Personenschleuse planen - wie legt man sie richtig aus?
Die Personenschleuse trennt die unreine Aussenwelt kontrolliert vom Reinraum und ist der Hauptweg für Partikel- und Keimeintrag. Dieser Ratgeber erklärt die Zonung der Umkleide, den Aufbau der Druckkaskade und die Interlock-Türsteuerung nach ISO 14644 und GMP-Anhang 1.
Reinraumtechnik ansehenWie gliedert man die Umkleidezonen?
Eine Personenschleuse wird nach dem Prinzip der zunehmenden Reinheit in Zonen unterteilt. Der Wechsel von der unreinen zur reinen Seite erfolgt schrittweise über eine klar definierte Bank- oder Linienlogik, sodass Strassenkleidung und Reinraumkleidung räumlich getrennt bleiben.
In der ersten Zone werden Strassenschuhe abgelegt und die Hände desinfiziert. In der mittleren Grauzone erfolgt das Ankleiden von Haube, Overall und Überschuhen. Erst in der letzten reinen Zone werden Handschuhe und Mundschutz angelegt, bevor der Zutritt in den Reinraum freigegeben wird.
Wie baut man die Druckkaskade auf?
Die Druckkaskade sorgt dafür, dass Luft immer vom reineren zum weniger reinen Bereich strömt. Jede Schleuse hält gegenüber dem angrenzenden schmutzigeren Raum einen definierten Überdruck, sodass bei Türöffnung kein Partikelstrom nach innen erfolgt.
GMP-Anhang 1 nennt als Richtwert eine Druckdifferenz von etwa 10 bis 15 Pa zwischen aneinandergrenzenden Räumen unterschiedlicher Klasse. Die Werte werden über eine Kaskade summiert: Ein aseptischer Kernbereich kann so 30 Pa und mehr gegenüber dem unreinen Flur aufweisen.
- Überdruckschleuse (Bubble): höherer Druck als beide Nachbarräume - schützt den Reinraum vor Eintrag.
- Unterdruckschleuse (Sink): niedrigerer Druck - schützt die Umgebung vor gefährlichen Stoffen aus dem Prozess.
- Druckdifferenz je Stufe 10‑15 Pa, kontinuierlich gemessen und dokumentiert.
- Manometer oder Differenzdruckwächter mit Alarm an jeder Schleusentür sichtbar montieren.
Die Druckhaltung hängt direkt von der Luftmenge und der Dichtheit der Hülle ab. Undichte Türen, Kabeldurchführungen oder ein zu geringer Luftwechsel lassen die Kaskade zusammenbrechen, weshalb Dichtheit und Volumenstrom bei der Qualifizierung gemeinsam geprüft werden.
Wie funktioniert die Interlock-Türsteuerung?
Die Interlock- oder Verriegelungssteuerung verhindert, dass beide Türen einer Schleuse gleichzeitig offen stehen. Nur so bleiben Druckkaskade und Klassifizierung während des Durchgangs erhalten, denn zwei offene Türen würden die Trennung kurzschliessen.
Technisch wird das über elektromagnetische Verriegelungen, Türsensoren und eine Ampelanzeige gelöst. Öffnet eine Person die erste Tür, bleibt die zweite gesperrt, bis die erste wieder geschlossen und gegebenenfalls eine Spülzeit abgelaufen ist.
- Optische und akustische Signale erleichtern die richtige Bedienung.
- Zeitverzögerung oder Spülzeit lässt die Kaskade nach dem Durchgang wieder aufbauen.
- Überbrückung nur über dokumentierten Wartungsmodus, nicht im Betrieb.
Häufige Fragen
Wie hoch sollte die Druckdifferenz zwischen den Schleusen sein?
GMP-Anhang 1 nennt als Richtwert 10 bis 15 Pa zwischen aneinandergrenzenden Räumen unterschiedlicher Reinheitsklasse. Über die Kaskade summieren sich die Stufen bis zum Kernbereich.
Warum darf nur eine Tür gleichzeitig offen sein?
Zwei gleichzeitig offene Türen kurzschliessen die Druckkaskade und lassen unreine Luft in den Reinraum strömen. Der Interlock hält die Trennung während des Durchgangs aufrecht.
Braucht man immer eine Überdruckschleuse?
Nein. Für den Produktschutz gilt Überdruck, für den Schutz vor gefährlichen Stoffen kann eine Unterdruckschleuse nötig sein. Die Richtung ergibt sich aus der Risikobewertung des Prozesses.
Wie viele Umkleidezonen sind sinnvoll?
Üblich sind drei Stufen von unrein über eine graue Anziehzone bis zur reinen Seite mit Cross-over-Bench. Die genaue Zahl richtet sich nach der Ziel-ISO-Klasse und dem Personenfluss.
Personenschleuse planen oder ausstatten?
Wir liefern Reinraum-Sitzbänke, Differenzdruckwächter, Interlock-Steuerungen und Umkleidesysteme - abgestimmt auf ISO 14644 und GMP-Anhang 1.
Normkonform
Planung nach ISO 14644 und GMP-Anhang 1.
Kaskade im Griff
Definierte Druckstufen von 10-15 Pa je Schleuse.
Sicher verriegelt
Interlock mit Not-Entriegelung und Fluchtweg.
Fachberatung
Reinraum-Spezialisten unterstützen bei der Auslegung.