Schutzlack für Baugruppen richtig auswählen - wie?
Ein Schutzlack (Conformal Coating) schützt bestückte Baugruppen vor Feuchte, Staub und Kondensation. Dieser Ratgeber vergleicht die Lackchemien Acryl, Urethan, Silikon und Parylen, erklärt die Auftragsverfahren und ordnet die Anforderungen nach IPC-CC-830 ein.
Löttechnik ansehenWelche Lackchemie passt zu welcher Baugruppe?
Die Wahl der Chemie entscheidet über Schutzwirkung, Temperaturbereich und Reparierbarkeit. Acryllacke (AR) sind einfach zu verarbeiten und mit Lösemitteln wieder ablösbar, während Urethan (UR), Silikon (SR) und Parylen deutlich robuster, aber schwerer nachzuarbeiten sind.
Acryl bietet guten Feuchteschutz und fluoresziert für die optische Kontrolle unter UV-Licht. Urethan widersteht Lösemitteln und Abrieb, Silikon deckt mit -65 bis 200 °C den grössten Temperaturbereich ab und Parylen wird als extrem dünner, lückenloser Film im Vakuum abgeschieden.
Welches Auftragsverfahren ist das richtige?
Vom manuellen Pinsel bis zur Selektivbeschichtung reicht die Bandbreite. Entscheidend sind Stückzahl, geforderte Kantenabdeckung und die Frage, welche Bauteile abgedeckt (maskiert) werden müssen.
- Pinsel und Spray aus der Dose: ideal für Prototypen, Reparatur und Kleinserien.
- Tauchen (Dip): gleichmässige Schicht bei mittleren Serien, benötigt viel Maskierung.
- Selektive Beschichtung: Roboter trägt nur definierte Bereiche auf, spart Maskierung.
- Parylen: chemische Gasphasenabscheidung im Vakuum, benetzt jede Kante lückenlos.
- Zielschichtdicke meist 25‑75 µm, bei Silikon oft dicker, bei Parylen deutlich dünner.
Was fordert die IPC-CC-830?
Die IPC-CC-830 ist die Qualifikations- und Leistungsnorm für Schutzlacke auf bestückten Leiterplatten. Sie definiert Prüfungen zu Isolationswiderstand, Feuchte- und Temperaturwechsel, Durchschlagfestigkeit und Fungusbeständigkeit.
Die Verarbeitung und die zulässige Fehlerbewertung (Blasen, Fischaugen, Kantenrückzug) regelt ergänzend die IPC-A-610. Die Schichtdicke wird bei Acryl, Urethan und Silikon üblicherweise auf 25 bis 75 µm im nassen Bereich festgelegt.
Häufige Fragen
Wie dick soll ein Schutzlack aufgetragen werden?
Für Acryl, Urethan und Silikon nennt die IPC-CC-830 typisch 25 bis 75 µm Trockenschichtdicke. Parylen wird deutlich dünner (wenige µm), Silikon oft etwas dicker aufgetragen.
Welcher Lack lässt sich am leichtesten reparieren?
Acryllacke lassen sich mit geeigneten Lösemitteln lokal ablösen und neu beschichten. Urethan und besonders Parylen sind nur schwer bis gar nicht nachzuarbeiten.
Muss die Baugruppe vor dem Beschichten gereinigt werden?
Ja. Flussmittel- und Ionenrückstände unter dem Lack verursachen Delamination und Elektromigration. No-Clean-Prozesse sollten auf Beschichtungsverträglichkeit geprüft werden.
Was bedeutet IPC-CC-830?
Es ist die Norm, die Anforderungen und Prüfverfahren für Schutzlacke auf elektronischen Baugruppen festlegt, unter anderem Isolationswiderstand, Temperaturwechsel und Durchschlagfestigkeit.
Den passenden Schutzlack gesucht?
Wir beraten zu Acryl, Urethan, Silikon und Parylen sowie zum passenden Auftragsverfahren - abgestimmt auf IPC-CC-830.
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