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IPC-A-610

Selektivlötanlage oder Wellenlöten - was lohnt sich?

Eine Selektivlötanlage lötet THT-Bauteile gezielt Punkt für Punkt, während das Wellenlöten die gesamte Leiterplatte über eine Lotwelle führt. Dieser Ratgeber zeigt, ab wann sich die selektive Anlage lohnt und welche Düsen- und Prozessparameter über ein sauberes Lötergebnis entscheiden.

5 Min.Stand: 2026-07Geprüft: Fachredaktion
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260-320 °C
typische Lottemperatur
1-6 mm
gängige Düsen-Innendurchmesser
75 %
Durchsteigung nach IPC-A-610
N₂
Stickstoff gegen Oxidation
Inhalt
  1. Prinzip und Unterschied
  2. Wann es sich lohnt
  3. Düsen und Parameter
  4. Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich Selektivlöten vom Wellenlöten?

Beim Wellenlöten überströmt eine stehende Lotwelle die komplette Leiterplattenunterseite, sodass alle THT-Anschlüsse in einem Durchgang benetzt werden. Die Selektivlötanlage dagegen fährt eine oder mehrere Miniaturdüsen programmgesteuert nur an die Lötstellen, die tatsächlich Lot benötigen.

Der entscheidende Vorteil: bereits bestückte SMD-Bauteile, Steckverbinder oder wärmeempfindliche Komponenten bleiben unberührt, weil kein Kontakt mit der gesamten Welle stattfindet. Selektivlöten arbeitet dadurch präziser, verbraucht weniger Lot und benötigt keine aufwendige Abklebemaske (Palette) wie oft beim Wellenlöten.

Faustregel: Je höher der SMD-Anteil und je weniger THT-Stellen pro Baugruppe, desto eher spielt die Selektivlötanlage ihre Stärken aus. Bei dicht gepackten, rein bedrahteten Platinen bleibt das Wellenlöten oft schneller.
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Ab welcher Stückzahl lohnt sich die Selektivlötanlage?

Die Wirtschaftlichkeit hängt weniger an der reinen Stückzahl als am Verhältnis von THT-Lötstellen zur SMD-Bestückung und an der Variantenvielfalt. Selektivlöten punktet bei mittleren Serien, hohem Mischbestückungsgrad und häufigem Produktwechsel, weil keine Lötpalette pro Variante gebaut werden muss.

  • Viele Produktvarianten in kleinen Losgrössen sprechen klar für Selektivlöten.
  • Grosse Stückzahlen weniger Typen mit vielen THT-Stellen bleiben beim Wellenlöten günstiger.
  • Wärmeempfindliche oder bereits bestückte SMD-Nachbarn erzwingen oft die selektive Lösung.
  • Kürzere Rüstzeiten und wegfallende Palettenkosten verbessern die Rechnung des Selektivlötens.
Rechnen Sie nicht nur die Maschinenkosten: entfallende Lötpaletten, geringerer Lot- und Flussmittelverbrauch sowie weniger Nacharbeit fliessen in die Gesamtkosten pro Baugruppe ein.

Welche Düsen- und Prozessparameter zählen?

Das Lötergebnis steht und fällt mit der Düse. Innendurchmesser, Benetzungshöhe und Standzeit der Düse müssen zum Pad-Layout passen. Typische Miniwellendüsen liegen zwischen 1 und 6 mm Innendurchmesser: kleine Düsen für einzelne Pins mit engem Rastermass, breitere Düsen für Steckerleisten und Masseflächen.

Vorheizen ist Pflicht: Ein zu hoher Temperaturunterschied zwischen Board und Lot führt zu schlechter Durchsteigung und kalten Stellen. Stickstoff (N₂) an der Düse verdrängt Sauerstoff, hält die Lotoberfläche blank und verbessert die Benetzung deutlich, besonders bei bleifreien Loten mit hohem Zinnanteil.

  • Düseninnendurchmesser auf das engste Rastermass und die grössten Pads abstimmen.
  • Lottemperatur bleifrei meist 20‑40 °C höher als bei bleihaltigem Lot ansetzen.
  • Vorheizung so wählen, dass das Delta-T zwischen Board und Lot klein bleibt.
  • N₂-Inertisierung senkt Krätzebildung und Brückenbildung an eng stehenden Pins.
  • Düsen regelmässig reinigen und Standzeit überwachen, da Verschleiss die Benetzung verschlechtert.
Nach IPC-A-610 gilt für THT-Durchkontaktierungen in der Regel eine Mindestdurchsteigung des Lots von 75 % der Bohrungslänge. Düse, Temperatur, Vorheizung und Lötzeit werden gemeinsam auf dieses Ziel eingestellt.

Häufige Fragen

Wann ist Selektivlöten dem Wellenlöten überlegen?

Immer dann, wenn viel SMD und wenige THT-Stellen kombiniert sind, wärmeempfindliche Bauteile in der Nähe sitzen oder viele Varianten in kleinen Losen laufen. Dann entfallen Lötpaletten und der Wärmeeintrag bleibt lokal begrenzt.

Welche Löttemperatur braucht eine Selektivlötanlage?

Üblich sind 260 bis 320 °C, bei bleifreien Loten eher am oberen Ende. Der Wert wird zusammen mit Vorheizung und Lötzeit auf eine sichere Durchsteigung eingestellt.

Warum wird mit Stickstoff gelötet?

Stickstoff verdrängt Sauerstoff an der Lotdüse, verhindert Oxidation der Lotoberfläche und verbessert die Benetzung. Das reduziert Brücken und Krätze besonders bei bleifreien Loten.

Wie wähle ich den richtigen Düsendurchmesser?

Kleine Düsen ab etwa 1 mm für einzelne Pins mit engem Rastermass, breitere Düsen bis 6 mm für Steckerleisten und grosse Masseflächen. Ausschlaggebend sind Rastermass und Pad-Grösse.

Selektivlötanlage oder Zubehör gesucht?

Wir beraten zu Selektiv- und Wellenlötsystemen, Miniwellendüsen, Flussmittel und Stickstoff-Inertisierung - passend zu Ihrem Bestückungsgrad.

Nach IPC-A-610

Prozesse ausgelegt auf 75 % Durchsteigung und saubere Kehle.

Prozess-Know-how

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N₂-Technik

Stickstoff-Inertisierung für beste Benetzung.

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