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ISO/IEC Guide 98-3 (GUM)

Messunsicherheit nach GUM abschätzen - wie geht das?

Jeder Messwert ist ohne Angabe seiner Unsicherheit unvollständig. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie die Messunsicherheit nach GUM Schritt für Schritt abschätzen, den Erweiterungsfaktor k richtig wählen und mit Toleranzgrenzen eine belastbare Konformitätsbewertung treffen.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
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k = 2
Standard-Erweiterungsfaktor
95 %
Überdeckung bei k = 2
U = k·u_c
erweiterte Unsicherheit
GUM
ISO/IEC Guide 98-3
Inhalt
  1. Grundlagen und GUM
  2. Budget und Faktor k
  3. Konformitätsbewertung
  4. Häufige Fragen

Was bedeutet Messunsicherheit nach GUM?

Messunsicherheit ist der Bereich, in dem der wahre Wert einer Messgrösse mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit liegt. Der GUM (Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement, ISO/IEC Guide 98‑3) ist das international anerkannte Regelwerk, das beschreibt, wie diese Unsicherheit ermittelt und angegeben wird.

Der GUM unterscheidet zwei Wege der Ermittlung: Typ A beruht auf statistischer Auswertung wiederholter Messungen (Standardabweichung), Typ B nutzt andere Quellen wie Kalibrierscheine, Datenblätter oder Herstellerangaben. Beide liefern eine Standardunsicherheit u, die sich gleichwertig weiterverarbeiten lässt.

Ein Messergebnis ohne Unsicherheit ist wertlos für Entscheidungen. Vollständig lautet die Angabe zum Beispiel: (100,05 ± 0,04) mm bei k = 2, also mit rund 95 % Überdeckungswahrscheinlichkeit.
  • Typ A: Standardabweichung aus n Wiederholmessungen, u = s / √n.
  • Typ B: Umrechnung aus Grenzen, z. B. Rechteckverteilung u = a / √3.
  • Jede Einflussgrösse (Gerät, Temperatur, Bediener, Objekt) liefert einen Beitrag.
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Warum der Kalibrierschein die Basis jeder Typ-B-Abschätzung ist.

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Wie wird das Unsicherheitsbudget berechnet?

Im Unsicherheitsbudget werden alle Einzelbeiträge auf dieselbe Standardunsicherheit umgerechnet und quadratisch zur kombinierten Standardunsicherheit u_c addiert. Diese wird mit dem Erweiterungsfaktor k multipliziert, um die erweiterte Unsicherheit U = k · u_c zu erhalten.

Der Erweiterungsfaktor k stellt das gewünschte Vertrauensniveau ein. Für eine annähernd normalverteilte kombinierte Unsicherheit gilt k = 2 für rund 95 % und k = 3 für rund 99,7 % Überdeckung. k = 2 ist der Standard in Kalibrierscheinen und Prüfberichten.

Bei wenigen Wiederholmessungen ist die Verteilung nicht mehr streng normal. Dann bestimmt man k über die effektiven Freiheitsgrade nach Welch-Satterthwaite und den t-Faktor, sodass k oft leicht über 2 liegt.
  • 1. Modellgleichung und Einflussgrössen festlegen.
  • 2. Jeden Beitrag in eine Standardunsicherheit u_i umrechnen.
  • 3. Empfindlichkeitskoeffizienten anwenden und quadratisch summieren: u_c = √(Σ u_i²).
  • 4. Mit k multiplizieren: U = k · u_c, meist k = 2.

Wie bewertet man Konformität mit Toleranzgrenzen?

Bei der Konformitätsbewertung wird geprüft, ob ein Messwert innerhalb der Toleranzgrenzen liegt. Nach ISO 14253‑1 wird die erweiterte Unsicherheit U dabei berücksichtigt: Der sichere Annahmebereich schrumpft an beiden Enden um U, der sichere Rückweisungsbereich beginnt jenseits der Grenze plus U.

Dazwischen liegt der Unsicherheitsbereich, in dem keine eindeutige Aussage möglich ist. Wer die Unsicherheit dem Lieferanten zurechnet, verengt seine Annahmezone (strenge Regel); wer sie dem Kunden zurechnet, weitet sie. Diese Entscheidungsregel muss vorab vereinbart und dokumentiert sein.

Faustregel: Die erweiterte Unsicherheit sollte deutlich kleiner sein als die Toleranzbreite. Ein Verhältnis U zu Toleranz von etwa 1 zu 4 (oder besser) hält die Unsicherheitszone schmal und Fehlentscheidungen gering.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Standardunsicherheit und erweiterter Unsicherheit?

Die Standardunsicherheit u entspricht einer Standardabweichung (rund 68 % Überdeckung). Die erweiterte Unsicherheit U = k · u_c wird mit dem Faktor k multipliziert, meist k = 2 für etwa 95 %, und ist die Angabe im Prüfbericht.

Warum wird meist k = 2 gewählt?

Bei einer annähernd normalverteilten kombinierten Unsicherheit deckt k = 2 rund 95 % ab. Dieser Wert ist international als Standard für Kalibrierscheine und Konformitätsaussagen etabliert und gut vergleichbar.

Was besagt die Entscheidungsregel nach ISO 14253-1?

Sie legt fest, wie die erweiterte Unsicherheit bei der Konformitätsbewertung berücksichtigt wird. Die strenge Regel verengt den Annahmebereich um U an beiden Grenzen, sodass nur eindeutig konforme Teile angenommen werden.

Wie groß darf die Messunsicherheit im Verhältnis zur Toleranz sein?

Als Faustregel sollte die erweiterte Unsicherheit höchstens ein Viertel der Toleranzbreite betragen. So bleibt die Unsicherheitszone schmal und das Risiko von Fehlentscheidungen niedrig.

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