen, ab 85 dB(A) ist er Pflicht. Dieser Ratgeber vergleicht Stöpsel, Bügel und Kapselgehörschutz, erklärt den Dämmwert SNR nach EN 352 und zeigt, wie Sie den Schutz nach dem realen Lärmpegel auswählen.
Gehörschutz ansehenAb wann ist Gehörschutz nötig?
Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) legt zwei Auslösewerte fest. Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) muss der Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung stellen, ab 85 dB(A) ist das Tragen Pflicht und die Bereiche sind zu kennzeichnen.
Entscheidend ist der über acht Stunden gemittelte Pegel LEX,8h. Wichtig ist auch der Spitzenschalldruckpegel: ab 135 dB(C) besteht Handlungsbedarf, ab 137 dB(C) gilt der obere Auslösewert. Kurze, laute Impulse wie Hammerschläge oder Druckluft können den Mittelwert unauffällig lassen und trotzdem das Gehör schädigen.
- 80 dB(A): unterer Auslösewert - Gehörschutz bereitstellen, Unterweisung, Vorsorge anbieten.
- 85 dB(A): oberer Auslösewert - Gehörschutz tragen ist Pflicht, Lärmbereich kennzeichnen.
- 137 dB(C) Spitzenpegel: oberer Auslösewert für Impulslärm.
- Ziel: am Ohr des Trägers dürfen 85 dB(A) nicht überschritten werden.
Stöpsel, Bügel oder Kapsel - was passt?
Nach EN 352 gibt es drei Grundbauarten. Gehörschutzstöpsel (EN 352‑2) sitzen im Gehörgang, Bügelstöpsel (EN 352‑2) verschliessen den Gehörgangseingang über einen Bügel, und Kapselgehörschutz (EN 352‑1) umschliesst die Ohrmuschel. Die Wahl hängt von Pegel, Tragedauer und Arbeitsumgebung ab.
- Stöpsel aus Schaumstoff sind günstig, hygienisch als Einweg und ideal bei durchgehendem Tragen.
- Vorgeformte Lamellenstöpsel (Mehrweg) sind wiederverwendbar und leicht zu reinigen.
- Bügelstöpsel eignen sich, wenn der Schutz oft ab- und wieder aufgesetzt wird.
- Kapseln lassen sich mit Helm kombinieren und sind bei Kälte oder Ohrentzündung angenehmer.
- Otoplastiken (individuell angepasst) bieten gleichbleibende Dämmung bei langen Schichten.
Wie wählt man den Dämmwert SNR richtig?
Der SNR-Wert (Single Number Rating) gibt die mittlere Dämmung in Dezibel an. Man zieht ihn vereinfacht vom C-bewerteten Lärmpegel ab, um den Restpegel am Ohr abzuschätzen. Alternativ liefern die HML-Werte (High, Medium, Low) eine frequenzabhängige Bewertung nach EN 458.
- Real erreichte Dämmung liegt oft unter dem Laborwert - ein Praxisabschlag von 4 bis 5 dB ist realistisch.
- Sitz und Tragedisziplin entscheiden mehr als jeder Katalogwert.
- Bei Sprachkommunikation oder Signalen: pegelabhängige oder Filter-Stöpsel prüfen.
So stellen Sie die komplette PSA am Arbeitsplatz normgerecht zusammen.
Zum RatgeberHäufige Fragen
Was bedeutet der SNR-Wert beim Gehörschutz?
SNR (Single Number Rating) ist die mittlere Schalldämmung in Dezibel. Vereinfacht zieht man ihn vom C-bewerteten Lärmpegel ab, um den Restpegel am Ohr zu schätzen. Ziel sind 70 bis 80 dB(A) am Ohr.
Ab welchem Lärmpegel ist Gehörschutz Pflicht?
Ab dem unteren Auslösewert von 80 dB(A) muss der Arbeitgeber Gehörschutz bereitstellen. Ab dem oberen Auslösewert von 85 dB(A) ist das Tragen für die Beschäftigten Pflicht.
Stöpsel oder Kapsel - was ist besser?
Stöpsel sind bei durchgehendem Tragen, Hitze und Enge komfortabler. Kapseln bieten hohe Dämmung, sind schnell aufsetzbar und für seltenes Tragen oder sehr hohe Pegel gut. Beide müssen zum realen Pegel passen.
Kann man zu viel dämmen?
Ja. Ein Restpegel unter etwa 70 dB(A) isoliert zu stark, Warnsignale und Kommunikation werden überhört. EN 458 empfiehlt daher einen Zielbereich von 70 bis 80 dB(A) am Ohr.
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